Nicht nur Werkstätten müssen sich schnell neu sortieren. Bild: Haufe Online Redaktion

Das automobile Aftersales-Geschäft wird sich durch die Digitalisierung komplett verändern. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Doch die Branche ist schlecht vorbereitet.

Neue Geschäftsmodelle wie beispielsweise der Direktvertrieb von Autoteilen über das Internet würden die bestehende Aufteilung zwischen Herstellern, Zulieferern, Distributoren und Werkstätten neu sortieren, so die Studienautoren. Insbesondere digital- und fahrdatenbasierte Dienstleistungen wie Updates für das Auto oder Echtzeit-Diebstahlschutz werden in Zukunft stark wachsen – auf rund 20 Prozent in zehn Jahren.

2030 könnten bis zu einem Viertel der Teile online gekauft werden. Verschleißärmere Technologien wie elektrische Antriebe werden die Nachfrage nach Ersatzteilen dämpfen, ebenso wie Einführung selbstfahrender Autos. 80 Prozent der befragten Automobilzulieferer und Branchenvertreter geben an, auf diese Veränderungen schlecht vorbereitet zu sein.

Profitabilität des Aftersales-Geschäfts wird leiden

Insbesondere bei der Digitalisierung hinken viele Zulieferer noch hinterher. 42 Prozent der Befragten befürchten deshalb, dass sich die Profitabilität ihres Aftersales-Geschäfts in den kommenden zehn Jahren verschlechtern wird. Mit einer Verbesserung rechnet weniger als ein Drittel (29 Prozent).

Die Studie nennt sechs Trends, denen sich Zulieferer stellen sollten:

  1. Die Konsolidierung wird sich europaweit fortsetzen – vor allem unter Distributoren und Großhändlern. Für realistisch halten die Berater eine Landschaft wie in Nordamerika, in der vier führende Großhändler 40 Prozent des Marktes beherrschen.
  2. Autohersteller expandieren in das Aftersales-Geschäft mit seinen attraktiven Renditen – auch, um dem Kunden Service und Erfahrung aus einer Hand zu bieten.
  3. Wie andere Produkte werden auch Autoteile durch die Digitalisierung immer stärker im Internet vertrieben werden. Sensible oder komplizierte Komponenten wie Airbags oder Windschutzscheiben werden aber weiterhin durch Hersteller oder unabhängige Werkstätten vertrieben.
  4. Fahrdaten werden zu einem attraktiven Ziel – sie können helfen, den Kunden mit seinen Wünschen besser zu verstehen und Services (beispielsweise im Fall einer Panne) schneller anzubieten oder gar zu warnen, bevor ein wichtiges Bauteil im Auto ausfällt.
  5. Neue Wettbewerber aus dem Digitalumfeld (Flottenmanagement, Versicherer) versuchen, sich einen Teil des Geschäfts zu sichern.
  6. Durch die Digitalisierung wird die Preistransparenz größer. Bis zu 30 Prozent der Kunden in Europa informieren sich vorab über günstige Werkstätten.

Die McKinsey-Berater fordern Zulieferer deshalb dazu auf, eine Strategie zu entwickeln, die auf den eigenen Stärken aufbaut – von Kundenbindung über ein überlegenes Netzwerk bis hin zur Technologieführerschaft. Dann gelte es, schnell mit neuen Angeboten an den Markt zu gehen, um früh Erfahrungen zu sammeln und sich auch vor Kooperationen mit Startups aus dem Digitalumfeld nicht zu scheuen.

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Schlagworte zum Thema:  Vertrieb, Digitalisierung, Kundenbindung

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