19.03.2014 | Kommunale Finanzen

Öffentliche Kassen in Frauenhand

Finanzplanung bei den öffentlichen Kassen ist noch Frauensache.
Bild: Haufe Online Redaktion

Es gibt ein Ost-West-Gefälle: In Ostdeutschland haben oftmals Frauen das Sagen bei den kommunalen Kassen. Doch das Amt gewinnt an Bedeutung - und der Frauenanteil wird geringer.

Finanzplanung ist in Brandenburgs Kommunen meist Frauensache: Etwa 80 Prozent der rund 460 kommunalen Kassen werden von Kämmerinnen geführt. «Früher waren es noch mehr», sagte Angelika Kerstenski, Vorsitzende des Kämmererfachverbandes Brandenburg, der Nachrichtenagentur dpa. «Mit der Steigerung der Verantwortung entwickelt sich der Bereich auch in den neuen Bundesländern zunehmend zu einer Domäne der Männer.» Ein Blick in die Kämmereien der vier kreisfreien Städte in Brandenburg bestätigt dies: Lediglich in Frankfurt (Oder) hat mit Claudia Possardt eine Frau die Kontrolle über die Finanzen.

«Das Amt hat an Bedeutung gewonnen. Häufig hängt heute strategisch mehr daran», sagte Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes in Brandenburg. «Früher ging es mehr um die Verwaltung des Geldes, heute ist der Kämmerer meist auch der Stellvertreter des Bürgermeisters und Verwaltungschef», beschrieb Kerstenski.

Die Kämmerin der Stadt Wriezen (Märkisch-Oderland) ist auch Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Finanz-, Kassen- und Rechnungsbeamten. Bundesweit beobachtet die Wirtschaftsfachfrau ein Ost-West-Gefälle: Während die Kassen im Westen schon immer eher eine Männerdomäne waren, verwalteten im Osten zu DDR-Zeiten die Frauen die Gelder. «Die Position damals war allerdings auch eine ganz andere als heute», räumte die Verbandschefin ein.

Dennoch blieben die öffentlichen Kassen auch nach der Wende zunächst in Frauenhand. Doch nach und nach gleicht sich das Verhältnis an. Auf der Ebene der Kreisverwaltungen säßen in Brandenburg inzwischen etwa je zur Hälfte Frauen und Männer in den Kämmereien, schätzte Kerstenski.

Eine Entwicklung, die Böttcher durchaus mit gemischten Gefühlen beobachtet. «Frauen sind die besseren Rechner und Haushaltsverwalter. Das spricht dafür, dass sie in diesem Bereich gut vertreten sind», meinte er. «Ein Frau hört auch mal auf ihr Bauchgefühl. Das kann in dem Bereich durchaus von Vorteil sein», meinte Kämmerin Kerstenski.

Die Verbandschefin bedauert die Entwicklung. Dass der Anteil der Frauen auf der Führungsebene schwindet, liegt nach Auffassung des Städtebundchefs nicht immer nur an den Strukturen. «Wir haben leider auch die Erfahrung gemacht, dass die Frauen selbst sich nicht bis an die Spitze trauen», so Böttcher.

Schlagworte zum Thema:  Finanzen, Öffentlicher Dienst, Kommune

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