Was bewirkt der Werbeblocker von Google? Bild: Haufe Online Redaktion

2018 soll es soweit sein: Google wird für Chrome einen eigenen Adblocker herausbringen. Zunächst belächelt – schließlich ist Googles Tagesgeschäft die Werbung – erahnen Marketer langsam die möglichen Konsequenzen. Bei näherer Betrachtung ergibt es sehr viel Sinn, dass Google sich diesem Markt widmet. Die Frage dabei: Sperrt Google damit alle andere Werbung aus und gibt sich einen Freifahrtschein? Oder wird das Web durch den Vorstoß am Ende besser?

Es ist ein Ärgernis, welches jeder Internetnutzer kennt. Eine Seite wird geöffnet und als Erstes baut sich ein seitenfüllendes Werbebanner auf, welches mit lauten Soundeffekten um sich wirft. Wegen Erfahrungen wie dieser haben Werbebanner im Internet einen sehr schlechten Ruf. Zwar hat sich in den letzten Jahren bereits etwas getan und die Extremfälle nehmen ab. Trotzdem: Werbeanzeigen im Internet sind in der Regel nach wie vor nervig und lästig.

Der Siegeszug der Werbeblocker

Es ist also kein Wunder, dass Werbeblocker florieren. Fast jedes dritte Desktop-Gerät (weltweit sind es 615 Millionen Geräte) hat einen Adblocker installiert. Gerade in westlichen Ländern steigt die Adblockrate unaufhörlich weiter. Jährlich gehen Google und Co. hier Million Euro an Werbeeinnahmen verloren. Daher ist es nur logisch, dass auf Mobilgeräten Werbeblocker bislang kaum eine Chance haben – weil sich die Google, Apple und Microsoft vehement dagegen stemmen.

Dem Kundenwunsch entspricht das nicht, sondern dem Geldbeutel. Dass das keine dauerhafte Strategie sein kann, ist wohl auch Google klar. Schlechte Werbung ist das Problem, behandelt werden aber nur die Symptome

Display-Ads sind nach wie vor ein beliebtes Mittel für Werbetreibende. Allein die schiere Zahl der Auslieferungen macht einiges her. Allein: Eine solche Kampagne lohnt sich nicht immer. Weltweit liegt die Klickrate von Display-Ads bei 0,17 Prozent. Die Nutzer haben längst ihren eigenen Adblocker im Kopf, der die Augen geschickt um die Werbung herumleitet und bei Gefahr nur das „X“ sucht.

Anstatt auf bessere Werbung zu pochen, sind viele Publisher dazu übergegangen, Adblock-Nutzer abzuweisen. Auch das ist keine nachhaltige Lösung.

Googles Strategie

Der Grund, warum Google nun einen Werbeblocker entwickelt, liegt auf der Hand. Man will die Kontrolle über dieses wichtige Feld in den eigenen Händen halten. Google könnte natürlich bis in alle Ewigkeit Werbeblocker auf Android-Systemen verhindern. Wie oben aufgezeigt, ist das jedoch keine nachhaltige Lösung. Der offensive Weg, nun einen eigenen Werbeblocker herauszubringen, könnte Google enormen Einfluss bringen und die Display-Ad-Welt nachhaltig verändern. Denn Google wird, wenn sich der eigenen Werbeblocker durchsetzt, die Spielregeln für Werbebanner bestimmen.

Natürlich wird Googles Adblocker keine Google Werbung ausschalten. Google selbst hat bereits deutlich gemacht, dass es eher ein Werbefilter werden soll, der auf allzu nervige Werbung und Popups reagieren wird. Weniger andere Werbung, mehr eigene Werbung – verlieren kann Google bei diesem Projekt jetzt schon nicht mehr.

Wir brauchen gute Werbung

Dass Google sich in das Thema Werbeblocker einmischt, könnte aber auch für alle Internetnutzer (und nicht nur für Googles Geldbeutel) positive Auswirkungen haben. Wenn auf einen Schlag alle Android-Nutzer die Google Chrome verwenden – immerhin der Standard-Browser – den Adblocker bekommen, dürften die Einnahmen von vielen Seitenbetreibern mit nerviger Werbung einen empfindlichen Einbruch erleben.

Neue Strategien müssen ersonnen werden, ein Shift in Richtung besserer Werbung und Native Advertising könnte die Folge sein. Aber natürlich wird auch Google Adsense enorm profitieren. Letzten Endes wird aufdringliche Werbung damit reduziert werden – für den gemeinen Internetnutzer ein Vorteil – und vielleicht lässt sich dadurch auch peu à peu das Vertrauen in Online-Werbung wieder herstellen lassen – ein Vorteil, von dem alle Online-Marketer am Ende profitieren könnten. Wollen wir hoffen, dass es nicht beim Konjunktiv bleibt.

Schlagworte zum Thema:  Google, Google News, Online-Werbung

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