Bundesregierung fordert weniger Befristungen in der Wissenschaft

Die Bedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, um Familie und Beruf zu vereinbaren, sollen nach dem Willen der Bundesregierung besser werden. Der kürzlich vorgelegte Bundesbericht zum wissenschaftlichen Nachwuchs hat ergeben, dass viele Wissenschaftler in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind.

Heute wünschen sich fast neun von zehn jungen Wissenschaftlern in Deutschland Kinder, schieben ihre Familienplanungen aber häufig wegen zu geringer beruflicher Sicherheiten auf. Das zeigt der dritte «Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs», der Gegenstand der Beratungen im Bundeskabinett war.

Noch immer viele befristete Beschäftigungen

Ein Grund für die Probleme sind teilweise wackelige Karrierewege mit weit überwiegend befristeter Beschäftigung. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Regierung habe bereits Programme gegen Befristungen und für eine bessere Familien-Planbarkeit auf den Weg gebracht. Die für Bildung zuständigen Länder und die Hochschulen rief Seibert zu einer zurückhaltenden Befristungspraxis auf.

Aus dem Bericht über die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses geht hervor, dass 82% des hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personals an Hochschulen (ohne Professoren) 2014 befristet beschäftigt waren. An Universitäten und gleichgestellten Hochschulen liegt dieser Wert mit 84% höher als an Fachhochschulen und Verwaltungsfachhochschulen mit 65%. Frauen sind mit 84% etwas häufiger befristet als ihre männlichen Kollegen mit 81%.

Zu den Gründen der Befristungspraxis an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird in der Diskussion neben dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) oftmals auch der steigende Anteil an zeitlich begrenzter Drittmittelfinanzierung des wissenschaftlichen Personals angeführt.

Der wissenschaftliche Nachwuchs an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird in der Regel nicht auf Basis des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG), sondern auf Basis des WissZeitVG befristet, wodurch prinzipiell deutlich längere Befristungsdauern (sechs Jahre vor und nach der Promotion, neun Jahre nach der Promotion in der Medizin, Verlängerungsmöglichkeiten bestehen über Drittmittelfinanzierung) mit Sequenzen von aufeinanderfolgenden Zeitverträgen an einer oder mehreren Einrichtungen möglich sind.
Im Rahmen des TzBfG hingegen beträgt die sachgrundlose Befristungsdauer maximal zwei Jahre.

Viel Teilzeittätgkeit - vor allem von Frauen

Vollzeittätigkeit sind beim wissenschaftlichen Nachwuchs insbesondere in der frühen Qualifizierungsphase deutlich seltener vorzufinden ist als im Vergleich zu Hochschulabsolventinnen und - absolventen sowie Promovierten insgesamt. Mit zunehmender Qualifizierung an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen nähern sich die Vollzeitquoten an, verbleiben aber insgesamt auf niedrigerem Niveau. Die Vollzeitquoten variieren deutlich zwischen den Fächergruppen. Frauen sind zudem durchgängig seltener in Vollzeit beschäftigt als Männer.

dpa / Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017
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