Steuerliche Förderung bei Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen

Der Absatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben soll in den nächsten Jahren massiv steigen. Zum Anreiz gibt es neben staatlichen Prämien beim Kauf zahlreiche lohnsteuerliche Vergünstigungen, wenn Mitarbeiter ein Elektro- oder Hybridfahrzeug fahren. Dazu gehört unter anderem die Halbierung oder Viertelung der geldwerten Vorteile bei der Dienstwagenbesteuerung. Wir geben Ihnen nachfolgend einen Überblick.  

Überlässt der Arbeitgeber Mitarbeitern für private Fahrten oder Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ein Fahrzeug (auch Leasingfahrzeug), so stellt dies steuerpflichtigen Arbeitslohn dar (Sachbezug). Das gleiche gilt, wenn im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ein Fahrzeug zu mehr als einer wöchentlichen (Familien-)Heimfahrt zur Verfügung gestellt wird. 

Die Sachbezüge können entweder mit bestimmten Prozent-Sätzen des Listenpreises oder mit den anteiligen tatsächlichen Kosten (Fahrtenbuchmethode) angesetzt werden. 

Überlassung eines (Elektro-)Dienstwagens: reduzierte Bemessungsgrundlage für Versteuerung

Die Förderung alternativer Antriebe setzt beim Listenpreis an. Bei der Dienstwagenbesteuerung der geldwerten Vorteile für die Privatnutzung von Elektro- und Hybridfahrzeuge erfolgt inzwischen regelmäßig eine Halbierung, teilweise sogar eine Viertelung der Bemessungsgrundlage (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 EStG), der geldwerte Vorteil sinkt entsprechend. Die Reduzierung gilt auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung.

Bisher galt die Förderung nur befristet für bis 2021 angeschaffte Fahrzeuge. Die Maßnahmen sind zuletzt im Rahmen des "Jahressteuergesetz 2019" bis 2030 verlängert worden. 

Viertelung oder Halbierung der Bemessungsgrundlage

Beim Lohnsteuerabzug ist zu unterscheiden:

  • Die Viertel-Regelung gilt ab 2020, wenn das Kraftfahrzeug keine Kohlenstoffdioxidemission je gefahrenen Kilometer hat und der Bruttolistenpreis des Kraftfahrzeugs nicht mehr als 60.000 Euro beträgt (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 3 und S. 3 Nr. 3 EStG). 
  • Erfüllt ein Elektrofahrzeug nicht die vorstehenden Voraussetzungen oder handelt es sich um ein extern aufladbares Elektro-Hybridfahrzeug, kommt eine Halbierung der Bemessungsgrundlage bzw. der Abschreibung gemäß vorstehenden Grundsätzen in Betracht (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 2 und S. 3 Nr. 2 EStG). 

Steuerliche Behandlung abhängig vom Fahrzeugtyp

Für die richtige steuerliche Behandlung ist die Kenntnis der begünstigten Fahrzeuge erforderlich.

Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge mit einem Listenpreis von bis zu 60.000 Euro sind ab 2020 regelmäßig nur noch mit einem Viertel des Listenpreises anzusetzen. Gleiches gilt für S-Pedelecs und E-Scooter. Für teure E-Autos und bestimmte Hybrid-Firmenwagen gilt weiterhin die Halbierung des Listenpreises. 

Förderung für Hybride: Voraussetzungen

Die Förderung von Hybridfahrzeugen erfolgt jedoch nur, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Danach muss:

  • das Fahrzeug eine Kohlenstoffdioxidemission von höchstens 50 Gramm je gefahrenen Kilometer haben oder
  • die Reichweite unter ausschließlicher Nutzung der elektrischen Antriebsmaschine mindestens 40 Kilometer betragen (bei Anschaffung nach dem 31. Dezember 2021: 60 Kilometer).

Überlassungs-Zeitpunkt beachten

Die Viertelung bzw. Halbierung gilt für vom Arbeitgeber erstmals ab 2019 zur privaten Nutzung überlassene Fahrzeuge, die die vorgenannten Voraussetzungen erfüllen. Es kommt nicht auf den Zeitpunkt an, zu dem der Arbeitgeber das Kraftfahrzeug angeschafft, hergestellt oder geleast hat (BMF, Schreiben v. 19. Dezember 2018, IV C 5 - S 2334/14/10002-07). 

