Sachbezugswertansatz für Essenszuschüsse

In der Praxis taucht immer wieder die Frage auf, ob die lohnsteuerlichen Regelungen zu Kantinenmahlzeiten und (Papier-)Essensmarken auch für anderweitige Zuschüsse des Arbeitsgebers zu Mahlzeiten gelten. Das Bundesfinanzministerium hat sich hierzu geäußert.

Mahlzeitenansatz mit Sachbezugswerten 2019

Es geht dabei insbesondere um den Sachbezugswertansatz von

  • 1,77 Euro für ein Frühstück und
  • 3,30 Euro für ein Mittag-/Abendessen.

Nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 24. Februar 2016 (BStBl 2016 I S. 238) ist der günstige Mahlzeiten­ansatz mit dem Sachbezugswert auch möglich, wenn statt Papier-Essensmarken ein vollelektronisches System verwendet wird. Diesen Erlass hat die Verwaltung nun ver­allgemeinert und ergänzt (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 18. Januar 2019, IV C 5 - S 2334/08/10006-01). Der neue Erlass ersetzt das Schreiben aus 2016 und ist in allen offenen Fällen ab sofort anzuwenden.

Wann der Ansatz eines Sachbezugswerts möglich ist

Bestehen die Leistungen des Arbeitgebers in einem arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeitsrechtlichen Rechtsgrundlage vereinbarten Anspruch der Mitarbeiter/-innen auf arbeitstägliche Zuschüsse zu Mahlzeiten, ist als Arbeitslohn nicht der Zuschuss, sondern die Mahlzeit mit dem Sachbezugswert anzusetzen, wenn sichergestellt ist, dass

  • tatsächlich arbeitstäglich eine Mahlzeit (Frühstück, Mittag- oder Abendessen) durch die Mitarbeiter erworben wird. Lebensmittel sind nur dann als Mahlzeit anzuerkennen, wenn sie zum unmittelbaren Verzehr geeignet oder zum Verbrauch während der Essenspausen bestimmt sind,
  • für jede Mahlzeit lediglich ein Zuschuss arbeitstäglich beansprucht werden kann,
  • der Zuschuss den amtlichen Sachbezugswert der Mahlzeit um nicht mehr als 3,10 Euro übersteigt (das heißt bei einem Mittagessen 2019 nicht mehr als 6,40 Euro beträgt),
  • der Zuschuss den tatsächlichen Preis der Mahlzeit nicht übersteigt und
  • der Zuschuss nicht von Mitarbeiter/-innen beansprucht werden kann, die eine Auswärtstätigkeit ausüben, bei der die ersten drei Monate noch nicht abgelaufen sind (hier soll eine Doppelbegünstigung mit den Verpflegungspauschalen vermieden werden).

Nachweispflicht des Arbeitgebers

Die Regelungen gelten auch dann, wenn keine vertraglichen Beziehungen zwischen Arbeitgeber und dem Unternehmen (Gaststätte oder vergleichbare Einrichtung) bestehen, das die bezuschusste Mahlzeit abgibt. Der Arbeitgeber hat die vorstehenden Voraussetzungen nachzuweisen. Ihm bleibt es unbenommen, entweder die vorgelegten Einzelbelegnachweise manuell zu überprüfen oder sich entsprechender elektronischer Verfahren zu bedienen (zum Beispiel wenn ein Anbieter die Belege vollautomatisch digitalisiert, prüft und eine monatliche Abrechnung an den Arbeitgeber übermittelt).

Pauschalbesteuerung ist möglich

Der Arbeitgeber hat die Belege oder die Abrechnung zum Lohnkonto aufzubewahren. Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer für die mit dem Sachbezugswert anzusetzenden Mahlzeiten mit 25 Prozent pauschal erheben.

15-Tages-Regelung beachten

Der Arbeitgeber muss für den Sachbezugswertansatz sicherstellen, dass für jede Mahlzeit lediglich ein Zuschuss arbeitstäglich gezahlt wird. Die Mahlzeitenzuschüsse dürfen nicht gezahlt werden für Krankheitstage, Urlaubstage und regelmäßig für Arbeitstage, an denen eine Auswärtstätigkeit ausübt wird (Ausnahme Dienstreisen von mehr als drei Monaten).

Der Arbeitgeber hat grundsätzlich für alle Mitarbeiter/-innen die Tage der Abwesenheit zum Beispiel infolge von Auswärtstätigkeiten, Urlaub oder Erkrankung festzustellen und die für diese Tage gewährten Zuschüsse zurückzufordern oder die Zahl der Zuschüsse im Folgemonat zu vermindern. Die Pflicht zur Feststellung dieser Abwesenheitstage und zur Anpassung der Zuschüsse im Folgemonat entfällt für Mitarbeiter/-innen, die im Kalenderjahr durchschnittlich an nicht mehr als drei Arbeitstagen je Kalendermonat Auswärtstätigkeiten ausüben, wenn keiner dieser Beschäftigten im Kalendermonat mehr als 15 Zuschüsse (insgesamt für Frühstück, Mittag- und Abendessen) erhält. Die Verwaltung wendet damit eine Vereinfachungsregelung für Essensmarken auch für Zuschüsse an (R 8.1 Absatz 7 Nummer 4 Buchstabe a Satz 3 und 4 LStR).

Home Office und Teilzeit

Arbeitstägliche Zuschüsse zu Mahlzeiten sind unter obigen Voraussetzungen auch dann mit dem Sachbezugswert anzusetzen, wenn sie an Mitarbeiter/-innen geleistet werden, die ihre Tätigkeit in einem Home Office verrichten oder nicht mehr als sechs Stunden täglich arbeiten, sogar wenn die betriebliche Arbeitszeitregelung keine entsprechenden Ruhepausen vorsieht.

Einzelkauf von Bestandteilen einer Mahlzeit

Arbeitstägliche Zuschüsse zu Mahlzeiten sind unter obigen Voraussetzungen auch dann mit dem Sachbezugswert anzusetzen, wenn Mitarbeiter/-innen einzelne Bestandteile einer Mahlzeit bei verschiedenen Akzeptanzstellen erwerben.

Erwerb auf Vorrat

Je Arbeitstag und je bezuschusster Mahlzeit (Frühstück, Mittag- oder Abendessen) kann nur ein Zuschuss mit dem Sachbezugswert angesetzt werden. Erwerben Mitarbeiter/-innen am selben Tag weitere Mahlzeiten für andere Tage auf Vorrat, sind hierfür gewährte Zuschüsse als Barlohn zu erfassen. Gleiches gilt für den Einzelkauf von Bestandteilen einer Mahlzeit auf Vorrat.

Vereinbarung im Arbeitsvertrag zu Essenszuschüssen als Entgeltumwandlung

Wird der Arbeitsvertrag dahingehend geändert, dass Mitarbeiter/-innen anstelle von Barlohn Essenszuschüsse erhalten, vermindert sich dadurch der Barlohn in entsprechender Höhe. Die Zuschüsse sind dann unter obigen Voraussetzungen mit dem Sachbezugswert anzusetzen. Ohne Änderung des Arbeitsvertrags führt der Austausch von Barlohn durch Essenszuschüsse nicht zu einer Herabsetzung des steuerpflichtigen Barlohns.

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Schlagworte zum Thema:  Mahlzeitengestellung, Zuschuss, Sachbezugswerte