06.10.2015 | Stationärer Handel

Trotz Big Data: Kunden stehen (zu) oft vor leeren Regalen

Nicht immer haben die Kunden vorm Regal die Qual der Wahl.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Big Data liefert dem stationären Handel eigentlich alle Informationen über das Konsumverhalten der Kunden. Dennoch stehen die im Laden oft vor leeren Regalen. Das schmälert das Einkaufserlebnis – das Pfund, mit dem der stationäre Handel gegen Online-Shops wuchern sollte.

Der stationäre Handel kann die Wünsche der Kunden trotz umfassender Informationen dank Big Data nicht immer bedienen. So das Ergebnis einer Studie von GT Nexus. Demnach haben 86 Prozent der Deutschen mindestens einmal in den vergangenen zwölf Monaten ein Produkt im Laden nicht kaufen können, weil es nicht mehr vorrätig war. Jeder dritte Kunde hat diese Erfahrung sogar "häufig“ oder "sehr häufig“ gemacht. Am höchsten war der Prozentsatz der Kunden, die vor einem leeren Regal standen, mit 45 Prozent in der Zielgruppe der 25- bis 44-Jährigen. 63 Prozent der Befragten haben das entsprechende Produkt schließlich bei der Konkurrenz oder auch gar nicht gekauft. Umsatz, der dem zunächst aufgesuchten Händler, damit verloren gegangen ist.

Trotz Big Data bleiben Engpässe normal

Als Verantwortliche sehen die Kunden die Händler, die Warenengpässe nicht erkennen können. Jeder Zweite führt dies auf Planungsfehler des Shopbetreibers zurück. Händler müssen in diesen Fällen demnach nicht nur die entgangenen Umsätze, sondern auch Imageschäden hinnehmen.

Für Boris Felgendreher, Supply-Chain-Experte bei GT Nexus, spiegeln die Ergebnisse ein interessantes Paradox wider: Auf der einen Seite habe der Handel in den vergangenen Jahren erhebliche Summen in neue Technologien investiert, um die Vision des „gläsernen Kunden“ Realität werden zu lassen und Käuferwünsche bestmöglich zu erfüllen. Auf der anderen Seite falle es Unternehmen noch immer erstaunlich schwer, ihre Warenflüsse und Bestände entsprechend der Vorhersagen zu steuern.

Das Problem: Moderne Lieferketten werden heute immer komplexer und umfassen zum Teil hunderte von Handelspartnern. Die klassische Unternehmens-IT sei, so Felgendreher, nicht darauf ausgerichtet und stoße an Grenzen. Deshalb suchten immer mehr Unternehmen nach alternativen Möglichkeiten für die Steuerung der Lieferketten. Eine Möglichkeit dazu böten Cloud Services.

Und ein weiteres Studienergebnis zeigt, dass der stationäre Handel etwas tun muss: Während jeder dritte stationäre Kunde „häufig“ oder „sehr häufig“ erlebt, dass ein Produkt ausverkauft ist, sagen 80 Prozent der Befragten, dass ihnen dies beim Online-Handel in den letzten zwölf Monaten entweder "nie“ oder "nur selten“ passiert ist.

Für die Umfrage hat Yougov im Auftrag mehr als 1.000 Personen ab 18 Jahren befragt.

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Schlagworte zum Thema:  Vertrieb, Kundenbindung, Stationärer Handel, Big Data

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