31.03.2014 | Top-Thema Amazon oder doch lieber ein eigener Shop?

Können Einzelhändler mit Amazon ihre Ziele erreichen?

Kapitel
Für viele kleinere Händler ist Amazon eine Plattform, um in den E-Commerce einzusteigen.
Bild: Michael Bamberger

Für einigen Nachhall sorgte im vergangenen Sommer die Entscheidung der Drogeriekette dm, ihre Zusammenarbeit mit Amazon nach zwei Jahren einzustellen. Der weltgrößte Online-Händler hatte während der Partnerschaft die Logistik, Preisgestaltung und Werbung für insgesamt rund 1.700 dm-Produkte übernommen

Für den Drogisten war es der erste Vorstoß in den E-Commerce. Während das stationäre Geschäft im Jahr 2013 expandierte und starkes Wachstum verzeichnete, blieben gleichzeitig die Online-Verkäufe hinter den Erwartungen zurück. Inwieweit die "Leiharbeiteraffäre" von Amazon den Entschluss beeinflusst hat, ist nicht bekannt – der Drogist ließ sich dazu lediglich zitieren: "Wir haben die Vorwürfe sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen".

Das Verhalten von dm zeigt, wie ambivalent der klassische Handel heute Amazon sieht: Als Lotse und Logistikpartner für einen vergleichsweise kostengünstigen und risikoarmen Einstieg in den E-Commerce – aber auch als Herausforderer, der arbeitsrechtlich und moralisch nach eignen, teilweise umstrittenen Regeln agiert. Für dm war die Kooperation der Testfall, ob sich der Aufbau eines Internetvertriebs generell lohnt. Aber auch für Unternehmen, die sich längst für den Auf- oder Ausbau eines Online-Kanals entschieden haben, stellt sich die Frage, ob sie mit Amazon ihre Ziele erreichen können.

Kein Mangel an Kunden

Wer seine Waren auf Amazon anbietet, hat die hohe Besucherfrequenz und erweiterte Absatzchancen im Blick. Die Erwartung zielt auf schlanke Expansion und Internationalisierung. Gerade für kleinere Händler sind Marktplätze mit fertigen Lösungen für Payment, Logistik und Traffic-Generierung attraktiv, denn sie reduzieren die Anfangsinvestitionen zum Aufbau eines Online-Kanals. So wirbt Amazon mit der leichten Einrichtung eines Markenshops im Rahmen des Grow-your-Brand-Programms. Hersteller profitieren davon, indem sie ihr Sortiment mit einer teilweise individualisierten Microsite, Vanity-URL sowie Social Media-Anbindung präsentieren und Leads mit dem Analytics-Tool von Amazon auswerten. Marken, die ihren Shop mit „Grow your Brand“ erstellen, können mit Customizing-Optionen und eigenem Logo immerhin eine rudimentäre Marktdifferenzierung gestalten. Dennoch unterliegen unternehmerische Individualität und Selbstbestimmung hier erheblichen Einschränkungen. 

Schlagworte zum Thema:  Amazon, E-Commerce, Online-Shop, Marke

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