Der Blick in die Zukunft des Digital Commerce. Bild: Stockbyte

Vom Filialgeschäft zum digitalen Vertrieb – im Vorfeld der diesjährigen Dmexco in Köln gab die Konferenz „The Future of Digital Sales“ am Vorabend der Digitalmesse Einblicke in neue Ansätze für das Digitalgeschäft – und dies zum dritten Mal.

Big Data, Predictive Analytics oder Künstliche Intelligenz – dass die digitale Transformation nicht nur viel diskutiertes Zukunftsthema auf Kongressen ist, sondern bereits in vielen Branchen im Unternehmensalltag angekommen ist, zeigte die Konferenz „The Future of Digital Sales“, die am Vorabend der Dmexco 2017 rund 80 Teilnehmer in die Domstadt lockte.

Michael Altendorf und Achim Arnold vom Veranstalter Adtelligence widmeten sich zum Auftakt dem Thema Big Data und Personalisierung. „Wir haben schon Big Data gemacht, als dies noch gar nicht so hieß“, sagte Altendorf. Doch nicht nur Daten, auch neue Technologien machen Veränderungen notwendig: Da die Displays der Endgeräte immer kleiner werden, müsse das Marketing darauf reagieren. Und was kommt danach? „Künstliche Intelligenz ist die Zukunft des digitalen Vertriebs“, resümierte Altendorf. Immerhin: Vom Hype einer Technologie zum einsetzbaren Produkt vergehen meist Jahre. Dennoch sollte sich niemand allzu viel Zeit lassen. In vielen Branchen bestehe hoher Nachholbedarf: „In der Banken- und Versicherungsbranche etwa lässt sich Big Data auch heute noch nur sehr schwer nutzen“, ergänzte Achim Arnold. Beratung, Analyse und Data Science stünden noch am Anfang.

Digitale Start-ups in Köln

Mathias Härchen vom Digital Hub Cologne zeigte, wie die Stadt Köln ihre Digitalisierungsinitiativen bündelt. „Eine chaotische Situation verhindert ein Vorantreiben der Digitalisierung“, sagte Härchen. Digitalisierung sei schon fast ein Unwort geworden. „Unsere zentrale Aufgabe besteht darin, den Unternehmen die richtigen Start-up-Partner zur richtigen Zeit zur Verfügung zu stellen“, so Härchen. „Wir vernetzen Unternehmen und bieten ihnen Zugang zu unserem Ökosystem“. Beratung und Begleitung der jeweiligen Unternehmen ist für das Digital Hub Cologne von entscheidender Bedeutung.

Commerce Disruption

Spannend auch das Thema Commerce Disruption: Martin Kulik von der Unternehmensberatung Zeb analysierte den Wandel im Handel auf eindrucksvolle Weise: „Wie Dinge gekauft werden, ändert auch, was gekauft wird“, so der aus Hamburg angereiste Experte. Und das sei schon sehr radikal, obwohl es den wenigsten wirklich bewusst ist. Aber: Die Zugangskanäle bestimmen immer mehr, was gekauft wird. „Und diese werden von Google, Amazon, Apple, Facebook & Co. kontrolliert“, so Kulik. „Was es bei Amazon nicht gibt, ist für viele Menschen heute als Produkt gar nicht mehr vorhanden“, so der Experte. Als neue Vertriebskanäle machte er die sogenannten Conversationel Interfaces wie Alexa & Co. aus: „Früher brauchten alle eine App, heute brauchen sie einen Bot“, so Kulik.

Anna Raedler, Bereichsleiterin Marketing der Hanseatik Bank, berichtete über intelligente Customer Journeys entlang der Customer Lifetime. Alle Produkte der als Zweitbank fungierenden Marke werden über alle (harmonisierten) Kanäle an die Kunden kommuniziert. „Doch angesichts der enormen Geschwindigkeit im digitalen Markt hat man immer das Gefühl, hinterher zu hinken“, erklärt Raedler. Heute setzt die Bank auf einen Methoden-Mix aus Webanalyse, Mousetracking, Segmentierung sowie der Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden – und komme wesentlich schneller voran.

Big Data ist in vielen Unternehmen noch nicht angekommen

Die Kurve kriegen von „Darts im Dunkeln zu Performance Marketing“ musste Patrick Wosnitzka, Geschäftsführer von KI Growth: „Seit dem Jahr 2008 höre ich, wie wichtig Big Data ist. Doch die Grundlagen dafür sind in den meisten Unternehmen gar nicht vorhanden“, so Wosnitzka. Angesichts der enormen Datenflut und der rasanten Geschwindigkeit ist für den Digitalexperten Wosnitzka die Lean Start-up-Methode sowie Kaizen die Basis für erfolgreiches Digitalmarketing. „Sie können heute keine Pläne mehr erstellen. Denn diese sind längst veraltet, wenn sie mit der Umsetzung beginnen“, so Wosnitzka.

Die Assekuranz entdeckt die Digitalisierung

Merdad Pirozam von Insurtec VS gab Einblicke in die rasante Digitalisierung der Versicherungsbranche. Denn auch die deutsche Assekuranz hat die Digitalisierung längst für sich entdeckt.

Dominik Wöber, Head of Perfomance Sales bei Google, und Rainer Borchert, E-Commerce-Consultant bei Google, stellten in ihrem Vortrag "Faster Mobile Web" die Frage, ob Echtzeit bald vielleicht nicht mehr schnell genug ist. „Im Mobile Commerce zählt wirklich jede Sekunde“, so Experte Wöber. Und: „Egal, wie gut man als Unternehmen ist, entscheidend ist, was die Nutzer erwarten“. Und diese Erwartungshaltung der Kunden nehme – fast täglich – zu. „Daher ist die User Experience in Mobile entscheidend für die Zukunft“, so Wöber. Sie sei die Basis, um künftig überhaupt von Künstlicher Intelligenz profitieren zu können. Da passte es ins Bild, dass die beiden Experten von Google ihre eigenen Devices mitbrachten: „Wir präsentieren hier aus der Cloud – und nicht vom Stick“, so das Fazit der Google-Mitarbeiter. Im Digital Business zählt eben jede Sekunde.

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Schlagworte zum Thema:  Vertrieb, Digitalisierung

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