14.09.2012 | Interview mit Christoph Wenk-Fischer

"Das meiste läuft über Facebook"

Social Commerce: Vernetzungen im Social Web werden für Versandhändler immer wichtiger
Bild: Haufe Online Redaktion

Für Versandhändler haben Social Media viele Facetten. Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh), über Social Media und Social Commerce.

acquisa: Trotzdem kommt Social Commerce nicht in die Gänge. Dabei wurde dem Verkauf in sozialen Netzwerken schon für 2010 der Durchbruch prognostiziert …

Wenk-Fischer: Social Commerce und Social Media müssen an dieser Stelle separat betrachtet werden. Direkt über Facebook zu verkaufen – das ist ein Thema, mit dem kaum ein Unternehmen hierzulande umgehen kann. Die Händler tun sich traditionell sehr schwer damit. Das Problem ist, dass eine Facebook-Shop-Integration zwangsläufig dazu führt, dass alle Daten auch zu Facebook gelangen. Online- und Versandhändler haben naturgemäß heftige Bedenken, wenn Prozesse nicht komplett bei ihnen abgewickelt werden und sie keine Kontrolle über die Kundendaten haben. Das ist ein Wermutstropfen, den nur wenige bereit sind zu schlucken. Aber abverkaufsflankierend und in der Kommunikation wird Social Media für Versandhändler immer wichtiger.

acquisa: Aber ist der Erfolg solcher flankierender Social-Media-Maßnahmen für Versender auch wirtschaftlich bewiesen?

Wenk-Fischer: Viele Firmen haben ganz individuelle Möglichkeiten geschaffen, an denen sie den Erfolg ihres Social-Media-Engagements festmachen. Wer zum Beispiel Social Media einsetzt, um Neukunden zu gewinnen, kann die Akquisitionskosten exakt ausrechnen und mit anderen Maßnahmen vergleichen. Andere Versandhändler haben Social Media bewusst als Nullsummenspiel eingeführt, indem sie ihre Kommunikationsstrategie umgestellt und Teile ihres Marketingbudgets in Social Media umgeshiftet haben. Oder sie setzen zum Beispiel Mitarbeiter aus nicht mehr ausgelasteten Abteilungen für Social Media ein. Ohne Controlling geht heutzutage kein Versandhändler mehr in die sozialen Netzwerke.

acquisa: Wohin geht die Entwicklung?

Wenk-Fischer: Ob Facebook seine Dominanz behält, bleibt abzuwarten. Es ist durchaus denkbar, dass Händler künftig verstärkt eigene Vernetzungsmöglichkeiten schaffen oder auf Facebook-Konkurrenten wie Google setzen. Doch eines ändert sich nicht mehr: Social Media hat eine immanente Funktion für Verbraucher. Für die Generation unserer Kinder ist das Internet schon heute gleichbedeutend mit Social Media. Insofern werden auch die sozialen Vernetzungen von Versandhändlern weiter zunehmen.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Versandhandel, Social Commerce, Social Media, Online-Marketing

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