Mit dem Knast-O-Mat Justizmitarbeiter rekrutieren

„Ob Du da rein passt, findest Du hier raus“ - Die Justiz in NRW will Jobinteressenten mit einem Schnelltest auf eine Karriere im Justizvollzug aufmerksam machen. Im Knast-O-Mat können Interessierte anhand von 20 Fragen herausfinden, ob ein Job im Justizvollzug für sie passen könnte. 

Seit Anfang 2019 führt das Justizministerium in Nordrhein-Westfalen eine über drei Jahre angelegte Recruitingkampagne durch – mit dem Ziel, sowohl Nachwuchs als auch erfahrene Fachkräfte für die insgesamt 27 Berufsbilder in ihrem Bereich zu gewinnen. Mit rund 40.000 Mitarbeitern in etwa 300 Behörden ist die Justiz im bevölkerungsreichsten Bundesland ein großer Arbeitgeber. Begleitet wird die Kampagne von der Düsseldorfer Agentur YeaHR, die auf digital getriebene HR-Lösungen spezialisiert ist.

Kein Job wie jeder andere

Die Personalgewinnungsoffensive steht unter dem Leitmotiv „Arbeiten für die Justiz.NRW. Den Menschen im Sinn“. Eine spezielle Rolle innerhalb dieser Kampagne spielt die Personalgewinnung für den Dienst als Beamtin oder Beamter im Allgemeinen Vollzugsdienst in den 36 Justizvollzugsanstalten und fünf Jugendarrestanstalten.

Diese Tätigkeit ist wahrlich kein Job wie jeder andere. Denn sie hat Rahmenbedingungen, mit denen sich nur wenige Stellensuchende auf Anhieb anfreunden kann: Schichtdienst in Locations, die nicht gerade an hippe Co-Working-Spaces erinnern, keine Chance auf Homeoffice, Verbot von Smartphones und Social-Media-Nutzung am Arbeitsplatz.

Ende Oktober startete der Knast-O-Mat

Ministerium und Agentur entschieden sich jedoch, die durchaus schwierigen Rahmenbedingungen nicht zu verschweigen, sondern sie in der Kampagne offen und ehrlich zu benennen und ihnen Vorteile wie die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit als Justizvollzugsbeamter, die hohe Arbeitsplatzsicherheit sowie die Vorzüge der Verbeamtung gegenüber zu stellen.

Ein mutiger Schritt war es auch, eine Justizvollzugsanstalt in der offiziellen Kommunikation der Justiz NRW als Knast zu bezeichnen. Alle Beteiligten gehen diesen Weg aber aus Überzeugung mit. Und so präsentierte NRW-Justizminister Peter Biesenbach vor kurzem in Düsseldorf den Knast-O-Mat der Öffentlichkeit.

So funktioniert der Knast-O-Mat

Das an den Wahl-O-Mat angelehnte Online-Tool klärt mit 20 kurzen Fragen ab, ob ein Interessent in die Welt des Justizvollzugs passt. Es bezieht seinen Charme aus einer Mischung aus frischen Fragen, Spaß, Usability und echter Orientierung. Ein inhaltlich und grafisch interessant gestaltetes Ergebnis vermittelt auf einen Blick, ob jemand für den Vollzug geeignet ist oder nicht.

Hier können Sie den Knast-O-Mat selbst ausprobieren.

Die Möglichkeiten und Grenzen von Online-Tools

„Tools wie der Knast-O-Mat können unter gewissen Bedingungen dabei helfen, die richtige Kandidaten-Zielgruppe genauer zu identifizieren und so Streuverluste zu minimieren. Sie leisten das, indem sie abseits ausgetretener Pfade auf frischen Wegen dazu beitragen, sich einem Job oder einer Tätigkeit und deren groben Charakteristika anzunähern. Mehr können diese Instrumente dann doch nicht“, sagt Andreas Herde, CEO von YeaHR!. „Sie müssen spielerisch, mobilfähig, unterhaltsam-kurzweilig und vor allem straff gestaltet sein. Man sollte sich immer die Frage stellen: Ist es so gestaltet, dass man es auf der Fahrt zur Arbeit zum Beispiel in Bus oder Bahn flott durchspielen kann“, erläutert er weiter.

Allerdings sei es unrealistisch zu glauben, dass diese Tools die klassischen Instrumente der HR-Abteilungen wie persönliche Gespräche, Assessment-Center und vieles mehr ersetzen könnten. „Diese klassischen und bewährten Instrumente kommen vielmehr wie üblich bei den richtigen Kandidaten zum Einsatz, nachdem diese Zielgruppe auch mit Hilfe des Online-Tools genauer herausgefiltert worden ist“, so Herde.

Netter Nebeneffekt: De-Selektion unpassender Kandidaten

Zwar mag eine Verbeamtung mit attraktiven Pensionsansprüchen für viele Stellensuchende verlockend sein. Aber es gibt auch Menschen, die sich nicht vorstellen können, sich während der Arbeit mehrere Stunden von ihrem Smartphone zu trennen. Diese sind für eine Tätigkeit in einer Justizvollzugsanstalt schlicht ungeeignet. Auch um unpassende Kandidaten im Vorfeld mit möglichst geringem Aufwand zu de-selektieren, wurde der Knast-O-Mat ins Leben gerufen. Das Ziel soll sein, die richtigen Kandidaten zu identifizieren – und nicht so viele potenzielle Bewerber wie möglich zu generieren.

Durch die Kommunikation einiger für die Tätigkeit im Justizvollzug typischen Rahmenbedingungen via Knast-O-Mat sollen die Recruiter der Nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalten von der zeitintensiven Beschäftigung mit solchen Kandidaten entlastet werden, die aus bestimmten Gründen für eine solche Tätigkeit sowieso nicht in Frage kommen.


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