24.10.2011 | Personal & Tarifrecht

Ärzte an Unikliniken wollen flächendeckend streiken

Fünf Jahre nach den ersten großen Ärztestreiks an Unikliniken rüsten die Mediziner erneut zum Ausstand. Bei einer Urabstimmung der Klinikärzte-Gewerkschaft Marburger Bund (MB) votierten 97,4 Prozent für einen Arbeitskampf.

Der Streik soll flächendeckend am 7. November an 23 Unikliniken beginnen. Die Länder als Arbeitgeber zeigten kein Verständnis.

Forderungen des Marbuger Bundes

Der Marburger Bund hatte die Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) für die 20.000 Ärzte an Unikliniken Ende September nach fünf Verhandlungsrunden für gescheitert erklärt. Die Ärztegewerkschaft fordert tarifliche Verbesserungen im Volumen von 6,3 Prozent. Dies setzt sich aus einer fünfprozentigen linearen Erhöhung und weiteren Verbesserungen zusammen. So sollen die für Nachtarbeit heute zusätzlich gezahlten 1,28 Euro pro Stunde durch einen 25-Prozent-Aufschlag abgelöst werden.

Reaktionen der Arbeitgeberseite

Die TdL reagierte mit Unverständnis auf die Streikankündigung. Diese sei vollkommen unangemessen, sagte der TdL-Vorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring. Er forderte die Gewerkschaft auf, ihre «unrealistischen Forderungen» zu überdenken und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. «Ein Streik auf dem Rücken der Patienten ist unnötig, ärgerlich und nicht verantwortbar.»

Flächendeckende Streiks geplant

Ausgenommen von dem Arbeitskampf, zu dem die Große Tarifkommission nach der Urabstimmung die MB-Mitglieder aufrief, sind nur Hessen und Berlin. Diese beiden Länder gehören nicht der TdL an.Nach den Worten von MB-Vize Botzlar hat sich punktuelles Vorgehen im Tarifkonflikt als weitgehend wirkungslos erwiesen: «Wir werden deshalb von Anfang an aus vollen Rohren schießen.» Botzlar kündigte tagelange Verzögerungen für Nicht-Notfall-Behandlungen und Verschiebungen von geplanten Eingriffen an. Bestimmte Abteilungen wie Notfall- und Intensivmedizin würden aber nicht bestreikt.

Nach MB-Darstellung hat die TdL bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, lediglich einen finanziellen Spielraum von 3,75 Prozent für zwei Jahre angedeutet. Obwohl der letzte Tarifabschluss fast drei Jahre zurückliege, verlangten die Arbeitgeber von den ohnehin am schlechtesten bezahlten Klinikärzten «die Hinnahme eines Reallohnverlustes». Ein solches «Tarifdiktat» sei nicht akzeptabel, sagte Botzlar. MB-Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag sagte dazu: «Wenn die Arbeitgeberseite bereit ist, das Tarifdiktat zurückzunehmen, dann sehe ich die Chance, vor Beginn der Arbeitskampfmaßnahmen zu einem Ergebnis zu kommen.»

 

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