31.03.2015 | Top-Thema Multichannel-Handel funktioniert: Vier Beispiele aus München

Was passiert stationär, wenn man den Online-Shop zusperrt?

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Loden Frey: So elegant wie das Ladengeschäft soll auch der Online-Shop sein. Denn er dient als Flagship Store.
Bild: Lodenfrey.com

Die Local-Commerce-Offensive der traditionsreichen "Marienplatz-Schickeria" – dazu zählen Bettenrid (Sortiment: alles ums Schlafen), Lodenfrey (Mode), Ludwig Beck (online: Kosmetik-Sortiment) und Sporthaus Schuster – gestaltet sich vielversprechend, aber auch aufwendig. 

Die Verheißungen sind groß: "Multichannel lohnt sich, wenn man griffige Kanalverknüpfungen schafft", erklärte Peter Schön, Leiter E-Commerce bei Sporthaus Schuster, auf einer Podiumsdiskussion auf dem just gelaufenen Internet World Kongress. Leicht zu messen sind die Kanalwechselwirkungen nicht. "Es hat aber auch noch niemand untersucht, was mit dem Stationärgeschäft passiert, wenn man den Online-Shop zusperrt. Wir werden allerdings nicht dabei sein, dies herauszufinden", betont Christiane Hoss-Nurminen, E-Commerce-Chefin bei Bettenrid.

Online-Shop als Flagship Store

Doch lohnt sich der Aufwand für Stationäre, sich einen Online-Shop zuzulegen? –"Nein!", grinst Ralf Mager, Gesamtverantwortlicher E-Commerce bei Lodenfrey, schränkt dann aber ein: Würde man den Online-Shop isoliert für sich und nach Retouren betrachten, lohnte sich das Unterfangen in Sachen Absatz knapp nicht. "Der E-Commerce ist für uns allerdings ein großartiger Flagship Store mit Branding- und Abstrahleffekten", betont Mager. Kunden außerhalb Münchens (deutschlandweit und in Österreich) würden dank Lodenfrey.com ebenso auf das Stammhaus aufmerksam wie hochwertige Marken. Immerhin ist der 1842 gegründete Tuchhändler mit seinem Sortiment längst sehr stylisch über das Thema Trachten hinausgewachsen.

"Auch wenn uns nicht jedes Gespräch mit dem Controlling glücklich stimmt, hat erfolgreicher Handel seine Kosten im Griff", ergänzt Fabian Goehler, Geschäftsführer von Ludwig Beck Online. Da die Münchner sowohl Flächeneffizienz als auch Stationärfläche ausgereizt haben, hat sich Ludwig Beck 2012 bewusst für die Online-Expansion entschieden – allerdings nur mit einem exquisiten Luxus-Kosmetiksegment mit hohem Alleinstellungsmerkmal für den Online-Kanal. Die größten Umsätze kommen aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Im Vorjahresvergleich seien die Umsatzzuwächse über das Smartphone um plus 135 Prozent "durch die Decke gegangen", berichtet Goehler. Diese Entwicklung macht er nicht nur am seit zwei Jahren bestehenden Responsive Design des E-Shop fest, sondern auch an wachsenden Display-Größen und stabileren Verbindungen auf Nutzerseite. "Mobile First ist für mich Smartphone First", resümiert Goehler.

Paypal ist auch stationär im Kommen

Doch mit welchen Instrumenten und Tools – einschließlich Fokus auf das Kunden-Smartphone – werden Lokalisten virtuell erfolgreich sein? Klar, es geht um Fulfillment-Services wie Click oder Reserve & Collect (Bestandsabfrage bei der Filiale, gegebenenfalls Reservierung des Lieblingsteils und Abholen vor Ort) oder QR-Code-Shopping am Schaufenster nach Ladenschluss. Und auch um Retouren im Geschäft, neue Picking-Systeme für den Online-Versand vom Ladenlokal aus. Auch die bequeme, weil gelernte Paypal-Zahlung an der physischen Kasse kommt in Mode. 

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Haufe Online-Redaktion/ Kristina Schreiber

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