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Massiver Lehrermangel befürchtet

Wie kann der Lehrermangel abgewendet werden?
Bild: Haufe Online Redaktion

Jeder zweite Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern ist über 50. Die Bildungsgewerkschaft GEW macht sich Sorgen, wie die absehbaren Personallücken geschlossen werden können. Mehr Geld für Grundschullehrer soll ein Weg sein. Aber auch weniger Stunden.

Trotz 50 Millionen Euro extra für Schulen und Lehrerverbeamtungen steuert Mecklenburg-Vorpommern nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW auf einen drastischen Lehrermangel zu. «Junge Leute vergleichen die Arbeitsbedingungen und erkennen schnell, dass sie bei uns an den Schulen meist mehr Stunden arbeiten müssen. Wohl auch deshalb haben sich weniger Absolventen für Referendariate an Grund- und Regionalschulen bei uns beworben», sagte die GEW- Landesvorsitzende Annett Lindner am Dienstag in Schwerin. Sie forderte von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) ein langfristiges Personalkonzept zur Sicherung des Lehrernachwuchses. Weit über die Hälfte der rund 10 000 Pädagogen im Nordosten ist älter als 50 Jahre.

Von 255 ausgeschriebenen Referendariatsstellen waren zum zweiten Schulhalbjahr nur 185 besetzt worden. Während sich für die Gymnasien sechsmal mehr Bewerber meldeten als Stellen vorhanden waren, blieb die Resonanz bei Grund-, Regional- und Berufsschulen deutlich verhaltener. Lindner machte dafür unter anderem die vergleichsweise schlechte Bezahlung von Grundschullehrern verantwortlich. Etwa ein Drittel der Pädagogen im Land arbeitet an Grundschulen.

Minister Brodkorb zeigte sich indes zuversichtlich, dass der Lehrernachwuchs auch in Zukunft gesichert werden kann. «Schon die Ankündigung der Verbeamtung hat im Vorjahr für drastisch gestiegene Bewerberzahlen gesorgt. Zu Schuljahresbeginn haben wir 400 neue Lehrer eingestellt», sagte Brodkorb. Das seien fast viermal so viele gewesen wie in den Schuljahren zuvor. Zudem wachse die Zahl von Bewerbern aus anderen Bundesländern. «Das zeigt, dass unsere Strategie, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, so verkehrt nicht ist», sagte Brodkorb.

Sein Ziel sei es, mit Hilfe des millionenschweren Bildungspakets 600 Lehrer zusätzlich zu gewinnen, um die Qualität der Schulbildung zu verbessern. Brodkorb kündigte eine bundesweite Werbekampagne um Junglehrer an. Zudem solle die Ausschreibung offener Stellen künftig früher erfolgen.

Lindner mahnte den Minister, auch die Bedingungen für ältere Lehrer zu verbessern. Diese hätten jahrelang durch Zwangsteilzeit Einkommensverluste hinnehmen müssen. Nun gehe es darum, einen sozialverträglichen Übergang in den Ruhestand zu gewährleisten. Dringenden Nachholbedarf sieht die Gewerkschafterin auch bei der Fortbildung für Lehrer. Noch immer fehle das lange angekündigte Landeskonzept zur Inklusion. Auf den gemeinsamen Unterricht für behinderte und nichtbehinderte Schüler seien die Pädagogen bislang nur unzureichend vorbereitet.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, unterstützte die GEW-Forderungen. «Solange das Land die Arbeitszeit der Lehrkräfte von mehr als 40 Stunden pro Woche nicht absenkt, kann auch nicht von einer Entlastung gesprochen werden und damit auch nicht von einer Erhöhung der Attraktivität des Berufes», betonte Oldenburg. Zu 27 Stunden Unterrichtsverpflichtung müssten Vor- und Nachbereitung hinzugerechnet werden.

Der SPD-Schulexperte Andreas Butzki hingegen warf der GEW vor, das Land schlechtzureden. Dass es zu wenig Bewerber für Referendariate an Grund- und Regionalen Schulen gebe, sei «ein bundesweites und kein landesspezifisches Problem». Das Land habe reagiert. So würden Klassenleiter an Grundschulen vom nächsten Schuljahr an eine der bundesweit niedrigsten Unterrichtsverpflichtungen haben und Lehrkräfte an Regionalen Schulen wie an Gymnasien in der Entgeltgruppe 13 eingruppiert. «Beides wird uns bei dem Werben um die besten Lehrkräfte für den Schuldienst helfen», zeigte sich Butzki sicher.

Schlagworte zum Thema:  Lehrer, Gewerkschaft, Beamte

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