Die Bedeutung der Filialen wird abnehmen. Davon sind die Berater von Oliver Wyman überzeugt. Bild: Gerhard Giebener/pixelio.de ⁄

Ist 2017 das Jahr der Weichenstellung für den Handel? Der Branchenreport "Retail Journal“ von Oliver Wyman geht davon aus. Aus einem filialbasierten werde ein kundenbasiertes Business.

Grundlegend wird sich der Handel in den nächsten Jahren verändern. Davon sind nicht nur die Berater von Oliver Wyman überzeugt. Sie haben nun drei Ebenen definiert, auf denen die Digitalisierung Veränderungen nach sich ziehen wird:

Die Zentralen: Algorithmen und Künstliche Intelligenz werden viele Routineaufgaben im Einkauf beziehungsweise Category Management, im Marketing und in der Steuerung der Lieferkette übernehmen. Sie kommen schneller zu besseren Antworten als menschliche Entscheider. Nur in Ausnahmefällen ist das Eingreifen durch menschliche Hände dann noch erforderlich. Viele Aufgaben in der Administration werden sogar vollständig digitalisiert. Der Mitarbeitereinsatz kann deshalb zunehmend auf strategische Fragen und das Treiben von Innovationen ausgerichtet werden. Entsprechend steigen die Anforderungen an die verbliebenen Mitarbeiter. Der Kampf um die besten Talente wird nochmals deutlich an Intensität zunehmen.

Handel: Weniger Filialen

Die Filialen: Die Bedeutung der Filialen wird weiter abnehmen – aus einem filialbasierten wird ein kundenbasiertes Geschäft. Hinzu kommen immer mehr Optionen für die letzte Meile vor allem in urbanen Regionen. Autonom fahrende Lieferwagen, die einem Kunden eine Whatsapp-Nachricht senden, dass sie vor der Tür stehen und die Einkäufe mittels Passwort aus einer Box entnommen werden können, werden in nicht allzu ferner Zukunft Realität sein.

Andere Studien besagen, dass Kunden auch in Zukunft nicht ganz auf Filialen verzichten möchten. Die müssten allerdings aufrüsten, um ihren Kunden Mehrwerte zu bieten.

Die Branchenstruktur: Der europäische Handel wird sich durch Fusionen weiter zu einem internationalen Geschäft entwickeln. Die Herausforderungen: Die Preise der Discounter, die Apps und Technologien der großen Technologieunternehmen und Geschäftsmodelle, die neue Skaleneffekte aud der letzten Meile realisieren. Besonders im europäischen Lebensmitteleinzelhandel wird das deutlich spürbar sein: In zehn bis fünfzehn Jahren wird es nur noch halb so viele Anbieter mit im Kern filialbasierten Modellen geben.

Daten sind der größte Schatz der Händler

Unternehmen müssten sich an die Spitze der Veränderungen setzen, erklärt Sirko Siemssen, Handelsexperte und Co-Leiter des europäischen Branchenteams Einzelhandel bei Oliver Wyman. Ansonsten würden sie perspektivisch gegenüber neuen Wettbewerbern mit disruptiven Geschäftsmodellen ins Hintertreffen zu geraten. Allerdings wisse bislang noch niemand genau, wohin die Reise gehe. Entsprechend seien strategisches Agieren und Agilität gefragt.

Der Kampf um die Schnittstelle zum Kunden ist bereits entbrannt. Händler müssen ihre Kunden verstehen, Bedürfnisse befriedigen und die Nachfrage antizipieren. Dazu müssen sie ihre Kunden noch sehr viel besser kennen als bisher. Der größte Schatz der Händler seien deshalb die Daten, so Siemssen weiter. Bisher hinken deutsche Händler bei der Nutzung dieser Daten hinterher und könnten die Kundenschnittstelle an Google, Amazon & Co. verlieren. In manchen Non-Food-Bereichen sei dies bereits passiert, so der Report. Als alternative Überlebensstrategie könnten sich etablierte Händler eine Nische als flexible, lokale Anbieter suchen und Kunden mit eben jenen Eigenschaften überzeugen, die den dann international agierenden Unternehmen fehlt.

So generiert der Handel digitalen Mehrwert

Schlagworte zum Thema:  Handel, Digitalisierung, Kundenbindung

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