Für vor 2019 erstmals überlassene Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge, die extern aufladbar sind, sowie für entsprechende Fahrzeuge, die die Reichweitenvoraussetzung nicht erfüllen, gilt die frühere Regelung weiter. Danach ist der Listenpreis pro Kilowattstunde der Batteriekapazität pauschal zu mindern, für in 2018 angeschaffte Fahrzeuge um 250 Euro. Zu Einzelheiten vgl. BMF, Schreiben v. 5. Juni 2014, BStBl 2014 I S. 835, ergänzt durch BMF, Schreiben v. 24. Januar 2018, BStBl 2018 I S. 272.

Anwendungsbeispiel: Berechnung geldwerter Vorteil Elektro-Dienstwagen

Der Arbeitgeber überlässt einem Mitarbeiter seit Dezember 2019 einen Elektro-Dienstwagen (Batteriekapazität 30 kWh). Der Bruttolistenpreis beträgt 45.000 Euro. Der Mitarbeiter hat eine erste Tätigkeitsstätte, die er regelmäßig ansteuert und die 10 km von seinem Zuhause entfernt liegt. 

Geldwerter Vorteil Dezember 2019

Der Listenpreis ist als Bemessungsgrundlage zur Hälfte mit 22.500 Euro anzusetzen.

Privatnutzung 1 Prozent x 22.500 Euro225,00 Euro
Fahrten erste Tätigkeitstätte 0,03 Prozent x 10 km x 22.500 Euro67,50 Euro
gesamt292,50 Euro

Geldwerter Vorteil ab Januar 2020

Der Listenpreis ist als Bemessungsgrundlage zu einem Viertel und auf volle hundert Euro abgerundet mit 11.200 Euro anzusetzen.

Privatnutzung 1 Prozent x 11.200 Euro112,00 Euro
Fahrten erste Tätigkeitstätte 0,03 Prozent x 10 km x 11.200 Euro33,60 Euro
gesamt145,60 Euro

Hinweis: Die erst Mitte 2020 erfolgte Anhebung des Höchstpreises für die Viertelung auf 60.000 Euro, die hier die Anwendung ermöglicht, gilt rückwirkend ab Januar 2020.

Abwandlung: Überlassung Elektrofahrzeug im Jahr 2018

Die erstmalige Überlassung ist im Dezember 2018 erfolgt. In diesem Fall gilt die Vorgängerregelung: Die Minderung hinsichtlich der Batterie beträgt für 2018 angeschaffte Fahrzeuge 250 Euro pro Kilowattstunde der Batteriekapazität. Der Bruttolistenpreis ist um 7.500 Euro (30 kWh x 250 Euro) zu mindern. Der für die Ermittlung des Entnahmewerts geminderte Bruttolistenpreis beträgt 37.500 Euro. 

Privatnutzung 1 Prozent x 37.500 Euro375,00 Euro
Fahrten erste Tätigkeitstätte 0,03 Prozent x 10 km x 37.500 Euro112,50 Euro
gesamt487,50 Euro

Achtung: Auch im Jahr 2020 und später ist für dieses Fahrzeug ein geldwerter Vorteil in vorstehender Höhe zu versteuern. 

Hinweis: Regelungen gelten nicht für die Umsatzsteuer

Bereits die alte Regelung zum Batterieabschlag fand keine Entsprechung bei der Umsatzsteuer. Auch zu den Neuregelungen vertritt die Finanzverwaltung die Auffassung, dass die Halbierung bzw. Viertelung der Bemessungsgrundlage nur für die Lohn- und Einkommensteuer gilt. 

Elektro-Vergünstigungen beim Fahrtenbuch

Entsprechend der Halbierung / Viertelung der Bemessungsgrundlage für die Anwendung der Listenpreisregelung bei Elektro- und extern aufladbaren Hybridfahrzeugen wird die zu berücksichtigende Abschreibung (AfA) bei der Fahrtenbuchmethode ebenfalls halbiert / geviertelt. 

Wird ein geleastes oder gemietetes Kraftfahrzeug genutzt, sind die Leasing- oder Mietkosten nur zur Hälfte / zu einem Viertel zu berücksichtigen (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 3 EStG). Die übrigen Kosten werden in voller Höhe in die Berechnung einbezogen. 

Weitere Einzelheiten zur Führung eines Fahrtenbuchs und zur Ermittlung der Fahrzeugkosten enthält BMF, Schreiben v. 4. April 2018, BStBl 2018 I S. 592. 

Kosten für den vom Arbeitgeber verbilligt oder unentgeltlich gestellten, nach § 3 Nr. 46 EStG steuerfreien Ladestrom bleiben bei der Ermittlung der insgesamt durch das Fahrzeug entstehenden Aufwendungen (Gesamtkosten) vollständig außer Ansatz.


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