| Tarifrunde TV-L 2015

Öffentlicher Dienst steht vor einer harten Tarifrunde

Gewerkschaftsvertreter fordern 5,5 Prozent mehr Gehalt.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Angesichts der gut laufenden Konjunktur fordern Gewerkschaftsvertreter im Vorfeld der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder eine deutliche Gehaltssteigerung von 5,5 Prozent.   

Geht es nach dem Verdie-Chef Frank Bsirske, können sich die Bundesbürger beruhigt in den Weihnachtsurlaub verabschieden. Die Wirtschaft sieht er am Brummen, global und im Euroraum. Vor diesem Hintergrund werde sich die konjunkturelle Dynamik in Deutschland 2015 verstärken, meint er.

Aus diesem Grund sollen auch die knapp drei Millionen Angestellten, Beamten und Pensionsempfänger der Länder ein ordentliches Stück vom Kuchen abbekommen. Mit der Forderung nach 5,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 175 Euro, ziehen Verdi und der Beamtenbund (dbb) in die Tarifrunde 2015.

Gewerkschaften verlangen deutliches Lohnplus

Doch auch wenn es nicht so gut läuft mit der Konjunktur - Bsirske räumt Risiken ein - sei ein deutliches Lohnplus angezeigt. Denn der Konsum sei zentraler Treiber der Konjunktur. Er solle gestärkt werden.

Verhandelt wird ab 16. Februar 2015 für die 800.000 Angestellten der Länder ohne Hessen, das nicht in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ist.

Nachdrücklich verlangen Verdi und dbb die wirkungsgleiche Übertragung auf die Beamten, was aber dann die Landespolitiker jeweils entscheiden müssten. Bsirske kritisiert eine Spreizung des Besoldungsniveaus von 18 Prozent in den einzelnen Bundesländern. «Für uns ist die Lohnrunde im öffentlichen Dienst erst dann beendet, wenn auch die Besoldungsregelungen definiert sind», stellt dbb-Chef Klaus Dauderstädt fest.

Entgeltordnung für Lehrkräfte gefordert

Es gibt noch zwei zentrale Baustellen, auf denen die Gewerkschaften in der Tarifrunde unbedingt aufräumen wollen: Für die 200.000 angestellten Lehrkräfte wollen sie endlich auch eine tarifliche Entgeltordnung haben. Daran waren sie vergangenes Mal gescheitert. Und den etwa an Hochschulen und in Kliniken um sich greifenden Befristungen der Arbeitsverträge wollen sie einen Riegel vorschieben.

Erhöhungen würden über 2 Milliarden Euro kosten

Leicht dürfte es nicht werden, auch wenn sich die Gewerkschaftsleute betont optimistisch geben. TdL-Chef Jens Bullerjahn (SPD), Finanzminister Sachsen-Anhalts, stellt umgehend klar: «Die Länder mühen sich seit Jahren, ihre Haushalte in den Griff zu bekommen.» Die Forderungen würden für die 15 Mitgliedsländer der TdL Mehrkosten von 2,1 Milliarden Euro allein für die Angestellten bringen. Inklusive Beamte wären es sogar 6,5 Milliarden Euro.

Bsirske geht von etwas geringen Kosten aus - und weist schon mal darauf hin, wo das Geld herkommen soll: «Die Länder gehen (...) für 2015 von einem Anstieg der Steuereinnahmen von 3 Prozent und 2016 von 4 Prozent aus.»

Es dürfte also ein hartes Verhandeln werden um das Geld für Krankenpfleger, Lehrer, Polizisten und Beschäftigte in Straßenmeistereien, beim Zoll, in der Justiz, in Hochschulen, Theatern und im Küstenschutz. Drei zähe Runden waren es vergangenes Mal, bis Gewerkschaften und TdL im März 2013 den Durchbruch schafften.

Gleich zu Jahresbeginn 2015 geht es auch für mehr als 4 Millionen Beschäftigte bei Chemie, Metall und Elektro um mehr Geld - die Forderungen hier: zwischen 4 und 5,5 Prozent.

Schlagworte zum Thema:  Tarifverhandlung, TV-L, Öffentlicher Dienst

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