| Digitalisierung

Immer mehr Unternehmen setzen auf Industrie 4.0

Im produktionsnahen Umfeld ist die digitale Transformation vielfach angekommen, jetzt ziehen andere Unternehmensbereiche nach.
Bild: Bosch

Vier von zehn Unternehmen verfügen inzwischen über eigene Erfahrungen in der Smart Industry. Damit ist der "Deutsche Industrie 4.0-Index“ des Beratungsunternehmens Staufen erneut gestiegen. Und auch der Vertrieb zieht nach.

2014 lag der Index auf einer Skala von 0 bis 100 noch bei einem Wert von 16, im vergangenen Jahr kletterte er auf 30, inzwischen erreicht er 35 Punkte. Konkret bedeutet das: Vier von zehn Unternehmen haben heute eigene Erfahrungen mit Smart Industry gemacht.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass sich das Tempo der digitalen Transformation verlangsamt habe, so Thomas Rohrbach, Senior Partner bei Staufen. Dabei handele es sich vielmehr um eine Normalisierung der Entwicklung, weil immer mehr Firmen erkennen würden, dass es bei Industrie 4.0 nicht darum geht, über Nacht eine komplette smarte Fabrik aus dem Boden zu stampfen, sondern das Thema gezielt anzugehen. Entsprechend hätten nur die wenigsten Unternehmen bisher wirklich ihre gesamte Wertschöpfungskette digitalisiert und vernetzt.

Der Anteil der deutschen Unternehmen, die bereits umfassend operativ auf die Smart Industry setzen, hat innerhalb des vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorjahr dennoch fast verdoppelt und liegt nun bei sieben Prozent. Etwa ein Drittel verfolgt operative Einzelprojekte, weitere 40 Prozent evaluieren die Potenziale oder befinden sich in der Planungs- beziehungsweise Testphase. Lediglich für 15 Prozent der Befragten spielt die Smart Industry bisher keine Rolle.

Auch der Vertrieb organisiert sich in Richtung Industrie 4.0

Immer mehr Unternehmen wird zudem bewusst, dass es sich bei der Industrie 4.0 um einen Denkansatz handelt, der alle Entwicklungsstufen eines Produktes oder einer Dienstleistung umfasst. Während der Schwerpunkt der Umsetzung weiterhin im produktionsnahen Umfeld liegt, haben andere Unternehmensbereiche 2016 immerhin deutlich zugelegt. In Forschungs- und Entwicklungsabteilungen setzen 44 Prozent auf entsprechende Maßnahmen oder planen dies in der näheren Zukunft.

Auch im Vertrieb arbeitet ein Viertel der Firmen nach entsprechenden Prinzipien oder will sich in Richtung Industrie 4.0 organisieren. Treiber dieser Entwicklung sind, der Studie zufolge, häufig After-Sales-Modelle, mit denen die Unternehmen ihr Portfolio um Services entlang des gesamten Lebenszyklus der Maschinen erweitern. Für viele Firmen eröffnet sich dabei mit intelligenten Produkten ein ganz neuer Bereich der Wertschöpfung, die nicht mehr wie vielfach in der klassischen Industrie mit dem Verkauf der Ware abschließt. Im Einkauf setzt sich langsam ebenfalls eine neue Qualität der Digitalisierung und Vernetzung durch: Etwa jedes fünfte Unternehmen rüstet sich in diesem Bereich.

Weil der digitale Wandel Unternehmen vor große Herausforderungen stellt, gehen die meisten schrittweise vor. Die Mehrheit verbinde Neues und Altes mit Bedacht, so ein Fazit der Studienautoren. Bestehende Strukturen würden nachgerüstet und umorganisiert.

Für den Index wurden im Auftrag der Unternehmensberatung Staufen 277 Industrieunternehmen befragt.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, CRM, Internet der Dinge

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