07.11.2013 | Automotive

Gesellschaftliche Entwicklung setzt Autohändler unter Druck

Wenn die Straßen leerer werden, müssen Autohändler umdenken. Neue Geschäftsmodelle müssen her.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Zahl der potenziellen Autokäufer sinkt hierzulande bis 2020 um 1,5 Millionen. Hinzu kommen Car-Sharing-Modelle als Alternative zur Anschaffung eines eigenen Pkw sowie die Konkurrenz aus dem Internet. Eine aktuelle Studie beleuchtet, wie sich diese Entwicklung auf die Händler auswirken könnte.

Große Veränderungen kommen auf den Automobilhandel zu. Dies prognostiziert die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und Ntt Data Deutschland. Vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung schrumpft, die Konkurrenz der Internethändler wächst und immer mehr Autofahrer gefallen an Car-Sharing-Modellen finden, sehen die Studienautoren vier wesentliche Geschäftsmodelle für das Jahr 2020. Dies sind, neben dem klassischen Autohandel und dem bereits gängigen Flottenvertrieb an Großkunden, der Direktvertrieb und das Modell des Mobilitätsdienstleisters, bei dem nicht der Fahrzeugkauf, sondern die Bereitstellung jeweils passender Verkehrsmittel im Vordergrund steht. Händler werden sich entscheiden müssen, in welchen Geschäftsmodellen sie ihre Kernkompetenzen sehen, sagt Felix Kuhnert, Pwc-Partner und Leiter des Automotive-Bereichs in Deutschland und Europa.

Unterschiedliche Bedürfnisse in der Stadt und auf dem Land

Drei Haupttrends werden die Nachfrage bestimmen: Die demografische Entwicklung zu der neben der sinkenden Zahl potenzieller Käufer auch der steigende Altersdurchschnitt der Autofahrer gehört, der Anteil der Single-Haushalte und schließlich eine wachsende urbane Bevölkerung. Wer in der Stadt lebe und alleine wohne, brauche seltener ein Auto und wenn, dann eher ein kleines, betont Dr. Rainer Mehl, Leiter Ntt Data Automotive. Aber auch in den ländlichen Gebieten würden aufgrund abnehmender Bevölkerungszahlen immer weniger Autos gekauft. Betroffenen Händlern rät er deshalb, auf Kooperationen und eine Multimarkenstrategie zu setzen, um Service- und Verkaufsstützpunkte rentabel zu betreiben. In der Stadt nehme hingegen die Nachfrage nach flexiblen Öffnungszeiten und individueller Beratung, vor allem im Premiumbereich, zu.

Der stationäre Autohandel gerät aber auch durchs Internet unter Druck. Bislang informieren sich die Kunden im Web zwar mehr als sie kaufen, dies dürfte sich aber in Zukunft ändern – Online-Kommunikation und leistungsfähigere IT-Lösungen, die die Darstellung von Neuwagen auf dem Bildschirm optimieren, ersetzen den realen Showroom. Deshalb sollten Händler ihre Autohäuser um digitale Services ergänzen.

Bei Flottenverkäufen, die bis 2020 weiter steigen dürften, kommt es hingegen darauf an, Mobilitätsmanagement-Lösungen anzubieten – von der Reiseplanung über die Fahrtkostenabrechnung bis hin zur Wartung.

Eine besondere Herausforderung sehen die Studienautoren im Trend zu Mobilitätsdienstleistungen. Für viele ist ein Leben ohne Auto denkbar, bei ihnen steht nicht das Verkehrsmittel, sondern die günstigste Fortbewegungsart im Vordergrund. Bislang wird dieses Segment vor allem von reinen Car-Sharing-Anbietern bedient, in den Großstädten holen aber auch die Hersteller langsam auf. Knackpunkt hierbei ist die effiziente Zusammenarbeit mit Dienstleistern, die Aufgaben wie Koordination, integrierte Serviceprozesse und IT-Aufgaben übernehmen.

Haufe Online Redaktion

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