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Gewerkschaften fordern nachhaltiges Personalkonzept

Personalmangel betrifft u.a. Berlins Polizei.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Berlins Personalkonzept für den öffentlichen Dienst wird von den Gewerkschaften stark kritisiert. Sie werfen dem Senat vor, den öffentlichen Dienst ausbluten zu lassen. Die Dienstleistungen für die Bürger würden immer schlechter.

Die Gewerkschaften fordern vom Berliner Senat ein vorausschauendes und nachhaltiges Personalkonzept für den öffentlichen Dienst. «Berlin spart sich kaputt. Das ist unwirtschaftlich und verantwortungslos», kritisierte die Berliner DGB-Vorsitzende Doro Zinke. «Seit Jahren ist die Zahl von 100.000 Mitarbeitern im öffentlichen Dienst das Gebetsbuch der Berliner Politiker», sagte Zinke.
Doch dieser seit Jahrzehnten laufende drastische Personalabbau werde ohne systematische Aufgabenkritik, sozusagen «ohne Sinn und Verstand» betrieben. Dadurch blieben seit Jahren wichtige Dienstleistungen für die Bürger, die öffentliche Infrastruktur und die Sicherheit auf der Strecke.
Stattdessen müsse der Senat das Personal nach dem Bedarf ausrichten. Es müsse gefragt werden, was die Bürger und die Wirtschaft vom öffentlichen Dienst erwarten. Der DGB legte zusammen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein Positionspapier dazu vor.

Gewerkschaften: Personalabbau soll gestoppt werden

Die Gewerkschaften fordern vom Senat, dass er den Personalabbau nach Rechenvorgabe stoppt, Maßnahmen gegen den drastischen Krankenstand einleitet und den Investitionsstau auflöst, ergänzte Verdi-Chefin Susanne Stumpenhusen. In Berlins Finanzämtern fehlten nach einer Aufstellung der Finanzverwaltung 652 Stellen. Dadurch gingen Berlin Einnahmen in Millionenhöhe verloren. Jeder Betriebsprüfer bringe rund 500.000 Euro im Jahr zusätzlich in die Landeskasse, rechnete die Gewerkschafterin vor.
In Berlins öffentlichem Dienst arbeiteten derzeit noch 104.000 Mitarbeiter. Bis 2018 schieden rund 25.000 Beschäftigte altersbedingt aus. Dann sei Berlin weit unter der magischen 100.000 - der Grenze angelangt, wenn der Senat nicht den Abbau stoppe, verstärkt einstelle und entsprechend ausbilde, sagte Stumpenhusen.
Der Berliner GdP-Vorsitzende Michael Purpur wies erneut auf die dramatische Unterbesetzung bei den Objektschützern hin, die Botschaften und gefährdete Einrichtungen bewachen. Dort fehlten schon jetzt 300 Stellen. Die überlasteten Kollegen schöben 360.000 Überstunden vor sich her. Um die Lücken zu stopfen, müssten jeden Tag 42 Schutz- und Kriminalbeamte einspringen, die dann wieder auf den Straßen und zur Bekämpfung der Kriminalität fehlten.

Schlagworte zum Thema:  Berlin, Personalplanung, Öffentlicher Dienst

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