Gehaltsvergleich zum Tag der Deutschen Einheit

Am dritten Oktober wird zum dreißigsten Mal die deutsche Wiedervereinigung gefeiert. Wie weit die deutsche Einheit auf dem Lohnzettel vorangeschritten ist, zeigt ein Ländervergleich von Gehalt.de. Das Fazit: Immer noch finden sich erhebliche Gehaltsunterschiede, auch wenn sich das Lohnniveau von Jahr zu Jahr angleicht.

Zum Tag der Deutschen Einheit hat das Vergleichsportal Gehalt.de die Einkommensstrukturen in den neuen und alten Bundesländern untersucht. Hierfür wurden 188.532 Gehaltsdaten der Plattform ausgewertet. Das Ergebnis: Immer noch lässt sich ein beträchtliches Gehaltsgefälle feststellen, auch wenn der Unterschied geringer ausfällt, als bei vorherigen Ländervergleichen.

Lohnlücke Ost-West wird kleiner

Laut der Auswertung liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen über alle neuen Bundesländern hinweg bei rund 38.300 Euro im Jahr. In den alten Bundesländern erreicht das Durchschnittsgehalt rund 47.300 Euro, das sind 23,3 Prozent mehr als im „Osten“.

Trotz der noch hohen Lohnunterschiede kommen sich der Osten und der Westen näher. Dies zeigt der Blick auf die Gehaltsentwicklung: Einer Untersuchung aus dem Jahr 2017 zufolge betrug die Lohndifferenz damals noch 25,2 Prozent. „Zukünftig gehen wir davon aus, dass sich die Gehaltskluft zwischen Ost- und Westdeutschland weiter verringern wird. Insbesondere in den Großstädten erkennen wir derzeit einen starken Gehaltsanstieg“, erklärt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

Große Gehaltsunterschiede in bestimmten Berufsgruppen

Als beispielhaft für diese Lohnunterschiede greifen die Studienautoren die Berufsgruppe der Tischler heraus: Am meisten verdienen Tischler im ostdeutschen Raum mit 31.400 Euro in Berlin. Am wenigsten erhalten Tischler in Cottbus mit 25.500 Euro im Jahr. Zum Vergleich: In Stuttgart beträgt das durchschnittliche Einkommen eines Tischlers rund 41.500 Euro. Ein weiteres Beispiel für den Einkommensunterschied zwischen Ost und West sind die Gehälter von Konstruktionsingenieuren. Sie verdienen in Ostdeutschland 47.300 Euro und in Westdeutschland 62.800 Euro.

„Die Ursachen für die Gehaltsunterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern sind sehr vielseitig. Einer davon ist die Größe der Unternehmen – in den neuen Bundesländern sitzen vermehrt kleinere Betriebe mit entsprechend geringerem Gehaltspotenzial“, sagt Bierbach weiter.

Durchschnittslohn in Berlin: 44.500 Euro

Das höchste Gehalt unter den neuen Bundesländern beziehen Beschäftigte im Stadtstaat Berlin mit rund 44.500 Euro. Auf dem zweiten Platz liegt Thüringen – hier verdienen Arbeitnehmer rund 38.500 Euro und damit fast 6.000 Euro weniger im Jahr. Das niedrigste Einkommen erhalten Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlich 34.300 Euro.

Unter den Landeshauptstädten schneidet Schwerin mit 33.500 Euro im Jahr am schwächsten ab. Dresden (36.900 Euro) und Magdeburg (36.300 Euro) liegen im Mittelfeld – hinter Berlin. Zum Vergleich: Hessen ist das lukrativste Bundesland für Fachkräfte (54.200 Euro). Unter den Landeshauptstädten belegt Stuttgart mit 53.400 Euro jährlich bundesweit den ersten Rang.

Bereits zum Jahresbeginn hatte Gehalt.de eine ähnliche Studie veröffentlicht, in der neben dem Ost-West-Vergleich auch die Veränderungen zum Vorjahr festgestellt wurden. Beim Vergleich mit den aktuellen Zahlen fällt auf, dass seit Februar das Lohnniveau in den neuen Bundesländern weiter angestiegen ist: in Berlin beispielsweise lag das Durchschnittsgehalt im Februar noch bei 42.525 Euro, also rund 2.000 Euro niedriger.

Durchschnittliches Einkommen nach Bundesländern

Bundesland

Durchschnittliches Einkommen

Hessen

54.181 €

Baden-Württemberg

50.538 €

Hamburg

49.646 €

Bayern

49.523 €

NRW

47.601 €

Rheinland-Pfalz

46.366 €

Bremen

45.750 €

Saarland

45.387 €

Berlin

44.508 €

Niedersachsen

43.207 €

Schleswig-Holstein

40.426 €

Thüringen

38.466 €

Brandenburg

38.282 €

Sachsen

37.556 €

Sachsen-Anhalt

36.901 €

Mecklenburg-Vorpommern

34.305 €


Landeshauptstädte im Vergleich

Stadt

Durchschnittliches Einkommen

Stuttgart

53.413 €

München

53.242 €

Düsseldorf

50.374 €

Wiesbaden

49.476 €

Mainz

44.982 €

Hannover

44.383 €

Saarbrücken

42.713 €

Kiel

40.060 €

Dresden

36.893 €

Magdeburg

36.294 €

Erfurt

36.122 €

Potsdam

36.037 €

Schwerin

33.512 €

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