Corona: Krankschreibung per Telefon bei Erkältung

Die Möglichkeit für gesetzlich Versicherte, dass Ärzte bei einer Erkältung nach telefonischer Anamnese krankschreiben oder die notwendige Betreuung des erkrankten Kindes bestätigen wurde zunächst bis zum 18.5.2020 verlängert. Nun wurde die befristete Ausnahmeregelung zur telefonischen Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit bis einschließlich 31.5.2020 verlängert.

Die befristete Sonderregelung zur telefonischen Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit durch Vertragsärztinnen und Vertragsärzte ist nach derzeitiger Einschätzung der Gefährdungslage letztmalig bis einschließlich 31.5.2020 verlängert worden. Den entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einstimmig am 14.5.2020 in Berlin. Ab dem 1.6.2020 gilt dann wieder, dass für die ärztliche Beurteilung, ob eine Versicherte oder ein Versicherter arbeitsunfähig ist, eine körperliche Untersuchung notwendig ist.

Krankschreibung per Telefon 

Bis einschließlich 31.5.2020 gilt: Die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit bei Versicherten mit Erkrankungen der oberen Atemwege, die keine schwere Symptomatik aufweisen, darf für einen Zeitraum von bis zu 7 Kalendertagen auch nach telefonischer Anamnese erfolgen. Das Fortdauern der Arbeitsunfähigkeit kann im Wege der telefonischen Anamnese einmalig für einen weiteren Zeitraum von bis zu 7 Kalendertagen festgestellt werden.

Telefonische Anamnese

Die telefonische Anamnese durch die Vertragsärztin oder den Vertragsarzt muss im Wege der persönlichen ärztlichen Überzeugung vom Zustand der Versicherten oder des Versicherten durch eingehende Befragung erfolgen. Die Möglichkeit der telefonischen Anamnese umfasst auch die technisch weitergehende Videotelefonie.

Unabhängig von der Ausnahmeregelung zur telefonischen Befunderhebung gilt, dass Versicherte bei typischen COVID-19-Symptomen, nach Kontakt zu COVID-19-Patienten und bei unklaren Symptomen von Infektionen der oberen Atemwege vor dem Arztbesuch telefonisch Kontakt zur Praxis aufnehmen und das weitere Vorgehen besprechen.

Zu der Entscheidung erklärte Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA:
„Der Beschluss, die bisherige Behelfsregelung zum 1. Juni zu beenden, steht im Einklang mit der aktuellen Einschätzung der Gefährdungslage, die zu Lockerungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens geführt hat. Wir bereiten damit die Rückkehr zur regulären Patientenversorgung hinsichtlich der ärztlichen Beurteilung von Arbeitsunfähigkeit vor. Arztpraxen erhalten mit der letztmaligen Verlängerung um ca. zwei Wochen den zeitlichen Handlungsrahmen, um sich organisatorisch auf die Wiederherstellung des Regelbetriebs einzustellen, nachdem die Ausstattung mit Masken und sonstigen Schutzausrüstungen mittlerweile weitestgehend gewährleistet ist. In vielen Praxen werden bereits belastbare Hygienekonzepte praktiziert, die auf andere Praxen übertragbar sind, sodass Patientinnen und Patienten die ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen können, ohne sich erhöhten Infektionsrisiken auszusetzen. Dies ist auch wichtig, damit ernsthafte Erkrankungen rechtzeitig von Ärztinnen und Ärzten erkannt und erforderlichenfalls behandelt werden können. Selbstverständlich behält sich der G-BA vor, bei einer sich wieder beschleunigenden Infektionsdynamik auch kurzfristig über eine neue Sonderregelung zur Feststellung der Arbeitsunfähigkeit zu beschließen.“

Der Beschluss zur Verlängerung der Ausnahmeregelung tritt nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit und Veröffentlichung im Bundesanzeiger mit Wirkung vom 19.5.2020 in Kraft.

Hinweis: Vergütung für Ärzte (Abrechnung)

In den Vereinbarungen zum BMV-Ä wurde auch geregelt, was Ärzte in derartigen Fällen abrechnen können. War der Patient in dem Quartal mindestens einmal in der Praxis oder bestand einen Arzt-Kontakt per Videosprechstunde, ist die Versicherten- bzw. Grundpauschale abrechenbar. War der Patient in dem Quartal noch nicht in der Arztpraxis noch in einer Videosprechstunde des Arztes, kann die Gebühren-ordnungsposition (GOP) 01435 (88 Punkte/9,67 Euro) abgerechnet werden. Für das Porto zur Übersendung des Musters 1 oder 21 an den Versicherten ist jeweils die GOP 40122 (0,90 Euro) berechnungsfähig.

Gemeinsamer Bundesausschuss/Haufe Online-Redaktion
Schlagworte zum Thema:  Coronavirus, Arbeitsunfähigkeit