| Interview mit Thomas Völcker

"Social-Plug-ins steigern das Kauferlebnis"

"Eines der größten Probleme ist die Verringerung der Kaufabbrüche."
Bild: Allyve

Von 28 deutschen Online-Shops bieten nur zwei ein Social-Log-in an, so das Ergebnis einer Studie des Start-Ups Allyve. Im Gespräch mit acquisa analysiert dessen Geschäftsführer Thomas Völcker, was Social-Plug-ins für den E-Commerce bringen.

acquisa: Wo besteht für die deutschen Online-Shops noch Nachholbedarf in Sachen Social Media?

Thomas Völcker: Social Media besteht im Wesentlichen aus zwei Bereichen. Auf der einen Seite befindet sich die Präsenz in den sozialen Netzwerken, also das klassische Social-Media-Marketing. Auf der anderen Seite steht die Integration von Social-Media-Elementen in den Online-Shop selbst im Vordergrund. Für einen Großteil der E-Commerce-Unternehmen stand das Social-Media-Marketing in den letzten Jahren stets im Vordergrund. Hierfür war sicherlich auch das starke Wachstum von Facebook und der Hype um Facebook-Commerce verantwortlich. Dabei wurde jedoch vergessen, dass der wichtigste Absatzkanal für einen Online-Shop immer noch die eigene Website ist.

Nun befinden wir uns heute in der Situation, dass auch die größten Online-Shops in Sachen Social-Media-Integration noch extrem viel Nachholbedarf haben und ihre Online-Auftritte in der nächsten Zeit fit für das Social Web machen müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Denn nicht nur die amerikanische Konkurrenz steht vor der Tür, wie man am Beispiel der Übernahme von Casacanda durch Fab.com sieht, sondern auch die Nutzer stellen neue Erwartungen.

acquisa: Was bringen Social-Log-ins für Kunden und Händler?

Völcker: Eines der größten Probleme, dem Online-Shops heute gegenüberstehen, ist die Verringerung der Kaufabbrüche. In den letzten Jahren konnte man durch die Optimierung von Formularen und die Anpassung des Kaufprozesses die eigene Conversion-Rate noch signifikant steigern. Diese Wege sind aber mittlerweile ausgereizt. Social-Log-in bietet hier einen neuen Ansatz, der Online-Shops Zugriff auf die Profilinformationen eines Kunden gibt und damit das Ausfüllen von Formulardaten auf ein Minimum reduziert. Ist ein Teil des Formulars erst einmal ausgefüllt, steigt die Bereitschaft für einen Kaufabschluss signifikant.

Kunden kommt dieses neue Anmeldeverfahren sehr entgegen. Es ist nämlich bereits zu beobachten, dass bei Nutzern eine Registrierungsmüdigkeit besteht. Eine aktuelle Studie besagt, dass 54 Prozent der Nutzer eine Website mit großer Wahrscheinlichkeit verlassen, wenn sie mit einem Registrierungsformular konfrontiert werden. Social-Log-in überwindet diese Hürde, indem Nutzer sich mit ihren bestehenden Profilen in sozialen Netzwerken anmelden können. Außerdem verweilen Social-Log-in-Nutzer bis zu 50 Prozent länger auf einer Website und schauen sich doppelt so viele Unterseiten an. Für Kunden und Händler ergibt sich so eine Win-win-Situation.

acquisa: Warum nutzen so wenig deutsche Unternehmen Social-Log-ins?

Völcker: Das Thema Social-Media-Integration wurde in Deutschland lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt. Die Social-Media-Welle hat Deutschland erst viel später erreicht als zum Beispiel die USA und somit stellen sich auch die Unternehmen mit entsprechender Verspätung auf das veränderte Kundenverhalten ein. Diese Frist ist mittlerweile vorbei und so ist es nicht verwunderlich, dass der Social-Log-in in Deutschland immer mehr Anklang findet. Erst kürzlich hat das Online-Videoportal My Video eine umfangreiche Integration von Facebook-Social-Log-ins vorgenommen. Solche Integrationen sind in den letzten Wochen immer häufiger zu finden. Online-Shops müssen sich also in der nächsten Zeit mit dem Social-Log-in befassen, um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.

acquisa: Wenn schon kein Social-Log-in, welche anderen Social-Media-Elemente binden die Händler denn in ihre Online-Shops ein?

Völcker: Erstaunlicherweise sind auch andere Social-Media-Elemente in Online-Shops noch sehr rar. Und das, obwohl Social Media ja nicht erst ein Phänomen der letzten Wochen und Monate ist. Am häufigsten anzutreffen sind der Like-Button und die generelle Verlinkung auf die Facebook-Fanpage. Seltener findet man dann noch einen Tweet- oder einen +1-Button. Für die Zukunft haben Online-Shops hier sehr viel Potenzial und können durch die tiefe Social-Media-Integration, zum Beispiel mittels Social-Plug-ins wie den Social-Log-in, Rating, Sharing oder einem Kommentarsystem, das Kauferlebnis für den Kunden positiv beeinfluss und somit Wettbewerbsvorteile erlangen.

Schlagworte zum Thema:  Versandhandel, E-Commerce, Social Media

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