Häufig ging es Beschwerdeführern um die Diskriminierung von Frauen: Ob sexistisch oder reales Kundenverhalten, darüber musste der Werberat entscheiden. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Beim Werberat sind im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich mehr Beschwerden über Online-Werbung eingegangen als im Vorjahreszeitraum. Besonders häufig ärgerten sich die Deutschen über sexistische Kampagnen.

Um 54 Prozent ist demnach die Anzahl der Beschwerden über Online-Werbung angestiegen. Damit entfällt mit insgesamt 57 Fällen fast ein Viertel aller Beschwerden auf diese Kategorie. Es folgen TV-Trailer (44 Fälle) und Plakatwerbung (41 Fälle). Für besorgniserregend hält der Werberat diesen Trend allerdings nicht. Sprecherin Julia Busse hat eher den Eindruck, Internetwerbung würde derzeit organisiert unter Beobachtung gestellt. Die Beschwerdefälle verteilen sich auf verschiedene Formen der Digitalwerbung, wie eigene Internetseiten von Unternehmen, Firmenkanäle in sozialen Netzwerken oder Display- und Videowerbung in fremden Online-Diensten sowie mobile Werbung.

Über 241 kritisierte Maßnahmen musste der Werberat im ersten Halbjahr entscheiden (2016: 223). In 66 Fällen schloss sich das Gremium den Beschwerden an. 55 Kampagnen wurden nach der Intervention eingestellt, sechs abgeändert. Die meisten Werbenden reagierten prompt auf die Kritik des Werberates, nur in fünf Fällen waren die Unternehmen uneinsichtig, sodass eine Rüge ausgesprochen werden musste.

Beschwerden teilweise überzogen

Kritik aus der Bevölkerung kam vor allem wegen Herabwürdigungen und Diskriminierungen von Personen, meist waren es Frauen. Sie machten mit 150 Fällen rund 60 Prozent aus. Verfestigt habe sich hier laut Busse der Trend des vergangenen Jahres, wonach den Werberat zu diesem Thema besonders viele überzogene Beschwerden erreichen und die Beschwerdeführer ihre ganz eigenen Maßstäbe gelten lassen wollen. In 67 Prozent der Fälle sei allerdings kein Verstoß gegen die Verhaltensregeln des Werberats vorgelegen.

Kritisiert wurde beispielsweise der Online-Spot eines Möbelhauses. Darin stellt eine Frau eine Karaffe mit Wasser auf einen gedeckten Tisch. Der Mann, der sich durch sein Handy ablenken lässt, hält die Karaffe, die als Vase für einen Blumenstrauß gedacht ist, für ein Glas und schüttet sich halbabwesend Wasser ein. Mit einem nachsichtigen Lächeln stellt die Frau die Blumen in die Karaffe, der Mann guckt verdutzt.

Für die Beschwerdeführer war diese Werbung eindeutig geschlechterdiskriminierend: Frauen würde ein vermeintlicher Sinn fürs Ästhetische zugeschrieben, während Männer ausschließlich das Praktische sehen würden. Der Werberat hingegen erkannte in diesem Spot eher reales Kundenverhalten denn Diskriminierung.

Lesen Sie auch: So reagieren die Generationen X,Y und Z auf Werbung

Schlagworte zum Thema:  Online-Marketing, Werbung, Marketing

Aktuell
Meistgelesen