13.02.2014 | Bayern

Lehrerverband lobt Stellenerhalt von Lehrern

Bayern macht geplante Stellenkürzungen rückgängig.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der bayerische Regierungschef Seehofer hat wenige Wochen vor der Kommunalwahl die Kürzung von Lehrerstellen gestoppt. Lehrerverband und Opposition sind erfreut, warnen aber zugleich, es handle sich dabei nur um einen Tropfen auf den heißen Stein.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat mit Erleichterung auf den Stopp der Stellenkürzungen an den Schulen reagiert - sieht das aber nur als Zwischenschritt. «Wir sind noch lange nicht am Ziel», sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. «An vielen Schulen im Freistaat fehlen so viele Lehrkräfte, dass die Unterrichtsversorgung kaum noch aufrechterhalten werden kann», sagte er. Deshalb sei der Stellenerhalt «nur ein Tropfen auf den heißen Stein».

Von einem durchschlagendem Erfolg könnten Schüler, Lehrer und Eltern erst dann sprechen, wenn alle Schulen so ausgestattet seien, dass die bildungspolitischen Ziele der Regierung erreicht werden könnten. Dazu gehörten die Inklusion, der Ausbau bedarfsgerechter Ganztagsangebote und die stärkere individuelle Förderung der Schüler, sagte Wenzel.

Seehofer stoppte geplante Stellenkürzungen

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte die geplanten Stellenkürzungen am Dienstag nach zweiwöchiger Dauerkritik gestoppt. In einer internen Runde kündigte er den Erhalt sämtlicher Lehrerstellen nicht nur für dieses Jahr, sondern sogar bis 2018 an. Dies solle in den nächsten Haushaltsverhandlungen festgezurrt werden.

Seehofer sprach von einer normalen Anpassung an aktuelle Entwicklungen. «Die bisherige Diskussion bezog sich auf Dinge, die vor zwei Jahren beschlossen worden sind. Deshalb macht man ja einen Nachtragshaushalt, um die Dinge an die Aktualität anzupassen», betonte er. «Es ist völlig selbstverständlich, dass in einem Nachtragshaushalt was anders steht als im Ursprungshaushalt. Das ist eine völlige Normalität.» Es handle sich um keinen «Schwenk».

Das Kultusministerium hatte vor zwei Wochen zunächst von 830 Stellenkürzungen an den Schulen gesprochen. Später nannte die Staatsregierung eine andere Zahl: Im Vergleich zum vorigen Doppelhaushalt würden lediglich 196 Lehrerstellen gestrichen - und im Gegenzug kämen Stellen an den Hochschulen hinzu. Die Stellen, die an den Schulen wegen der zurückgehenden Schülerzahlen rein rechnerisch wegfallen müssten, blieben also in vollem Umfang im Bildungssystem.

Lehrerverband und Opposition fordern weitere Stellen

«Die CSU hatte nach den heftigen Protesten der vergangenen Tage auch wenig Spielraum», sagte Wenzel über den Kurswechsel. Er fordere weiter 20.000 zusätzliche Lehrerstellen für alle bayerischen Schulen.

Der SPD-Bildungsexperte Martin Güll sagte: «Die größte Gefahr, dass die Lehrerstellen gestrichen werden, scheint abgewendet. Jetzt geht es darum darauf zu achten, dass die Zusage eingehalten wird und nicht nur dem Kommunalwahlkampf geschuldet ist.» Die SPD-Fraktion werde sehr genau darauf achten, dass sich die Rücknahme der Stellenstreichungen im Haushalt niederschlage. Für den Ausbau der Ganztagsschulen, bessere individuelle Förderung und den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung müsse es mehr Lehrer geben.

Schlagworte zum Thema:  Bayern, Lehrer, Personalabbau, Schule

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