Entgeltgrenze vs. Hinzuverdienstgrenze für Minijob und Rente

Im Jahr 2020 dürfen Altersvollrentner, die noch eine Hinzuverdienstgrenze zu beachten haben, erheblich mehr Arbeitsentgelt in einer Beschäftigung verdienen. Dieses geht weit über die Minijob-Entgeltgrenze hinaus.

Altersvollrentnern vor Vollendung der Regelaltersgrenze wird bei Überschreitung des zulässigen Hinzuverdienstes die Rente gekürzt. Dies ist 2020 nicht zu befürchten, weil der Gesetzgeber die Hinzuverdienstgrenze für 2020 um ein Vielfaches erhöht hat. Von der höheren Hinzuverdienstgrenze können auch Altersvollrentner profitieren, die einen Minijob ausüben. Denn auch dort gibt es coronabedingte Ausnahmeregeln, die ein höheres Arbeitsentgelt zulassen.

Altersvollrentner in Minijobs müssen grundsätzlich immer zwei Grenzen beachten: die Entgeltgrenze für ihren Minijob und die Hinzuverdienstgrenze für die Altersvollrente. Arbeitgeber müssen sich grundsätzlich zwar nur mit der Entgeltgrenze für den Minijob auskennen. Sie sollten aber auch wissen, was ihr Minijobber zu seiner Rente hinzuverdienen darf.

Regelaltersgrenze für Altersvollrentner

Wenn Altersvollrentner ihre persönliche Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, müssen sie bei der Ausübung einer Beschäftigung eine Hinzuverdienstgrenze beachten. Für die Geburtenjahrgänge 1947 bis 1963 wird die Regelaltersgrenze stufenweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Altersvollrentner, die ab 1964 geboren sind, erreichen erst mit 67 Jahren die Regelaltersgrenze.

Hinzuverdienstgrenze für Altersvollrentner und ihre Bedeutung

Die Hinzuverdienstgrenze regelt, wie viel ein Rentner zu seiner gesetzlichen Rente hinzuverdienen darf, ohne seinen Rentenanspruch zu gefährden. In jedem Kalenderjahr dürfen Altersvollrentner grundsätzlich 6.300 Euro verdienen. Wird diese Grenze überschritten, erfolgt die Kürzung der Rentenhöhe. In welchem Zeitraum das Arbeitsentgelt im laufenden Kalenderjahr erzielt wird und ob es sich um einen Minijob oder eine sozialversicherungs­pflichtige Beschäftigung handelt, ist für diese Grenze egal. Nach Ablauf des Kalendermonats, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wird, kann der Altersvollrentner dann unbegrenzt ohne Einfluss auf die Rentenhöhe hinzuverdienen.

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Besondere Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2020

Der Gesetzgeber hat mit dem Sozialschutz-Paket beschlossen, dass Altersvollrentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze 2020 statt 6.300 Euro neu 44.590 Euro hinzuverdienen dürfen, ohne dass ihre Altersrente gekürzt wird.

Altersvollrentner mit kurzfristigem Minijob

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn sie innerhalb eines Zeitjahres auf längstens drei Monate oder 70 Arbeitstage befristet ist. Diese Zeitgrenzen wurden für den Zeitraum vom 1. März 2020 bis 31. Oktober 2020 auf fünf Monate beziehungsweise 115 Arbeitstage angehoben. Kurzfristige Minijobs sind versicherungs- und beitragsfrei in der Sozialversicherung. Die Höhe des Verdienstes ist unerheblich. Somit kann beispielsweise ein Altersvollrentner im Rahmen einer ausschließlich im vorgenannten Zeitraum befristeten Beschäftigung bis zu 44.590 Euro ohne Abzüge von Sozialversicherungsbeiträgen neben voller Rentenzahlung verdienen. Das Arbeitsentgelt ist allerdings steuerpflichtig.

