13.02.2014 | Top-Thema Kommunales Schuldenmanagement

Von der Schuldenverwaltung zum Schuldenmanagement

Kapitel
Von der Schuldenverwaltung zum Schuldenmanagement
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Jahrtausendwende brachte in vielen kommunalen Verwaltungen auch eine Wende bei der Verwaltung der Schuldenbestände. Konnte das bisherige Handeln mehr als passive Schuldenverwaltung charakterisiert werden, erweiterten neue Finanzprodukte wie Derivate, Optionen und Fremdwährungskredite das Tätigkeitsfeld zu einem hyperaktiven Schuldenmanagement.

Das Hauptmerkmal dieses Veränderungsprozesses war die Abkehr von der bisher verfolgten Handlungsweise "10 Jahre Festzinsbindung" mit entsprechendem Fokus auf die Planungssicherheit. Modern war, über Derivate die Festzinsdarlehen in zinsgünstigere variable Darlehen umzuwandeln. "Zinsen sparen durch aktives Schuldenmanagement" lautete die Devise. Die lange Phase sinkender Zinsen unterstützte diese daher zwangsläufig auch erfolgreiche Strategie. Es war ein Spiel mit dem Risiko, oftmals ohne dabei grundlegendes Handwerkszeug in Form ausreichender Portfolioanalysen und Risikoabschätzungen einzusetzen.

Dazu kamen weitere synthetische Finanzprodukte, höchst komplexe derivative Strukturen, die in den 1. Produktgenerationen ohne Risikobeschränkung Entlastungen bei den Zinsausgaben in Aussicht stellten. Wie immer folgte der Kapitalmarkt dann seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten und manches Zinsoptimierungsgeschäft fügte den Kommunen einen Schaden zu, der den angestrebten Vorteil vielfach überstieg.

Millionenschäden durch spekulativ eingesetzte Derivate sowie eine Vielzahl von Prozessen, die in diesem Zusammenhang geführt wurden, führten dann zu einem abrupten Ende des Derivate-Hype. So hilfreich dieser Schock war, eine Risikobewusstseinserweiterung zu schaffen, so überzogen waren vielfach die Reaktionen darauf. Teilweise führte es zu einer völligen Verbannung einfacher und guter Derivate zur Zinssteuerung.

Neues kommunales Finanzmanagement –Unsicherheiten beim Schuldenmanagement

Weitere Unsicherheiten beim Schuldenmanagement, insbesondere beim Einsatz von Derivaten, brachte die Einführung eines Neuen Kommunalen Finanzmanagements. Erstmals stellten sich Fragen nach

  • Risikorückstellungen,
  • Bewertung von Derivaten und
  • Fremdwährungsverbindlichkeiten,
  • Marktwerten sowie
  • vielen anderen Themen,

die unter kameralistischer Betrachtungsweise kaum berücksichtigt worden sind.

Die Jahre seit 2008 haben das kommunale Schuldenmanagement um eine bisher kaum beachtete Facette bereichert: die Sicherung von Liquidität. Kreditausschreibungen, für die es vor der Finanzkrise für jede Summe und jede Laufzeit Angebote gab, mussten teilweise verändert und den Marktbedingungen angepasst werden, um Banken zu finden, die für eine Kreditgewährung bereit waren. In der Folge kann 2013 auch als Geburtsjahr neuer kapitalmarktorientierter Entwicklungen wie Schuldscheindarlehen und gemeinschaftliche Kommunalanleihen bezeichnet werden.

Schlagworte zum Thema:  Schuldenmanagement, Kommunen, Öffentliche Haushalte, Liquidität, Portfoliomanagement

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