04.11.2011 | Personal & Tarifrecht

Baden-Württemberg: Einigung im Tarifkonflikt des Nahverkehrs

Die Fahrgäste im kommunalen Nahverkehr in Baden-Württemberg können aufatmen. Der Arbeitgeberverband KAV und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf einen neuen Tarif für die rund 7500 Beschäftigten geeinigt.

Dies teilten KAV und Verdi am Donnerstag in Stuttgart mit. Abgesegnet werden müssen die neuen Tarifbedingungen von Gewerkschaftsmitgliedern in einer Urabstimmung in wenigen Wochen. Bis dahin wird es keine Streiks geben. Spätestens am Samstag werden wieder alle 7500 Beschäftigte im Südwesten ihrer Arbeit nachgehen.

   Verdi-Verhandlungsführer Rudolf Hausmann zeigte sich erleichtert: «In den Verhandlungen haben wir es geschafft, im materiellen Bereich etwas zu bewegen». Nach seiner Einschätzung hat die Gewerkschaft einige Fortschritte bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen erzielt. Für Schichtarbeiter seien vier bis fünf freie Tage extra herausgehandelt worden. Zudem setzte Verdi durch, 30 Urlaubstage für alle einzuführen - wovon insbesondere Azubis und jüngere Beschäftigte profitieren. Einig wurden sich KAV und Verdi bei der Erhöhung der Jahressonderzahlung von 82 Prozent auf 100 Prozent für einzelne Tarifgruppen. Durch diese Änderung erhalten einige Beschäftigte im Nahverkehr mehr Geld.

   Alle 7500 Beschäftigte erhalten zwei freie Tage im Jahr zusätzlich. Ein weiteres Ergebnis sind weniger Arbeitstage im Fahrdienst. Zudem wird das Urlaubsgeld weitgehend beibehalten und die Beschäftigungssicherung garantiert. Solange der Manteltarif gilt, sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.

   Ein Zugeständnis musste die Gewerkschaft bei der Anrechnung sogenannter betrieblicher Wegzeiten machen. Die Forderung von Verdi, den Übergangsweg von der Haltestation zurück zum Depot zu vergüten, blieb ohne Ergebnis. Damit gelten in diesem Punkt die bisherigen Bedingungen. Weiter konnte Verdi keine Vorteilsregelung für Gewerkschaftsmitglieder durchsetzen, welche vorsah, Verdi-Mitglieder durch eine monatliche Zuzahlung finanziell besserzustellen.

   «Von der Arbeitgeberseite her ist das Ergebnis schlecht vertretbar», sagte der KAV-Verhandlungsführer Reinhold Bauer. Seine Seite habe Zugeständnisse an Verdi gemacht, um weitere Streiks im Nahverkehr zu vermeiden. Zähe Verhandlungen habe es vor allem in den Streitpunkten Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Beschäftigungssicherung gegeben.

   Laut Bauer soll es Einschnitte bei Besserverdienern unter den Beschäftigten geben: Sie bekommen der KAV zufolge künftig ein bis zwei Prozent weniger Gehalt. Hausmann widersprach dem allerdings.

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