03.04.2014 | Top-Thema Interview mit Dr. Peter Neven

"Kein monokausaler Zusammenhang zwischen der Digitalisierung dort und der Veränderung von Messen"

Kapitel
"Zentral für Messen sind Handelsfreiheit und Reisefreiheit, ebenso Wirtschaftswachstum."
Bild: Auma

Der Datenschutz wirkt sich in Deutschland auch auf die Möglichkeiten der Ansprache im Rahmen von Messen aus. Deshalb sind größere Datenanalysen schwierig. Im Ausland sieht es teilweise etwas anders aus.

acquisa: Sind Messen in Ländern wie Südkorea, die digital einen Vorsprung gegenüber Deutschland haben, anders aufgestellt?

Dr. Neven: Messen funktionieren dort so wie hier. Allerdings geht es in den Hallen auch mal lauter und marktschreierischer zu. Das ist eine Frage der Kultur und des Regelwerks. In Deutschland wäre sowas nicht erlaubt. Jedenfalls sehe ich keinen monokausalen Zusammenhang zwischen der Digitalisierung dort und der Veränderung von Messen. Allerdings ist der Datenschutz großzügiger und es gibt entsprechende Versprechungen an die Aussteller. Man wird als Besucher teilweise komplett erfasst, bekommt eventuell sogar einen Barcode, über den man am Stand direkt erkannt werden kann. In Deutschland sind die Anonymitätswünsche stärker.

acquisa: Die Marketingbranche redet viel über Big Data und Daten als "neuem Gold". Was bedeutet diese Entwicklung für die Messen?

Dr. Neven: Big Data heißt ja vor allem personenbezogene Daten. Das bringt alles nur etwas, wenn man die Namen hat. Und da beginnt dann schon der Datenschutz. Aber Besucheradressen sind ein wesentliches Instrument der Kundenbindung, denn sie ermöglichen es, während der Zeit zwischen zwei Messen die Besucher mit wesentlichen Informationen über die Weiterentwicklung der Veranstaltung regelmäßig zu informieren.

acquisa: Wie könnte die Messelandschaft im Jahr 2020 aussehen?

Dr. Neven: Wir haben vom Lehrstuhl für Marketingmanagement der HHL Leipzig Graduate School of Management mehrere Szenarien zur Zukunft von B2B-Messen ermitteln lassen. Ich hoffe natürlich auf das Szenario A, das von wachsenden Weltmärkten mit global profilierten Messekonzernen ausgeht. Da ist eine große Chance für Messen, ihre starke Position als Marketinginstrument aufrecht zu erhalten. Zentral für Messen sind Handelsfreiheit und Reisefreiheit, ebenso Wirtschaftswachstum. Ein Schreckensszenario wäre, wenn die Menschen künftig alles von zuhause aus erledigen würden. Aber ich erwarte keinen grundsätzlichen Wandel in diese Richtung.

Schlagworte zum Thema:  Messe, Mittelstand, Online-Marketing, Marketing, Vertrieb

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