19.05.2015 | Top-Thema Willkommenskultur in der öffentlichen Verwaltung

Willkommenskultur in der öffentlichen Verwaltung

Kapitel
Um eine Willkommenskultur erfolgreich zu etablieren, ist es zunächst notwendig zu verstehen, dass sich Willkommenskultur auf verschiedenen Ebenen abspielt.
Bild: Prof. Dr. Stehr/Jakob in Anlehnung an: Heckmann, F. (2012)

Teil 3 des Top-Themas befasst sich mit der Frage, wie Willkommenskultur erfolgreich in der Verwaltung etabliert werden kann bzw. welche Rolle die öffentliche Verwaltung für Willkommenskultur einnimmt?

Eine grundlegende Betrachtung der Reaktion der Bundesverwaltung auf die jüngste Diskussion um Willkommenskultur stellt der Verwaltung auf Bundesebene zunächst ein „schlechtes Zeugnis“ aus. So kommt es als Folge der Diskussion zu einer Vermischung zweier unterschiedlicher migrationspolitischer Diskurse:

  • zum einen um Asyl- und Flüchtlingspolitik,
  • zum andern im Bereich der Fachkräfte um Wirtschafts- und Standortpolitik.

Hierdurch kommt es zu einer Etablierung utilitaristischer Motive und Erwägungen in eigentlich humanitären Debatten. In der Folge reagiert das „typische Verwaltungshandeln“ mit kurzfristigen Reaktionen auf Anforderungen aus der Politik, mit dem Versuch der Erhaltung des eigenen Gestaltungsspielraums, mit dem Ringen um Bestand und Einheit von Behörden und in der Summe mit einem „inkrementalen Verwaltungshandeln auf dem Boden einer als konsensual empfundenen utilitaristischen Grundausrichtung.“

Im Gegensatz zur Paradigmendiskussion und zum Paradigmenwechsel auf der Ebene der Bundesverwaltung kam es auf regionaler und kommunaler Ebene vereinzelt frühzeitig zu guten Beispielen von Willkommenskultur in der Verwaltung. In den Jahren 2002-2004 konnte die Alexander von Humboldt Stiftung 24 deutsche Ausländerbehörden als vorbildlichste und freundlichste Behörden auszeichnen. Dies bestätigt die teilweise bereits stattfindende interkulturelle Arbeit vielerorts und systematische und intelligente Optimierungsbemühungen. Bei über 500 Ausländerbehörden in Deutschland ist dabei jedoch anzumerken, dass die ausgezeichneten Behörden nur einen Bruchteil darstellen und weiterhin ein deutliches Optimierungspotenzial besteht. So zeigen auch aktuelle Untersuchungsbeispiele zur Implementierung von Willkommenskultur auf kommunaler Ebene die Verwaltung und deren Umgang mit Migration als wesentliches Arbeitsfeld.

Voraussetzung für die Etablierung einer Willkommenskultur

Um eine Willkommenskultur erfolgreich zu etablieren und zu strukturieren, ist es zunächst notwendig zu verstehen, dass sich Willkommenskultur auf verschiedenen Ebenen abspielt. Abb. 1 der Bilderserie verdeutlicht die Ebenen von Willkommenskultur und deren jeweilige Schwerpunkte. Aus der Betrachtung von Willkommenskultur als Modell mehrerer Ebenen ist es möglich, grundsätzliche Prämissen abzuleiten, die bei der Entwicklung einer Willkommenskultur notwendig sind.

Hierzu hat die Fachstelle Integration durch Qualifikation grundsätzliche Prämissen der Entwicklung einer Willkommenskultur aufgestellt. Abb. 2 der Bilderserie skizziert die Prämissen einer erfolgreichen Willkommenskultur und die dazugehörigen Handlungsweisen und Leitsätze. Hierbei lässt sich zusammenfassend feststellen:

„Willkommenskultur muss in Verbindung mit Anerkennungskultur gedacht werden und kann nicht für sich stehen. Beides muss von Politik getragen, in Organisationen umgesetzt und in der Bevölkerung verankert werden. Denn nur ein Land, das von Anerkennung aller in der Bevölkerung geprägt ist, kann glaubhaft eine Willkommenskultur nach außen vermitteln.“

Hier geht's zur Bilderserie "Ebenen und Prämissen einer Willkommenskultur"

Schlagworte zum Thema:  Interkulturelle Kompetenz, Öffentliche Verwaltung, Kommunen

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