22.07.2014 | Interview mit Hans-Rudolf Steiner

"Swissness ist Verkaufsargument"

"Wir wünschen uns, dass dreidimensionale Werbemittel endlich offiziell Eingang finden in Marketing-Lehrpläne und damit in den Kommunikationsmix."
Bild: Victorinox AG, Schweiz

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat der Werbeartikelbranche neuen Auftrieb gegeben. Hans-Rudolf Steiner, Verkaufsleiter Werbeartikel der Victorinox AG, über Werbeartikel aus der Schweiz und deren Einsatz durch deutsche Unternehmen.

acquisa: Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise und inmitten heftiger Diskussionen um die Zukunft des Euro produzieren und expandieren deutsche Unternehmen mit einer Dynamik, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Welche Auswirkungen hat das denn für die Werbeartikelbranche?

Hans-Rudolf Steiner: Wir registrieren das prognostizierte Wachstum mit Genugtuung. Im Moment bewegen wir uns währungsbereinigt aber noch ziemlich auf Vorjahresniveau. Von einem Boom würden wir zweifellos auch profitieren, weil dann auch Premiumprodukte vermehrt in den Vordergrund rücken. Zur positiven Stimmung tragen sicherlich die Faktoren Wirtschaftsentwicklung in unseren Hauptabnehmerländern sowie der Ausbau unseres Produkte-Portfolios bei. Der Euro und der Wechselkurs zum Schweizer Franken ist eher mit negativen Gefühlen belastet.

Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Unternehmen reden vom Fachkräftemangel. Spüren Sie ähnliches?

Steiner: Von einem Fachkräftemangel spüren wir zum Glück wenig und das Thema Lohn, aktuell die Mindestlohnforderung, ist in der Schweiz durch die Ablehnung des Volkes vom Tisch.

Welche aktuellen Trends sehen Sie in der Werbeartikelbranche?

Steiner: Als Trendbarometer eignen wir uns nicht. Die Nachfrage nach unseren Klassikern ist unvermindert gegeben. Und unsere neuen Artikel im Portfolio kommen demnächst in die Bemusterungsphase. Wir sind zuversichtlich.

Und in welche Richtung geht es in den nächsten Jahren?

Steiner: Wir werden unser Portfolio mit weiteren interessanten Produkten ergänzen, die alle die Victorinox-DNA haben – das heißt Marke, Schweizer Qualität, Multifunktionalität, Langlebigkeit und damit Nachhaltigkeit.

Welche Rolle spielen mobile Devices für die Werbeartikelbranche?

Steiner: Wir haben vor ein paar Jahren begonnen, Mechanik mit Elektronik zu kombinieren, also ein Multifunktions-Tool mit einem USB Speicher-Medium ausgerüstet. Wir vermarkten diesen Hybrid mit ständigen Miniaturisierungen erfolgreich. Weitere elektronische Produkte als Wechseldatenträger haben wir nicht im Fokus. Insgesamt werden solche Artikel sicher zunehmend eingesetzt werden.

Und welche Rolle spielen Web 2.0, Social Media & Co.?

Steiner: Wir nutzen Social Media in einem gesunden Maß und beobachten die Entwicklung. Der Einfluss dieser neuen Medien ist branchen-neutral.

Was bedeutet für Sie Innovation in der Werbeartikelbranche?

Steiner: Unsere Domäne ist der Fach-Einzelhandel und unsere Kernprodukte sind Ikonen und haben daher andere Lebenszyklen als die zum Teil schnelllebigen Werbeartikel. Wir legen jedoch Wert auf eine adäquate Innovationsrate. Innovationen finden bei Produkten wie auch im Veredelungsbereich statt. Bei unseren Tamponprints haben wir zum Beispiel durch ein spezielles Verfahren eine überragende Abriebfestigkeit und damit eine Alleinstellung erreicht.

Wie sehen Sie deutsche Unternehmen beim Umgang mit Werbeartikeln?

