17.02.2012 | Entgelt

Entfernungspauschale: Anerkennung für verkehrsgünstigere Umwegstrecken

Die Chancen stehen gut: Dank mehrerer Urteile des Bundesfinanzhofs ist die Anerkennung einer steuermindernden Umwegstrecke und der damit zusätzlichen Entfernungskilometer deutlich gestiegen. Eine Vorgabe hinsichtlich der notwendigen Zeitersparnis gibt es nicht.

Die Entfernungspauschale spielt nicht nur bei der Steuerklärung von Arbeitnehmern eine Rolle. Auch die Pauschalierungsmöglichkeit von Fahrtkostenzuschüssen für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit dem eigenen Pkw ist auf die Entfernungspauschale begrenzt. In diesen Fällen kann die Lohnsteuer in Höhe von 15 % erhoben werden, Sozialversicherungsbeiträge fallen nicht an. Bei der Ermittlung gibt es aber immer wieder Streitigkeiten über die anzusetzende Entfernung.

Welche Voraussetzungen sind notwendig?

Mit zwei neuen Urteilen hat der Bundesfinanzhof konkretisiert, unter welchen Voraussetzungen die Entfernungspauschale für einen längeren als den kürzesten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Anspruch genommen werden kann (BFH, Urteile v. 16.11.11, VI R 19/11 und VI R 46/10). Grundsätzlich kann die Entfernungspauschale nur für die kürzeste Entfernung beansprucht werden. Etwas anderes gilt aber, wenn eine andere Verbindung "offensichtlich verkehrsgünstiger" ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig benutzt wird.

Finanzgerichte und Finanzämter hatten dafür in der Vergangenheit teilweise eine zu erwartende Fahrtzeitverkürzung von mindestens 20 Minuten gefordert.

Der Bundesfinanzhof hat nun entschieden, dass eine Mindestzeitersparnis von 20 Minuten nicht stets erforderlich ist. Vielmehr sind alle Umstände des Einzelfalls, wie z. B. die Streckenführung, die Schaltung von Ampeln o. Ä. in die Beurteilung einzubeziehen. Eine Straßenverbindung kann auch dann "offensichtlich verkehrsgünstiger" sein, wenn bei ihrer Benutzung nur eine geringe Zeitersparnis zu erwarten ist.

Allerdings hat der BFH klargestellt, dass nur die tatsächlich benutzte Straßenverbindung in Betracht kommt. Eine mögliche, aber nicht benutzte Straßenverbindung kann der Berechnung der Entfernungspauschale nicht zugrunde gelegt werden.

Tipp: Firmenwagenbesteuerung

Bei der Firmenwagenbesteuerung für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (0,03-%-Regelung pro Monat bzw. 0,002-%-Regelung pro Tag) wirken sich die Urteile bei der Regelbesteuerung nicht aus. Hier bleibt erfreulicherweise die kürzeste Entfernung für die Ermittlung des geldwerten Vorteils maßgebend. Wählt der Arbeitgeber allerdings die auch hier mögliche Pauschalversteuerung mit 15 %, ist - bei gleichbleibendem geldwerten Vorteil - aufgrund der Rechtsprechung ein höheres Pauschalierungsvolumen denkbar.

 

 

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