17.10.2013 | Finanzdienstleister

Banken fürchten die Konkurrenz neuer Marktteilnehmer

Der Kampf um die Kunden wird noch härter.
Bild: Haufe Online Redaktion

Banker rechnen fest damit, dass die Erträge im Retail-Geschäft in den kommenden Jahren weiter schrumpfen. So lautet das Ergebnis der Roland Berger-Studie "Die Zukunft des Retail Bankings in Europa". Eine Gefahr sehen etablierte Banken in neuen Marktteilnehmern, die im Zahlungsverkehr mitmischen.

Top-Führungskräfte aus über 60 Banken in 15 europäischen Ländern waren für die Studie befragt worden. Demnach erwartet die Branche große Herausforderungen und sieht ihre Profitabilität unter Druck. Rund die Hälfte der befragten Banken rechnet damit, dass die Erträge im Retail-Geschäft schrumpfen werden. Einig sind sich die Banker jedoch nicht. Während die Befragten in Deutschland und Nordeuropa fest mit rückläufigen Erträgen rechnen (70 Prozent), glauben süd- und westeuropäische Banker daran, die Talsohle erreicht zu haben. Sie erwarten nun einen Aufstieg, unterstützt durch niedrige Gehälter der Angestellten aufgrund des schwachen Arbeitsmarktes und einen abgeschwächten Wettbewerb durch die abgeschlossene Konsolidierung sowie den Rückzug internationaler Banken. In Deutschland sei der Kampf um günstige Konditionen hingegen noch immer hart, erklärt Frank Heideloff, Partner bei Roland Berger.

Kerngeschäft in Gefahr

Konkurrenz erwarten die Banker von ganz anderer Seite. Sie sehen eine große Gefahr darin, dass Nichtbanken wie beispielsweise Einzelhändler, Internetfirmen, Telekommunikationsanbieter oder Plattformen in den Markt drängen und im Zahlungsverkehr und bei einfachen Spar- und Giroprodukten mitzumischen. So gefährden schon jetzt Geldauszahlungen und Verbraucherkredite im Einzelhandel die Banken im Kerngeschäft, während gleichzeitig Internet-Dienste wie Paypal weiter angreifen.

Die Zukunft, so die Überzeugung der Top-Banker, gehört den Direktkanälen. Vor allem das Mobile Banking werde weiter wachsen, so Heideloff. In Deutschland gehen mehr als drei Viertel der Befragten davon aus, dass bereits bis 2015 mehr als 20 Prozent ihrer Erträge über Kanäle wie Online- oder Mobile-Banking generiert werden. Ebenso viele gehen davon aus, dass diese Kanäle auch bei der Neukundengewinnung eine zentrale Rolle spielen werden. Passend dazu gibt ein Drittel der Banker an, dass Investitionen nun primär in digitale Kanäle fließen müssen, wobei Videoberatung und Chat-Funktionen ein wichtiges Thema sein werden.

Um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, sehen die Befragten verschiedene Ansätze. 95 Prozent möchten ihren Vertrieb verbessern, 90 Prozent halten Preismodelle und Preisgestaltung für wichtig und 75 Prozent zeigen sich überzeugt, dass die Filialdichte gesenkt werden muss, um stattdessen auf neue Kanäle zu setzen.

Das Fazit: Retail-Banken müssen ihr Geschäftsmodell neu definieren. Dazu gehört ein Vertrieb, der stärker individualisierte CRM-Strategien zur Kundengewinnung nutzt, eine nahtlose Verzahnung von Filialen und digitalen Kanälen, aber auch eine konsequente Nutzung von Synergien, um die Kosten zu senken. Langfristig muss die Branche auch neue Ertragsquellen und Handlungsfelder erschließen und das Filialnetz neu gestalten.

Schlagworte zum Thema:  Finanzwirtschaft, Vertrieb, Kundenbindung

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