27.05.2014 | Retail

Der Handel kommt nicht mehr ohne E-Commerce aus

Das Sammeln und Analysieren von Kundendaten wird für alle Händler zentral.
Bild: Corbis

Wie sieht der Handel der Zukunft aus? Die Deutsche Post DHL entwirft in einer Studie vier Szenarien für das Jahr 2025. Eins ist in jedem Fall klar: Am E-Commerce führt kein Weg vorbei, für niemanden.

Kaum eine Branche wird durch die Digitalisierung derart stark verändert wie der Einzelhandel. Fast täglich liest man vom Wettbewerb zwischen dem klassischen stationären Handel und dem E-Commerce. Wer sich nicht als Multichannel-Händler etabliere, werde vom Markt verschwinden, heißt es von Expertenseite. Viele befürchten bereits den Tod der Innenstädte, wenn Online-Shopping immer weiter um sich greift.

Wie es weitergehen wird, hat Deutsche Post DHL nun in einer umfangreichen Studie untersucht. "Global E-Tailing 2025" entwirft dabei vier unterschiedliche Szenarien, die von jeweils verschiedenen Entwicklungen der Weltwirtschaft und einzelner Regionen ausgehen und sich zum Teil deutlich unterscheiden. Eine Gemeinsamkeit haben alle vier Zukunftsbilder allerdings: Digitalisierung und E-Commerce spielen immer eine bestimmende Rolle.

Szenario 1: Hybrider Konsum

Die Weltwirtschaft wächst stetig, aber moderat, weltweit hat sich das Modell der Leistungsgesellschaft etabliert. In einzelnen Regionen wachsen die sozialen Ungleichheiten in Industriestaaten. Smartphones und Tablets gehören für fast alle Menschen zum Alltag, überall in den Straßen gibt es zudem interaktive Displays. Händler bieten ihre Waren sowohl stationär als auch im Internet in Online-Shops an. Multichannel ist Standard im Einzelhandel. Entsprechend sind die meisten Ladengeschäfte nur noch Showrooms, die den Online-Kauf vorbereiten

Komfort und Bequemlichkeit beim Einkauf spielen für diejenigen, die es sich leisten können, eine herausragende Bedeutung. Wer als Händler hier besonders punktet, hat die Nase vorn. Für die breite Masse der globalen Konsumenten zählt aber nach wie vor vor allem eins: der Preis.

Szenario 2: Selbstverwirklichung und virtuelle Communities

Weltweit ist die Wirtschaft deutlich gewachsen, es gibt überall eine breite, kaufkräftige Mittelschicht, die das Leben genießen möchte. Dazu schließen sich die Menschen in zahllosen Lifestyle-Communities im Social Web zusammen. Und für fast jede Interessengruppe, für jede Community gibt es kleine, aber feine E-Commerce-Plattformen. Der Handel ist digital, selektiv und spezialisiert. Der Online-Handel boomt derartig, dass die Logistik an ihre Grenzen stößt. In Ballungsräumen ist man teilweise dazu übergegangen, die Zustellung zu regulieren, um dauerhaften Verkehrsinfarkt zu verhindern.

Szenario 3: Volldigitalisierter Handel

Stetige Innovationsrevolutionen im Bereich der digitalen Technik treiben das Weltwirtschaftswachstum zu immer neuen Höhen. Die Gesellschaft ist digitalisiert. Datenbrillen und Wearables aller Art sind Standard und Teil des Alltags der meisten Menschen. Man hat virtuelle Einkaufsberater, Avatare, die Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel und Kleidung "selbständig" für den Besitzer einkaufen, in Online-Shops gibt es "Personal Shopping Hubs". Online-Shops wechseln ihre Angebote in Echtzeit und passen sie jedem Besucher an. Den stationären Handel gibt es noch, vornehmlich mit Showrooms, die ebenfalls mit Simulationen arbeiten, um ihr Angebot zu präsentieren. Same-Day-Delivery ist Standard, zumindest in allen größeren Städten. Auf Grundlage der Kundendaten antizipieren Händler und Logistiker das Kaufverhalten jedes Kunden und verschicken Ware schon, bevor sie überhaupt bestellt wurde. Die britische Handelskette Tesco hat bereits jetzt Avatare im Einsatz.

Szenario 4: Regionalisierung

Die Weltwirtschaft wächst nicht, sondern stagniert bestenfalls. Protektionismus und hohe Rohstoff- und Energiepreise bedingen eine Regionalisierung der Wirtschaftskreisläufe. Man kauft, was nebenan produziert wird. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind die bestimmenden Kriterien beim Einkauf. Es geht nicht um Eigentum, sondern um das Nutzen, weshalb Sharing-Modelle weit verbreitet sind. Verfügbarkeit zählt, nicht Eigentum. Entsprechend sind die großen Online-Portale im Leasinggeschäft aktiv. Kleine Online-Plattformen unterstützen den lokalen Tauschhandel. Maschinen etc. sind so gebaut, dass sie leicht zu reparieren sind, Logistikunternehmen setzen vor allem auf das Geschäft mit Ersatzteillieferungen.    

Daten, Analytics und Mobile

So unterschiedlich die Szenarien auch sein mögen, eines ist ihnen gemeinsam: Ohne das Internet, ohne Digitalisierung wird es keinen Handel 2025 geben. Die Hoffnung vieler kleinerer Einzelhändler zum Beispiel in Deutschland, dem Wettbewerb durch den Online-Handel zu entgehen, indem sie für die Beratung im Laden 25 Euro verlangen, wird sich nicht erfüllen. Jeder Händler, ob groß oder klein, wird sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen müssen. Und das heißt vor allem: Mit dem Sammeln und Analysieren der relevanten Daten seiner Kunden. 

Das vollständige Studie finden Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Handel, Vertrieb, E-Commerce, Versandhandel

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