13.02.2014 | Top-Thema Kommunales Schuldenmanagement

Strategien für ein kommunales Schuldenmanagement

Kapitel
Analyse des Schuldenportfolios
Bild: Clemens Stoffers

Die grundlegende Strategie für ein kommunales Schuldenmanagement wurde bereits im Abschnitt "Rechtliche Rahmenbedingungen" aus der Gemeindeordnung abgeleitet: Zinskostenminimierung unter der Nebenbedingung Planungssicherheit. Es wäre grundlegend falsch und unzureichend, nur durch den Einsatz von aktuell angebotenen Derivaten zu versuchen, dieses Ziel erfolgreich zu erreichen.

Analyse des Schuldenportfolios

Der grundlegende Schritt eines professionellen Schuldenmanagements besteht darin, das gesamte Schuldenportfolio zu analysieren und aus der Analyse die Strategie zur Erreichung des Ziels oder der Ziele abzuleiten. Dabei macht es keinen Unterschied, ob das Portfolio ein Volumen von 3 Millionen oder 3 Milliarden EUR aufweist. Die Analyse kann sich dabei auf 3 Teilbereiche erstrecken:

  1. Darlehen haben unterschiedliche Zinsbindungsfristen. Variable Darlehen sind anfälliger für Zinsänderungen als langfristige Darlehen, wobei sie im Normalfall dafür einen niedrigeren Zins aufweisen. Eine Analyse der verbleibenden Restzinsbindungen zeigt auf, wie hoch das Volumen in den einzelnen Laufzeitbereichen ist.
  2. Die Zinsbindungsdauer eines Darlehens ist in der Regel kürzer als die Gesamtlaufzeit des Darlehens. Risiken ergeben sich in dem Zeitpunkt, in dem die Zinsbindung ausläuft und das Darlehen prolongiert werden muss. Eine Analyse der zukünftigen Prolongationen zeigt auf, wie sich diese Risiken auf die zukünftigen Jahre verteilen. Bei Häufungen von Risiken in einzelnen Jahren spricht man von Klumpenrisiken.
  3. Aus der Summe aller Darlehen ergibt sich eine zukünftige Zinsbelastung. Bekannt sind die Zahlungsströme der zinsgebundenen Darlehen, unbekannt die der variablen Darlehen, der zukünftigen Prolongationen und der Kreditneuaufnahmen. Mithilfe der Forwardzinskurve kann eine Hochrechnung vorgenommen werden, um Aufschluss darüber zu erhalten, mit welcher Zinsbelastung in den Jahren der Finanzplanung gerechnet werden kann. Diese Hochrechnung wird jedoch so nicht eintreten, da auch eine Forwardkurve künftige Zinsentwicklungen nicht vorhersagen kann. Unter Einbindung einer Zinsvolatilität, der Schwankungsbreite zukünftiger Zinsentwicklungen, lässt sich diese Unsicherheit in die Analyse einbinden und darstellen. Ein regelmäßiger Abgleich mit den veranschlagten Zinsausgaben erleichtert sowohl die Anpassung der aktuellen Strategie als auch die Aufstellung zukünftiger Haushalte.

In sechs Schritten zum effizienten Portfolio

Markowitz, Mitbegründer der modernen Portfoliotheorie, empfiehlt, "nicht alle Eier in einen Korb zu legen". So wie in einem Vermögensbestand verschiedene Anlageklassen miteinander kombiniert werden, um das Risiko zu minimieren und den Ertrag zu optimieren, kann auch für ein Schuldenportfolio eine ausreichende Diversifizierung das Risiko senken und die Zinslast reduzieren.

Wie lässt sich das erreichen? Die folgende Anleitung führt in sechs Schritten zum effizienten Portfolio:

  1. Entfernen und vermeiden Sie Klumpenrisiken.
  2. Diversifizieren Sie die Zinsbindungsdauer der Darlehen.
  3. Erreichen Sie Planungssicherheit durch 50 - 75 % Festzinsdarlehen.
  4. Erhöhen Sie die Effizienz durch 25 - 50 % variable Darlehen.
  5. Bei niedrigem Zinsniveau erhöhen Sie den Festzinsanteil.
  6. Bei hohem Zinsniveau reduzieren Sie den Festzinsanteil.

Strukturieren statt Spekulieren

Was spricht dafür, bei der Umsetzung eines aktiven Schuldenmanagements den Fokus mehr auf Strukturieren denn auf Spekulieren zu setzen?

  • Das Portfolio arbeitet auf einem effizienten Niveau.
  • Die Schwankungsbreite der Zinsausgaben wird eingeschränkt.
  • Das Risiko im Finanzplanungszeitraum wird transparent und kann gesteuert werden.
  • Die Risikosteuerung kann mit Derivaten unterstützt werden.
  • Eine Zinsmeinung zur Strukturierung des Portfolios ist nicht notwendig.
  • Die Portfolioanalyse kann in der Kämmerei erstellt und jederzeit aktualisiert werden.

Nutzung von Marktinformationssystemen

Neben dem Kursteil der Wirtschaftstageszeitungen stehen im Internet bei verschiedenen Instituten aktuelle Kurs- und Zinsinformationen zur Verfügung. Darüber hinaus bieten kostenpflichtige Marktinformationssysteme wie Bloomberg, Thomson Reuters oder WVD Group alle Informationen, die selbst professionellen Ansprüchen genügen.


Unterstützung durch Dienstleister und Programme

Es gibt eine Vielzahl von Programmen und Dienstleistern, die Unterstützung beim aktiven Schuldenmanagement bieten können. Die Spannbreite reicht vom reinen Programm mit Analysemöglichkeiten über Programme mit aktuellen Marktkonditionen und Szenarioanalysen bis hin zu persönlichen Analysen, Beratungen und Handlungsempfehlungen. Beispiele hierfür finden sich unter (alle folgenden Internetadressen aufgerufen am 23.01.2014):

sowie bei fast allen Banken, die im Bereich "Öffentlicher Sektor" tätig sind.

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Schlagworte zum Thema:  Schuldenmanagement, Kommunen, Öffentliche Haushalte, Liquidität, Portfoliomanagement

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