20.11.2013 | Kirchliches Arbeitsrecht

Gehaltsverhandlungen mit Caritas in Ostdeutschland vorerst gescheitert

Keine Einigung über Anhebung der Gehälter im Pflegebereich.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Gehaltsverhandlungen für Beschäftigte der Caritas in Ostdeutschland und Berlin sind in der aktuellen Lohnrunde gescheitert.

Mitarbeitervertreter der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes beklagen, dass durch das Scheitern der Verhandlungen die Abstände zum Lohnniveau im Westen größer würden. Mittlerweile erhielten die 30.000 Caritas-Mitarbeiter im Osten bis zu elf Prozent weniger Geld als ihre Kollegen im Westen, in Berlin sogar bis zu 14 Prozent weniger. Die Arbeitgeber widersprachen: Aus ihrer Sicht gibt es noch Chancen auf eine Einigung.

In der zuständigen Kommission war monatelang ohne Ergebnis verhandelt worden. Im Spätsommer wurde das zweistufige Vermittlungsverfahren eröffnet. Ein erster Vermittlungsvorschlag scheiterte. Ein notwendiger gemeinsamer zweiter Vorschlag der beiden Vorsitzenden der Vermittlungsstelle kam Anfang November nicht zustande.
«In unseren Augen ist das Vermittlungsverfahren noch nicht beendet», sagte der die Arbeitgeberseite vertretende Vorsitzende der Regionalkommission Ost, Johannes Brumm, in Berlin. «Wir haben noch Hoffnung, dass es zu einem Vorschlag kommt.» Grundsätzlich gibt es auch die Möglichkeit, externe Schlichter zu berufen.

Gehalt wird in Kommissionen ausgehandelt

Für die katholische Caritas gilt das kirchliche Arbeitsrecht, der sogenannte «Dritte Weg». Hier werden Bezahlung und Arbeitsbedingungen in speziellen Kommissionen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelt. Ein Streikrecht gibt es nicht. Das Bundesarbeitsgericht hatte diesen Sonderweg der Kirchen 2012 im Grundsatz bestätigt, aber eine größere Mitwirkung der Gewerkschaften angemahnt. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat erst kürzlich ihren Landeskirchen freie Hand gegeben, klassische Tarifverträge auszuhandeln, jedoch ohne Streikrecht. Die Gewerkschaft Verdi will mittlerweile das Streikrecht vor dem Bundesverfassungsgericht einklagen.

Einkommensverhältnisse im Pflegebereich in Ostdeutschland

Die Caritas hatte ihren Beschäftigten im Osten je nach Berufssparte unterschiedliche Vergütungsanpassungen angeboten. In den unteren Lohngruppen - etwa für angelernte Pflegehelferinnen oder Küchenhilfen - sollte es nach Darstellung der Mitarbeiterseite nicht mehr Geld geben.
«Aktuell verdient eine vollzeitbeschäftigte Altenpflegerin bei der Caritas in Magdeburg mindestens 350 EUR brutto weniger als eine Altenpflegerin in Braunschweig. Das sind über 10 Prozent Differenz», erklärte Hubert Garski, der von der Mitarbeiterseite benannte Vorsitzende der Regionalkommission Ost. Eine Pflegehelferin komme mit dem branchenüblichen 30-Stunden-Vertrag im Osten auf etwa 1.360 EUR brutto im Monat.

Schlagworte zum Thema:  Caritas, Kirchliches Arbeitsrecht, Dritter Weg, Gehaltsverhandlung

Aktuell

Meistgelesen