07.11.2011 | Personal & Tarifrecht

Ärzte-Streik noch abgewendet

Die drohenden Ärzte-Streiks an zahlreichen Universitäts-Kliniken sind in letzter Minute abgewendet worden. Ab dem heutigen Montag wollten viele Ärzte streiken - doch keine 48 Stunden vorher einigten sich ihre Vertreter mit den Arbeitgebern.

Gehaltserhöhung und Einmalzahlung

Die Tarifparteien einigten sich am Samstag in Berlin auf eine lineare Erhöhung der Gehälter um 3,6 Prozent. Außerdem sei für die bundesweit 20.000 Mediziner eine Einmalzahlung von 350 EUR vorgesehen, teilte der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), mit.

Höhere Zuschläge für Nacht- und Bereitschaftsdienste

Die Tarifparteien vereinbarten auch eine Erhöhung der Zuschläge für Nacht- und Bereitschaftsdienste. Für Vollarbeit in der Nacht erhalten die Ärzte ab 1. Januar 2012 pro Stunde einen Zeitzuschlag in Höhe von 20 Prozent anstelle des bisherigen Stundenzuschlages für Nachtarbeit von 1,28 Euro. Auch für nächtliche Bereitschaftsdienste wird künftig ein Zeitzuschlag in Höhe von 20 Prozent je Stunde gezahlt. Als Laufzeit für den neuen Tarifvertrag, der sofort in Kraft tritt, wurden 20 Monate vereinbart.

"Schwerer Kompromiss" für die Gewerkschaft

Der gefundene Tarifabschluss sei ein «schwerer Kompromiss», sagte die Landeschefin der Gewerkschaft Marburger Bund, Sandra Bigge. Viele Mediziner hätten auf mehr als die nun vereinbarte Gehaltserhöhung um 3,6 Prozent gehofft. Dafür seien die höheren Zuschläge bei Nacht- und Bereitschaftsdiensten aber ein wichtiger Schritt nach vorn.

Die Ärztegewerkschaft hatte eine lineare Anhebung der Gehälter um fünf Prozent gefordert. Insgesamt wollte der Marburger Bund (MB) Verbesserungen im Volumen von 6,3 Prozent durchsetzen. Trotzdem seien viele Ärzte zuletzt zu weitgehenden Zugeständnissen bereit gewesen, um den Streik noch abzuwenden. «Für die Ärzte ist ein Streik immer ein schwerer Schritt», sagte Bigge. «Wenn sie ihre Patienten sehen und sie nicht behandeln können - das fällt einem Arzt nie leicht.»

Nach fünf Verhandlungsrunden hatte der Marburger Bund die Gespräche am 30. September für gescheitert erklärt. Bei einer Urabstimmung stimmten dann 97,4 Prozent der Gewerkschafts-Mitglieder für einen Arbeitskampf. Bereits 2006 hatte der MB mit dreimonatigen Ausständen den Weg zum ersten eigenen Tarifvertrag geebnet.

 

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