11.09.2013 | Top-Thema Interview mit Gregor Vogelsang

"Inhalte werden über alle Endgeräte verfügbar sein müssen"

Kapitel
"Wir werden also vor allem eine Verstärkung der bereits vorhandenen Trends sehen."
Bild: Burda Creative Group GmbH

Während sich manche Vertriebler ihre Informationen noch zusammengoogeln, transferieren andere Firmen bereits ihre Learnings aus Asien oder den USA nach Deutschland. Denn die Kommunikation wird sich in Zukunft weiter wandeln.

acquisa: Sie sind ja viel unterwegs, kennen die Lage in Asien und USA: Wie steht es denn mit Content Marketing im internationalen Vergleich?

Vogelsang: Die USA sind im Bereich Content Marketing – vor allem digital - in der Tat ein Vorreiter, und dort wird der Markt noch eine große Entwicklung erleben. Die nächste große Entwicklung ist nicht nur der verstärkte Einsatz von Content im Marketing und in der Unternehmenskommunikation, sondern die Verknüpfung mit Nutzungsanalyse, CRM-Daten und Performance-Messung. In Asien ist die Entwicklung sehr unterschiedlich. Dort ist die Brücke zwischen realer Welt und mobilen Endgeräten schon viel mehr geschlagen als bei uns – etwa im Shopper Marketing. Sehr häufig sind Erfahrungen aus den asiatischen Märkten aber nicht einfach nach Europa übertragbar. Meiner Meinung nach sind es weniger die geografischen Märkte, die entscheidend sind, sondern die Branchen und die in ihnen agierenden Unternehmen, die die Geschwindigkeiten im Content Marketing bestimmen. Automobilhersteller sind teilweise weiter als die Fashion-Branche, digitale Unternehmen im E-Commerce schneller als traditionelle Retailer, international agierende Unternehmen transportieren Erfahrungen aus Märkten rascher.

acquisa: Wagen wir mal einen Blick in die Zukunft? Wie wird sich denn die Vertriebskommunikation im Jahr 2015 geändert haben?

Vogelsang: 2015 ist gar nicht mehr weit weg. Wir werden also vor allem eine Verstärkung der bereits vorhandenen Trends sehen: Mobilität in der Kommunikation wird einen noch höheren Stellenwert erreichen. Sie wird mehr Jetztzeitkommunikation sein, interaktiver, dialogischer und integrierter über externe und interne Datenquellen hinweg. Auf Seiten der Infrastruktur wird man sich zunehmend von den IT-Großprojekten verabschieden. Es müssen flexible, modulare Strukturen geschaffen werden, die eine zum jeweiligen Zeitpunkt moderne Nutzungserfahrung ermöglichen. Inhalte werden über alle Endgeräte verfügbar sein müssen und die gewohnten Medienbrüche in der Nutzung von Vertriebskommunikation müssen verschwinden. In vielen Gesprächen haben wir dazu nach wie vor archaische Verhältnisse festgestellt: Der Vertriebsmitarbeiter stellt als Einzelkämpfer vor dem Kundengespräch Informationen zusammen - aus Firmendaten, Google-Search etc. Wir haben es erlebt, dass Vertriebsmitarbeiter die Produkt- und Preisinformationen ihres Unternehmens googeln – Social Media (die Nutzung von Xing und anderen Netzwerken ist vergleichsweise hoch), Branchendiensten etc. Dann geht er mit einer selbst zusammen gestellten Präsentation (häufig physisch ausgedruckt) in das Kundengespräch. Der Vertriebsmitarbeiter nimmt zum Beispiel eine Kapazitäts- oder Konfigurationsanfrage wieder mit ins Büro, klärt dies wiederum in einer firmeninternen Datenbank und startet dann die Angebotserstellung, die weitere Iterationen dieser Art erzeugt. Solche Prozesse wird man sich nicht mehr lange leisten können.

Schlagworte zum Thema:  Vertrieb, Corporate Publishing, Mobile Marketing, Marketing

Aktuell

Meistgelesen