Entgeltgrenze für 450-Euro-Minijobs

Altersvollrentner dürfen im 450-Euro-Minijob gerechnet auf einen Zwölf-Monats-Zeitraum in der Regel maximal 5.400 Euro verdienen. Damit ist der Minijob wegen Nichtüberschreitung der Hinzuverdienstgrenze rentenunschädlich. Es kann aber auch bei einem höheren Arbeitsentgelt als 5.400 Euro vorkommen, dass weiterhin ein 450-Euro-Minijob vorliegt.

Zulässiges Überschreiten der Entgeltgrenze für Minijobs: Beispiele für Altersvollrentner

Bei 450-Euro-Minijobs ist ein gelegentliches unvorhersehbares Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze unschädlich und führt trotz Überschreitung der jährlichen Entgeltgrenze von 5.400 Euro nicht zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Ein gelegentliches Überschreiten liegt in Anlehnung an die kurzfristige Beschäftigung grundsätzlich vor, wenn es in bis zu drei Monaten innerhalb eines Zeitjahres vorkommt. Hier erfolgt für den Zeitraum vom 1. März 2020 bis 31. Oktober 2020 ebenfalls eine Anpassung auf bis zu fünf Monate.

Unvorhersehbar ist zum Beispiel Mehrarbeit, die sich ergibt, weil andere Arbeitnehmer krankheitsbedingt ausfallen oder aufgrund der Corona-Pandemie aus anderen Gründen (zum Beispiel Quarantäne) nicht arbeiten können. Unter diesen Voraussetzungen wäre beispielsweise auch ein Jahresverdienst bis 44.590 Euro im 450-Euro-Minijob möglich.

Beispiel 1

Ein Altersvollrenter (63 Jahre) nimmt am 1. Mai 2020 eine Beschäftigung auf, die für vier Monate befristet (Fünf-Tage-Woche) ist; monatliches Arbeitsentgelt 3.500 Euro, keine Vorbeschäftigungszeiten.

Ergebnis: Es handelt sich um einen versicherungs- und beitragsfreien kurzfristigen Minijob, weil er in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober 2020 auf nicht länger als fünf Monate befristet ist. Der Gesamtverdienst von 14.000 Euro überschreitet die Hinzuverdienstgrenze nicht.


Beispiel 2:

Ein Altersvollrentner (63 Jahre) nimmt am 1. Januar 2020 eine Beschäftigung auf, die auf Dauer angelegt ist; monatliches Arbeitsentgelt 450 Euro (keine Einmalzahlungen). Coronabedingte Mehrarbeit im Mai, Juni und Juli 2020 mit einem Arbeitsentgelt von 2.500 Euro.

Ergebnis: Es handelt sich um einen 450-Euro-Minijob. Weil die Mehrarbeit in den Monaten Mai bis Juli 2020 gelegentlich und unvorhersehbar ist, ist das Überschreiten der jährlichen Entgeltgrenze von 5.400 Euro mit einem Gesamtverdienst von 11.550 Euro unschädlich für den Minijob. Die im Jahr 2020 geltende Hinzuverdienstgrenze von 44.590 Euro wird ebenfalls nicht überschritten, sodass die Altersvollrente in voller Höhe weiter gezahlt wird.

Abgaben auf das höhere Arbeitsentgelt bei Altersvollrentnern

Auch bei Entgelten oberhalb von 450 Euro im Monat sind die üblichen Abgaben für den 450-Euro-Minijob an die Minijob-Zentrale zu zahlen. Die belaufen sich in der Regel für den Arbeitgeber auf 32,86 Prozent (Krankenversicherung: 13 Prozent, Rentenversicherung: 15 Prozent, einheitliche Pauschsteuer: 2 Prozent, Umlage 1: 0,90 Prozent, Umlage 2: 0,19 Prozent, Insolvenzgeldumlage: 0,06 Prozent). Der Altersvollrentner zahlt 3,6 Prozent des Arbeitsentgelts für seinen Anteil zur Rentenversicherung und steigert damit zusätzlich seine Altersvollrente. Hat er sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, verdient er brutto für netto. Im zuvor beschriebenen Fall wären das dann 11.550 Euro ohne Abzüge.


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