23.01.2012 | Personal & Tarifrecht

Ärzte sagen Klinikstreik endgültig ab

Streik oder Einigung? Tagelang wurde um einen Tarifvertrag für die kommunalen Kliniken gerungen. Nun stimmte die Ärztegewerkschaft einem Kompromiss zu - wenn auch mit Bauchschmerzen.

Im Tarifstreit über die Gehälter von bis zu 50.000 Klinikärzten hat die Medizinergewerkschaft Marburger Bund (MB) einen Streik endgültig abgesagt. Die Große Tarifkommission stimmte am Samstag in Berlin Eckpunkten zu, die der MB mit den kommunalen Arbeitgebern ausgehandelt hatte. Damit ist der Streik an rund 600 kommunalen Krankenhäusern vom Tisch.

Die Einigung: 2,9 Prozent Gehaltssteigerung

Nach dem Kompromiss bekommen die Ärzte 2,9 Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung von 440 Euro. Gewerkschaftschef Rudolf Henke sagte: «Das ist ein schwieriger und teilweise auch schmerzhafter Kompromiss.» In der Gesamtabwägung würden aber die positiven Seiten überwiegen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte wegen des erwarteten Tarifabschlusses bereits Finanzhilfen von der Politik gefordert und vor einem massiven Jobabbau gewarnt. Die Gremien der Gegenseite, der kommunalen Arbeitgeber, wollen an diesem Montag über den Kompromiss entscheiden. Eine Zustimmung gilt aber als sicher.

Ursprünglich hatte die Gewerkschaft 6 Prozent mehr Gehalt für Mediziner gefordert, die Arbeitgeber boten 1,48 Prozent an. Die nun ausgehandelte neue Entgelttabelle hat nach Angaben des Marburger Bundes eine Laufzeit vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2012.

Fortschritte bei Bereitschaftsdiensten

Henke kritisierte, die Arbeitgeberseite habe sich bei der tariflichen Begrenzung der Arbeitsbelastung durch Nacht- und Wochenenddiensten verweigert. Jedoch habe die Gewerkschaft mit der Einführung eines neuen Zuschlagssystems bei der Vergütung von Bereitschaftsdiensten endlich einen Fuß in die Tür bekommen. «Wir hoffen darauf, diese Tür in den kommenden Jahren weiter aufstoßen zu können», sagte Henke. Der MB hatte eine bessere Bezahlung sowie eine Reduzierung dieser Dienste auf maximal vier pro Arzt und Monat gefordert. Herausgekommen sei nun, dass für den Bereitschaftsdienst ab der 97. Stunde im Monat ein Zuschlag von fünf Prozent gezahlt werde. Diese Regelung für den Bereitschaftsdienst hat eine Laufzeit bis Ende 2015.

 

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