Debatte um Lockerungen der Homeoffice-Pflicht

Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellt Lockerungen der Homeoffice-Pflicht für Unternehmen in Aussicht. Hintergrund sind Forderungen der Arbeitgeberverbände, mit zunehmendem Impffortschritt auch die Büros wieder zu öffnen. Von Gewerkschaftsseite wird das kritisch gesehen.

Die Straßencafés und Biergärten sind voll, Shopping ist mit Coronatest auch fast überall wieder möglich. Und was ist mit den Büros? Viele Unternehmen wollen, dass ihre Beschäftigten bei weiter sinkenden Corona-Zahlen so schnell wie möglich aus dem Homeoffice zurückkommen. "Die Impffortschritte in Gesellschaft und Unternehmen müssen mit einer parallelen Rückkehr in einen normalen Geschäftsbetrieb verbunden sein", fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in einem an die Bundesregierung adressierten Zehn-Punkte-Papier.

Homeoffice-Pflicht: BDI fordert Stufenkonzept zur Rückkehr ins Büro

Der BDI will Lockerungen gar nicht an die Inzidenz - also die wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - knüpfen, sondern an die Zahl geimpfter und von Corona genesener Mitarbeitenden. Die Bundesregierung solle ein Stufenkonzept aufstellen und festlegen, bei welchem Anteil Geimpfter und Genesener Homeoffice auf ein Mindestmaß verringert oder ganz abgeschafft werden könne. Das Gleiche soll für die Coronatests im Betrieb, für Hygieneauflagen und Quarantänezeiten passieren. Um Dienstreisen zu erleichtern, sollten auch hier Beschränkungen zurückgenommen werden.

Altmaier für schnelle Lockerungen der Homeoffice-Pflicht

Wirtschaftsminister Peter Altmaier stimmte die Unternehmen bereits auf Lockerungen ein. Es werde Schritt für Schritt weniger Vorschriften geben, sagte der CDU-Politiker in einem Podcast der Tageszeitung Bild: "Ich glaube, dass die Idee, dass man zur Normalität zurückkehrt, sicherlich auch bedeutet, dass man dann dort, wo es Sinn macht, auch wieder vor Ort arbeiten kann."

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Angesichts des Impffortschritts fordert der Mittelstand eine sofortige Abschaffung der Homeoffice- und Testvorschriften für Unternehmen. Altmaier müsse beim Impfgipfel die Initiative ergreifen und sich "endlich einmal durchsetzen", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Markus Jerger, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Seine Forderung: "Die Unternehmen müssen ab sofort zum Normalbetrieb zurückkehren können."

Derzeit müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden zweimal wöchentlich Schnelltests zur Verfügung stellen. Außerdem soll laut Infektionsschutzgesetz Arbeit im Homeoffice die Regel sein - zumindest bei Beschäftigten, die im Büro arbeiten. Die Unternehmen müssen das Arbeiten von zu Hause ermöglichen, wenn keine zwingenden Gründe dagegen sprechen. Die Beschäftigten müssen dies im Normalfall auch annehmen. Beide Regelungen - die zu Tests und die zum Homeoffice - laufen nach bisheriger Planung ohnehin Ende Juni aus.

Streit ums Homeoffice: Gewerkschaftsbund hält an Homeoffice-Pflicht fest

Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) dagegen ist die Verpflichtung, im Homeoffice zu arbeiten, im Moment auf jeden Fall noch angemessen. "Auch wenn die Infektionszahlen endlich zurückgehen - wir haben die Pandemie noch lange nicht bewältigt", mahnt DGB-Chef Reiner Hoffmann. "Deswegen wäre es unverantwortlich, jetzt übereilt alle wirkungsvollen Mechanismen, die helfen, die Pandemie einzudämmen, über Bord zu werfen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Solange nicht ein Großteil der Beschäftigten vollständig geimpft sei, dürften sich die Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung stehlen.

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Das wollten sie auch gar nicht, betonte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter. Die Pflicht solle Ende Juni auslaufen - aber: "Das bedeutet nicht das Ende von Homeoffice oder Testen", betonte er. "Wir stehen auch ohne Bürokratie zu unseren Beschäftigten."

Rückkehr ins Büro mit flexiblen Konzepten 

Tatsächlich werden sich viele Arbeitgeber an den Gedanken gewöhnen müssen, dass ihre Mitarbeitenden gar nicht alle ins Büro zurückkehren wollen. Einer Umfrage des Beratungsunternehmens EY zufolge wollen die meisten Beschäftigten auch nach der Coronakrise teils im Homeoffice arbeiten: 38 Prozent wollen pro Woche nur noch drei- bis viermal, 36 Prozent sogar nur noch ein- bis zweimal ins Büro kommen.

Altmaier sieht da allerdings kein großes Problem: Viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer hätten sich längst so arrangiert, dass flexiblere Arbeitsmodelle möglich seien. Das sei eine der positiven Lektionen aus der Coronakrise.


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Schlagworte zum Thema:  Homeoffice, Coronavirus, Arbeitgeberpflichten