In die Notaufnahme von Krankenhäusern gehören Notfälle. Bild: Haufe Online Redaktion

Häufig sind die Notaufnahmen von Krankenhäusern überfüllt. Das liegt auch daran, dass auch Patienten zur ambulanten Behandlung kommen, die zum ärztlichen Bereitschaftsdienst gehen könnten. Kliniken, Krankenkassen und Politik suchen nach Lösungsmöglichkeiten.

Ein heftiger Zahnschmerz oder eine dicke Erkältung kommen gern nachts oder am Wochenende. Dann hat der Hausarzt meist zu. Was tun? Eine wachsende Zahl von Patienten entscheidet sich für die Notaufnahme einer Klinik. Ambulante Notfallpatienten sollen aber rund um die Uhr vom Kassenarzt versorgt werden, regelt das Sozialgesetzbuch (SGB). Außerhalb der regulären Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. «Es zeigt sich allerdings in den letzten Jahren verstärkt, dass Patienten auch in unkritischen Situationen häufig die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Anspruch nehmen», sagt der Chef der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz (KGRP), Gerald Gaß. Ohne Kliniken könne die ambulante Notfallversorgung rund um die Uhr nicht mehr gewährleistet werden.

Hälfte der Patienten gehört nicht in die Notaufnahme

Rund 600 000 Patienten, schätzt die KGRP, werden pro Jahr beispielsweise in Rheinland-Pfalz als ambulante Notfälle in Krankenhäusern versorgt. Grundlage für diese Zahl ist ein Gutachten von 2015 der Management Consult Kestermann GmbH (MCK) und der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin.

Ein Drittel dieser Patienten könnte nach Ansicht der KGRP von Kassenärzten versorgt werden, bei einem Fünftel gehe es um spezielle Notfallbehandlungen wie Ultraschall, was auch Vertragsärzte übernehmen könnten. Unter dem Strich blieben etwa 300 000 Patienten, die nicht unbedingt ins Krankenhaus gehen müssten - etwa die Hälfte.

TK fordert sog. Portalpraxen

Die Techniker Krankenkasse (TK) dringt auf sogenannte Portalpraxen, um Kliniken zu entlasten. «Die Situation in den Notaufnahmen der Krankenhäuser ist schwieriger geworden, weil immer mehr Patienten zuerst dorthin kommen», sagt Landesleiter Jörn Simon. Als Gründe sieht er wie die Krankenhausgesellschaft unklare Zuständigkeiten, ein verändertes Verhalten der Patienten und die Erwartung einer umfassenderen Versorgung. «Auf diese Weise entstehen unnötige Kosten, da in Krankenhäusern nicht selten ein größerer Diagnostikapparat in Gang gesetzt wird, den es nicht in jedem Fall zwingend braucht.» Deshalb fordert er: «Portalpraxen müssen die zentrale Anlaufstelle von Krankenhäusern der Notfallversorgung sein.» Der ärztliche Bereitschaftsdienst sei nicht an jedem Krankenhaus etabliert.

Das Reformgesetz von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) schlägt vor, dass die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen für Notfälle solche Portalpraxen in oder an Krankenhäusern einrichten. Sie sollen dann entscheiden, ob ein Notfall vom niedergelassenen Arzt behandelt werden kann oder stationär in die Klinik muss. Die Krankenhausgesellschaft kritisiert, dass Kliniken pro Patient 4,74 Euro bekommen, um abzuklären, ob es ein Notfall ist oder nicht. Zum Preis einer Tiefkühlpizza sei das nicht umfassend machbar, sagt Gaß.

Schlagworte zum Thema:  Krankenhaus

Aktuell
Meistgelesen