30.08.2016 | Kommunale Krankenhäuser

Gewerkschaft fordert 5,9 Prozent mehr für Klinikärzte

Der Marburger Bund fordert in den am 22. September beginnenden Tarifverhandlungen eine lineare Gehaltserhöhung um 5,9 Prozent.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Gewerkschaft Marburger Bund fordert für die rund 55.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern 5,9 Prozent mehr Geld. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände wies die Forderung zurück. Die Tarifverhandlungen beginnen am 22. September.

Der Ärztetarifvertrag gilt bundesweit - mit Ausnahme von Berlin und Hamburg - für angestellte Ärztinnen und Ärzte in rund 550 kommunalen Kliniken. Die kommunalen Krankenhäuser sind damit der größte Tarifbereich, in dem angestellte Krankenhausärztinnen und -ärzte tätig sind. Daher geht von diesen Tarifverhandlungen häufig auch eine gewisse Signalwirkung auf andere Tarifbereiche der angestellten Ärztinnen und Ärzte aus.

5,9 Prozent Gehaltserhöhung gefordert

Personalmangel, Leistungsverdichtung und Mehrarbeit seien an der Tagesordnung, sagte der Marburger-Bund-Vorsitzende Rudolf Henke in Berlin. «Die kommunalen Krankenhäuser müssen sich ihrer Verantwortung für eine qualifizierte ärztliche Versorgung stellen.» Es gehe darum, den Anschluss an weite Bereiche des wirtschaftlichen Lebens nicht zu verlieren.

Die Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern müssten häufig unter schwierigen Arbeitsbedingungen ihre Patienten versorgen, so Henke. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit steige und nähere sich der 60 Stunden-Marke. Überstunden seien an der Tagesordnung, um die unbesetzten Stellen im ärztlichen Dienst zu kompensieren. „Die angestellten Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern wollen – wie alle anderen Arbeitnehmer auch - an der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben und erwarten eine ihrer Leistung und ihrem Einsatz entsprechende Bezahlung der Arbeit“, bekräftigte Henke.

In der diesjährigen Tarifrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) fordert der Marburger Bund eine lineare Erhöhung der Ärztegehälter um 5,9 Prozent.

Sonstige tarifliche Regelungen erst 2018 wieder verhandelbar

In den zurückliegenden Jahren ist es dem Marburger Bund gelungen, neben moderaten Gehaltserhöhungen auch Verbesserungen bei den Beschäftigungsbedingungen zu erreichen. Die aktuell gültige Entgelttabelle wurde im Tarifabschluss vom 5. Februar 2015 vereinbart und sah eine  Gehaltssteigerung von 4,1 Prozent in zwei Schritten vor. Zunächst stiegen die Gehälter ab Dezember 2014 um 2,2 Prozent und anschließend ab Dezember 2015 um weitere 1,9 Prozent. Außerdem gab es Änderungen in Struktur und Höhe der Bereitschaftsentgelte. Durch die Einführung neuer Stufen ab 1. März 2015 ergaben sich Steigerungen zwischen 3,0 und 12,3 Prozent. Die Bereitschaftsdienstentgelte wurden ab Dezember 2015 ebenfalls nochmals um 1,9 Prozent erhöht. Der Abschluss sah auch vor, dass andere tarifvertragliche Bestandteile, insbesondere Regelungen zum Bereitschaftsdienst, frühestens ab 2018 wieder Gegenstand von Tarifverhandlungen sein können.

Eine lineare Steigerung der Tabellenwerte würde auch bei den Zuschlägen für Sonderformen der Arbeit, insbesondere bei der Höhe der Bereitschaftsdienstentgelte, automatisch Verbesserungen mit sich bringen. Gemäß einer Regelung im Tarifvertrag erhöhen sich diese Zuschläge ebenfalls um die vereinbarte prozentuale Steigerung  der Gehälter.

Arbeitgeberverband weist Forderungen zurück

Der kommunale Arbeitgeberverband VKA wies die Forderung als «völlig unangemessen» zurück. 5,9 Prozent mehr Gehalt für die Ärztinnen und Ärzte würden die kommunalen Krankenhäuser um rund 320 Millionen Euro mehr belasten. "Das ist nicht finanzierbar“, so Joachim Finklenburg, Verhandlungsführer der VKA. Finklenburg wies außerdem darauf hin, dass insbesondere durch die Kürzung der Mehrleistungsabschläge nicht viele Spielräume blieben. „Die meisten Krankenhäuser schreiben rote Zahlen, Personalkosten werden nicht refinanziert. Wir erhalten jetzt schon Hinweise, dass die Krankenhäuser auch zukünftig mit hohen Defiziten zu rechnen haben“. Bei solch schlechten Rahmenbedingungen könne man unmöglich für eine Berufsgruppe überdurchschnittlich hohe Lohnerhöhungen vereinbaren.

Die Tarifverhandlungen beginnen am 22. September in Düsseldorf.

Schlagworte zum Thema:  Klinik, Ärzte, Krankenhaus TVöD, Marburger Bund

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