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Richtungsentscheidung steht bevor

Bild: Haufe Online Redaktion

Beamtenbund-Chef Peter Heesen wird 65 - und tritt ab. Mit der nun bevorstehenden Wahl seines Nachfolgers wird auch eine Richtungsentscheidung über den künftigen tarifpolitischen Kurs der Organisation erwartet.

Wenn Peter Heesen an diesem Montag seinen 65. Geburtstag feiert, wird sich bei dem langjährigen Chef des Beamtenbundes (dbb) eine große Gratulantenschar einreihen. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird erwartet. Der große Bahnhof zum Geburtstag ist für Heesen zugleich auch eine Art vorgezogene Abschiedsfeier aus seiner Funktion als Vorsitzender der 1,2 Millionen Mitglieder zählenden Organisation. Denn überraschend hat er für den Gewerkschaftstag im November in Berlin (11.-14.11.) auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Doch steht damit für den Beamtenbund nicht nur ein personeller Wechsel bevor, sondern auch eine Richtungsentscheidung.

Organisatorische Änderungen geplant
Dabei geht es zum einen um die angestrebte Verschmelzung des klassischen dbb-Beamtenbundes mit der bisher zum Teil noch eigenständig agierenden dbb-Tarifunion. In dieser sind nicht nur Angestellte von Bund, Ländern und Kommunen organisiert, sondern auch Mitarbeiter ehemaliger Staatsunternehmen wie Bahn, Post oder Telekom. Im öffentlichen Dienst ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Zahl der Beschäftigten von 5,3 auf 3,6 Millionen geschrumpft. Und bei Neueinstellungen geht der Trend im Staat - langsam aber kontinuierlich - eher weg vom Berufsbeamtentum hin zum Tarifbereich.
Das hat natürlich Folgen für die Mitgliederstruktur und das Selbstverständnis des Beamtenbundes. Versteht man sich mehr als klassischer Standesverband der Beamten oder eher als Gesamt-Arbeitnehmervertretung im öffentlichen Dienst, die Studienräte wie Straßendienstler organisiert? Mit der Wahl von Heesens Nachfolgers erwarten viele Beobachter daher ein Signal, welchen Kurs der Beamtenbund in der Tarifpolitik künftig fahren wird.
Seit 2007 agieren die DGB-Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes bei Tarifkonflikten in Bund, Länder und Kommunen in enger Kooperation. Der politische Schulterschluss des früheren Gymnasiallehrers Heesen mit Verdi-Chef Frank Bsirske hat Skeptiker und Kritiker in beiden Organisationen nie ganz verstummen lassen - wenngleich die seitdem unter dem heftigen Druck von Warnstreiks ausgehandelten Tarifergebnisse sich sehen lassen können. Das Arbeitgeberlager im öffentlichen Dienst trat in den Tarifkonflikten nicht so geschlossen auf.
Nach dem letzten erfolgreichen Abschluss im März hatten viele fest damit gerechnet, dass Heesen, der den Beamtenbund seit 2003 führt, noch einmal antritt. Sein im Sommer aber angekündigter Verzicht auf eine erneute Kandidatur sorgte dann innerhalb der Organisation für einige Turbulenzen und Spekulationen.

Mögliche Nachfolger für Heesen
Bislang gibt es zwei Bewerber für Heesens Nachfolge. Da ist zum einen der Jurist Klaus M. Dauderstädt, seit 2003 einer der fünf Stellvertreter in der dbb-Bundesleitung. Dauderstädt ist kein Beamter, was für den ersten Mann an der Spitze der Organisation ein Novum wäre. Der bald 64-jährige Dauderstädt steht für die Fortsetzung des bisherigen tarifpolitischen Kurses.
Zweiter Bewerber ist Rolf Habermann, seit 2002 Landesvorsitzender des Bayerischen Beamtenbundes. Der 58-jährige frühere Hauptschulrektor aus Oberfranken ist auf dem politischen Bundes-Parkett so gut wie unbekannt. Gleichwohl ist der bayerische dbb-Landesverband kein unbedeutender im Gesamtgefüge des Beamtenbundes.

Schlagworte zum Thema:  Beamtenbund, Beamte

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