| Flexible Arbeitszeiten

Gewerkschaft: Beschäftigte wollen Arbeitszeit-Souveränität

Beschäftigte und Arbeitgeber können von flexiblen Arbeitsformen profitieren.
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) führt bis Ende 2016 führt mit Sozialpartnern, Zivilgesellschaft und Wissenschaft einen „Arbeitszeitdialog“, um die Herausforderungen und Chancen einer innovativen Arbeitszeitgestaltung zu diskutieren.

Der „Arbeitszeitdialog“ ist Teil des Dialogprozesses „Arbeit 4.0“ zur Zukunft der Arbeitsgesellschaft.
Der Beamtenbund dbb forderte bei den Gesprächen mehr Rechte für Beschäftigte bei der Gestaltung der Arbeitszeit. „Die eigene Zeit selbstbestimmt zu organisieren ist nicht nur ein wichtiger Teil unseres Wohlstandes, sondern längst gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwendigkeit“, sagte der stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach.

Flexibilität nutzt allen Beteiligten

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - beispielsweise bei der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen - oder die Anpassung der Arbeitszeit an besondere Lebenssituationen sei nicht nur für die Beschäftigten von Vorteil, so Silberbach. Sie könnten auch die Attraktivität als Arbeitgeber steigern und Ausfallzeiten verringern.
Die Bedürfnisse der Beschäftigten an die Arbeitswelt hätten sich gewandelt, machte Silberbach deutlich. „Abhängig von der jeweiligen Lebenssituation besteht der Wunsch, die Arbeitszeit flexibel anzupassen, um sich insbesondere mehr Zeit für die Familie, für Weiterbildung oder für ein Ehrenamt nehmen zu können. Die bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen lassen eine selbstbestimmte Arbeitszeit-Souveränität derzeit nicht zu. Dies ist aber eine wichtige Voraussetzung, um den veränderten Ansprüchen an Arbeit gerecht zu werden, nicht zuletzt ist sie ein wesentliches Attraktivitätskriterium bei der Arbeitgebersuche.“ Bausteine könnten hier etwa die Weiterentwicklung des Teilzeitrechts um neue Varianten, je nach sozialpolitischer Schwerpunktsetzung auch mit finanzieller Unterstützung, oder etwa Wahlarbeitszeit und zusätzliche Freistellungsmöglichkeiten sein.

Flexibilität bei der Festlegung des Arbeitsortes 

Auch die Bestimmung des Arbeitsortes wird künftig eine größere Rolle spielen. In dem Zusammenhang muss geprüft werden, ob Beschäftigte durch die Tele- oder mobile Arbeit ent- oder belastet werden, auch die Auswirkungen für die Kollegen, die am Hauptarbeitsort tätig sind, sind zu bedenken.

Besonderer Anstrengungen und Kreativität bedürfe es zudem, so Silberbach, bei denjenigen Berufs- und Beschäftigtengruppen, die ihre Arbeit zwingend unmittelbar am Menschen verrichten, insbesondere in Heil-, Pflege-, Erziehungs- und Sozialberufen. Auch diesen Berufsgruppen müsse eine höhere Selbstbestimmung bei der Wahl von Arbeitszeit und Arbeitsort ermöglicht werden.

Entgrenzung der Arbeit durch neue Regelungen verhindern

„Für alle Freiräume, die durch den technologischen Fortschritt neu entstehen, sind gleichwohl Rahmenbedingungen notwendig, die die Beschäftigten schützen“, betonte der dbb Vize. So fehlten bislang effektive gesetzliche oder betriebliche Regelungen zum Umgang mit „ständiger Erreichbarkeit“. „Wir müssen sicherstellen, dass Flexibilität nicht zu einer Entgrenzung der Arbeit führt“, forderte Silberbach. Außerdem müssten „klassische Flexibilitäts-Fallstricke“ in Zukunft unbedingt vermieden werden: „Insbesondere Frauen dürfen aufgrund von Kindererziehung oder Angehörigenpflege und der damit verbundenen Teilzeitphase oder Erwerbspause nicht in die Altersarmutsfalle geraten“, mahnte der dbb Vize.

Schlagworte zum Thema:  Arbeitszeitgestaltung, Flexibilität

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