31.03.2014 | Top-Thema Amazon oder doch lieber ein eigener Shop?

Schlanke Online-Expansion mit Webshop

Kapitel
Mit einem eigenen Shop haben Anbieter die Kontrolle über ihre Kundenbeziehung. Aber auch mehr Aufwand.
Bild: Haufe Online Redaktion

Dem Aufbau kanalübergreifender Vertriebsformen steht traditionell der hohe Aufwand für Implementierung, Betrieb und Management entgegen. Neue Entwicklungen ändern das gerade. 

Die technologischen Hürden sind inzwischen dank Cloud-basierten Lösungen für das Produktinformations-, Waren- und Bestellmanagement gesenkt. Sie machen zum Beispiel Systemintegration – das heißt die Anpassung und den Ausbau der eigenen IT – überflüssig.

Wer auf Amazon als Outsourcing-Partner setzt, spart allerdings eigenen Headcount etwa für das Liefermanagement, sollte aber berücksichtigen, dass Outsourcing-Management auch zeitintensiv sein kann. Wer auf eigene Infrastrukturen setzt, fährt am besten mit einer Lösung, die eine zentrale Verwaltung und Überwachung der Warenverfügbarkeit, Lager- und Lieferstände unterstützt. Ein konsolidiertes Order-Management spart Personalkosten und ist die Basis für die Umsetzung komplexer Multi-Kanal-Vertriebsstrategien. Die Freiheit einer eigenen Lösung bei der Erweiterung virtueller Lager und einer Harmonisierung von Off- und Online-Handel geht natürlich einher mit einem gesteigerten Maß an Verantwortung. Outsourcing nimmt davon einige Last weg – kann aber auch bedeuten, dass Markenhersteller für die Schwächen des Partners verantwortlich gemacht werden und dann mit ihrem guten Namen haften. 

Fazit: Sell-as-Hell für jeden?

Amazon ist als Buch- und Medienhändler gestartet, also mit dem Vertrieb von Gütern, bei denen es Kunden auf Verfügbarkeit und Liefergeschwindigkeit, aber kaum auf das Image des Anbieters ankommt. In gewisser Weise wirkt das bis heute fort: Geht es Herstellern um Mengengeschäft und darum, Kunden mit austauschbaren Waren und robustem Bestellmanagement zu beliefern, kann Amazon ein hervorragender Partner sein. Geht es um Güter, die einen bestimmten Markenstatus und ein Lebensgefühl transportieren, ist der Marktplatz weniger geeignet. Eine hervorragende Option ist Amazon für private Verkäufer und kleine Unternehmen. Für die Großen und Ambitionierten, die sich von weniger professionellen Anbietern abgrenzen wollen, gilt das nicht. Wer Multi-Kanal-Strategien mit stationären Partnern umsetzen und Cross- und Upsales-Potenziale mit eigenen Drop-Ship-Lieferanten selbst ausschöpfen möchte, für den ist Amazon nicht erste Wahl. Hierfür stehen zum Beispiel Cloud-basierte SaaS-Lösungen (Software as a Service) zur Verfügung, die den größten Amazon-Vorteil – den schnellen Start in den E-Commerce mit begrenztem Investitionsaufwand – inzwischen egalisieren. Die Frage "Amazon, oder doch lieber etwas Eigenes?" ist letztlich die nach der E-Commerce-Reife und der strategischen Ambition eines Herstellers, eigene Marken-, Service- und Vertriebsstandards definieren und umsetzen zu wollen.


Autor:

Manfred Siegl ist General Manager Europe bei Virtualstock.  

Schlagworte zum Thema:  Online-Shop, Web, Shop-Betreiber, E-Commerce, Kundenbeziehung, Marke

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