08.03.2013 | Interview mit Siebo Woydt

"Startups neigen zum Outsourcing"

"B2C-Factoring: Sinnvoll, aber nicht ganz einfach."
Bild: Creditreform Boniversum

Siebo Woydt, Geschäftsführer von Creditreform Boniversum in Neuss, skizziert, wie sich Trends wie Forderungsaufkauf („Factoring“), Betrugsprävention und Business-Process-Outsourcing auf die Aktivitäten der Wirtschaftsinformationsanbieter auswirken.

acquisa: B2B-Factoring, also der Forderungsverkauf, ist längst am Markt etabliert. Wie spannend ist eigentlich B2C-Factoring für den boomendem E-Commerce?

Siebo Woydt: B2C-Factoring gestaltet sich schwierig, weil Ausfallrisiken bei Endverbrauchern viel schwerer einzuschätzen sind als bei Unternehmen: Sie haben nicht dieselbe Informationslage wie im Business-Segment. Es gibt kein Äquivalent zu Bilanzen, Unternehmenshistorien, Umsätzen, Mitarbeiterzahlen, Branchenrichtwerten und so weiter. B2C-Factoring muss sich auf Erfahrungswerte und Scoring verlassen, also häufig ein größeres Risiko als das B2B-Factoring eingehen und in den Prozessen mehr Transaktionen mit teils geringen Einzelgrößen effizient handhaben können. Darum boomt Factoring im Endverbrauchersegment hierzulande noch nicht. Ich sehe aber in den nächsten Jahren durchaus Potenzial für den deutschen Markt.

acquisa: Boomen werden in jedem Fall aber Betrugsprävention und Veritätsbetrachtung einer Bestellung. Wie reüssieren Betrüger und was können Händler gegen deren Machenschaften tun?

Woydt: Im schlimmsten Fall fußt eine gute Bonitätsauskunft auf der Betrachtung einer falschen Person. Oder zwischen Bestellung und Kommissionierung reicht ein Rechnungskäufer eine neue Lieferanschrift herein, ohne dass noch einmal geprüft wird, ob der Kunde an dieser Adresse möglicherweise auf eine risikoärmere Zahlungsart ausweichen muss. Insofern betrifft Betrugsprävention nicht nur die Datenlage, sondern auch die Arbeitsabläufe beim Händler. Er braucht zur Betrugsprävention Antworten auf Fragen wie: Gibt es diese Person tatsächlich? Kann sie zahlen? Sind die von ihr gelieferten Informationen plausibel? Oder existiert irgendwo ein Haken?

acquisa: Ist es sinnvoll, dass Auskunfteien stärker in die Prozesse beim Händler hineingehen und den Risiko- und Forderungsteil im Rahmen eines Business Process Outsourcing erfüllen?

Woydt: Ob Händler etwa diese Prozesse auslagern, ist vor allem eine Frage der konjunkturellen Situation. Je nachdem, wie stark ein Händler sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren will. Allerdings neigen Start-ups dazu, sich auf Einkauf, Marketing und ihre Innovationen zu konzentrieren und dann das Risiko- und Forderungsmanagement oder auch das Debitorenmanagement auszulagern. Bei einem »Geldfluss-Business-Process-Outsourcing « handelt es such um einen noch sehr jungen Trend, den wir aufmerksam beobachten und aktiv begleiten.

Schlagworte zum Thema:  E-Commerce, Forderungsmanagement, Bonität, Factoring

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