Steiner: Wir erleben die deutschen Unternehmen als sehr kosten-nutzenbewusst mit klaren Vorstellungen, wie und wo der Werbeartikel eingesetzt wird.

Und wie sieht es diesbezüglich bei Ihnen in der in der Schweiz aus?

Steiner: Die Situation in der Schweiz ist sehr ähnlich. Zum beabsichtigten Imagetransfer kommt zusätzlich vor allem bei export-orientierten Firmen die Swissness ins Spiel. Unsere Taschenmesser sind dabei praktisch der Inbegriff von Swissness und sie werden daher gerne und erfolgreich eingesetzt.

Ist der Werbeartikel aus Europa tot?

Steiner: Die Nachfrage nach hochwertigen Werbeartikeln ist da und das Qualitätsversprechen "Made in Germany" oder "Made in Switzerland" hat seine Bedeutung nicht verloren. Ein Markenversprechen hat speziell in der Flut von No-Name-Werbeartikeln seinen besonderen Wert, den auch der Beschenkte zu würdigen weiß.

Der Werbeartikel fristet zuweilen ein Mauerblümchendasein. Wie lässt sich das ändern?

Steiner: Ein gewisses Umdenken scheint hier schon stattgefunden zu haben, wenn man sieht, wie oft der gewählte Artikel nun auch wirklich schon ins Kommunikationskonzept eingebunden ist. Die Branchenverbände werden auch weiterhin Aufklärungsarbeit bezüglich Bedeutung und Wirksamkeit von Werbeartikeln leisten müssen.

Warum sollten Unternehmen denn Werbeartikel gerade bei Ihnen kaufen?

Steiner: Victorinox bietet durch die große Auswahl das passende Produkt für jeden werblichen Einsatz. Man erwirbt ein wertvolles Qualitätsprodukt mit praktischem Nutzen. Multi-Funktionalität und Raffinesse sind legendär. Veredelungen, Lieferbereitschaft, Termintreue und Garantieleistungen bewegen sich auf höchstem Niveau. Ein Imageträger par excellence: Der Langzeit-Werbeartikel passend zum eigenen guten Namen.

Wie verteilt sich bei Ihnen im Unternehmen eigentlich das Verhältnis von klassischen Kollektionen und neuen Produkten? Wie verhält es sich mit Limited Editions?

Steiner: Wir pflegen die kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Produkte und ergänzen die Kollektionen kontinuierlich. Limited Editions bieten wir aufgrund des speziellen Verkaufstrichters im Werbeartikelhandel nur im Fachhandel an.

Sie verfügen über ein recht vielfältiges Produktportfolio – von Taschenmessern über Uhren, Bekleidung, Reiseutensilien oder Küchenartikel? Welche Produkte lassen sich als Werbeartikel nutzen?

Steiner: Grundsätzlich werden bei uns keine Produkte speziell für den Werbeartikelhandel konzipiert. Alles, was wir herstellen, hat Premium-Fachhandels-Qualität und diese Produkte sind mit entsprechenden Garantien ausgerüstet. Die Eignung eines Produkts als Werbeartikel wird bei uns jedoch in jedem Fall sorgfältig abgewogen. Taschen- und Küchenmesser, Uhren, Gepäck gibt’s auch in der Werbung. Düfte und Bekleidung erachten wir – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – als ungeeignet.

Zum Ende unseres Interviews dürfen Sie sich noch etwas wünschen...

Steiner: Wir wünschen uns, dass dreidimensionale Werbemittel endlich offiziell Eingang finden in Marketing-Lehrpläne und damit in den Kommunikationsmix. Zudem wünschen wir uns, dass die steuerlichen Einschränkungen in einem erträglichen Maß sind und dass ein starker Branchenverband besteht, dessen Lobby-Arbeit bei den Unternehmen Unterstützung findet.

Schlagworte zum Thema:  Werbung, Marketing, Werbeartikel

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