Arbeitszeit: Überstunden in Deutschland

Mitarbeiter leisten in der Coronakrise weniger Überstunden. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor. Vor allem die Zahl der bezahlten Überstunden wurde geringer. Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigt außerdem, wie viele Überstunden Fach- und Führungskräfte in Deutschland über ihr ganzes Berufsleben hinweg machen.

Arbeitnehmer in Deutschland leisteten 2020 weniger Überstunden als in den Vorjahren. Während die Zahl der durchschnittlichen, unbezahlten Überstunden von 23 auf 21,9 sank, fiel der Rückgang der bezahlten Überstunden deutlicher aus: Machten Beschäftigte 2019 noch durchschnittlich 22,3 bezahlte Überstunden, waren es 2020 nur noch 19. Das zeigt die Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ingesamt machten die Arbeitnehmenden in Deutschland rund 775 Millionen (2019: 915 Millionen) bezahlte und 892 Millionen (2019: 948 Millionen) unbezahlte Überstunden.

Während der vergleichsweise leichte Rückgang an unbezahlten Überstunden in den Trend der vergangenen Jahre passt, ist die deutlich geringere Zahl an bezahlten Überstunden auffällig: Von 2012 bis 2019 hielt sich die durchschnittliche Zahl stets zwischen 21 und 23 Stunden, nun also der größte Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009.

Bezahlte und unbezahlte Überstunden Statista

Überstunden von Fach- und Führungskräften in ihrer Berufslaufbahn

Bereits ein Jahr zuvor, also noch vor der Coronapandemie, lieferte der "Arbeitszeitmonitor 2019" von Compensation Partner Erkenntnisse darüber, wie viele Überstunden Fach- und Führungskräfte in Deutschland leisten - und in welchen Branchen Beschäftigte länger arbeiten. Für die Studie werteten die Vergütungsanalysten 215.403 Daten aus. Das Ergebnis: In ihrer gesamten Berufslaufbahn leisten Fachkräfte insgesamt 9.655 Überstunden. Ein Drittel davon bekommt diese nicht ausgeglichen. Sie arbeiten somit in ihrer Karriere über ein Jahr (13 Monate) umsonst. Führungskräfte kommen auf 15.390 zusätzliche Arbeitsstunden in ihrer Berufslaufbahn. Unter ihnen erhalten 74 Prozent keinen Ausgleich. Aufsummiert arbeiten sie insgesamt 21 Monate ohne gesonderte Bezahlung dafür. Insgesamt aber fallen seit dem Krisenjahr 2009 immer weniger Überstunden an.

Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden

Laut der Untersuchung von 2019 ergibt sich eine Korrelation zwischen der Anzahl der Überstunden und der Gehaltshöhe. Während Geringverdiener unter 20.000 Euro im Jahr durchschnittlich 1,9 Stunden pro Woche mehr arbeiteten, waren es bei einem Gehaltsniveau von mehr als 120.000 Euro durchschnittlich 6,8 Stunden zusätzlich. Führungskräfte mit einem Jahresgehalt von über 120.000 Euro arbeiteten im Schnitt sogar rund zehn Stunden länger pro Woche.

Mehr Überstunden im Alter

Auch das Alter der Mitarbeiter steht im Zusammenhang mit der Anzahl der Überstunden. Mit zunehmenden Lebensalter steigt auch die Anzahl der Überstunden kontinuierlich an. Beschäftigte unter 20 Jahren machten 2019 im Schnitt 1,7 Stunden pro Woche extra, bei den über 60-Jährigen waren es 3,7 Stunden.

Unternehmensberater machten vor Corona die meisten Überstunden

Bei einem Blick auf die unterschiedlichen Branchen fällt auf, dass Beschäftigte in Unternehmensberatungen die meisten Überstunden leisten. Sie kamen 2019 auf durchschnittlich 5,2 Stunden zusätzlich pro Woche. Hier erhielten nur 20 Prozent aller Berufstätigen einen Ausgleich. Die wenigsten Überstunden verrichteten Beschäftigte in der Steuerberatung, sie leisteten 2019 im Schnitt 1,8 Stunden pro Woche zusätzlich.


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