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Spenden statt Werbeeinblendungen - was von Google Contributor zu halten ist

Google Contributor könnte den Online-Werbemarkt in Bewegung bringen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Google experimentiert mit einem neuen Erlösmodell für Internetinhalte: Nutzer können sich von Display-Werbeeinblendungen des Internetgiganten mit einer Spende freikaufen, die teilnehmenden Websitebetreiber werden an den Einnahmen beteiligt.

Bisher herrscht im Internet eine Kostenlos-Kultur. Die Inhalte werden werbefinanziert zur Verfügung gestellt. Doch die Online-Vermarktung wird zunehmend schwieriger. Immer mehr Nutzer surfen mit Browsererweiterungen, die Werbeeinblendungen verhindern. Durch diese so genannten Adblocker können viele Websites oft zweitstellige Prozent-Anteile ihrer eigentlichen Reichweite nicht vermarkten. Auch die Klickraten auf Werbebanner sind im Keller. Mit Contributor reagiert Google auf diese Entwicklung.

Das Prinzip: Der werbemüde Onliner zahlt monatlich ein bis drei Dollar auf ein virtuelles Konto ein und kann dieses Geld auf beliebig vielen Webseiten verteilen. Nimmt eine Webseite an dem Contributor-Programm teilnimmt, werden sämtliche Google Adsense-Banner ausgeblendet und durch einen einfachen Button ersetzt. Klickt der Nutzer auf diesen Button, wandert einen Teil des Geldes auf das Konto des Website-Betreibers.

"Google reagiert damit auf die sinkende Werbeakzeptanz und testet alternative Geschäftsmodelle. Dazu ist Google in der Lage, wie kein anderes Unternehmen", sagt Wolfgang Thomas, Inhaber der Online-Media-Agentur von Netzwerkreklame in Hamburg. Denn der Internetgigant verfügt über die dafür nötige technische Infrastruktur - von Analyse- und Kampagnenmanagement-Tool über Adserver bis hin zum hauseigenen Browser und Mobile-Betriebssystem. "Google kontrolliert bereits große Teile der Anzeigenwertschöpfungskette", sagt Thomas. Dieses Potenzial werde nun ausgespielt.

Schlauer Schachzug

"Das Experiment "Contributor" ist erneut ein sehr schlauer Schachzug von Google, denn Publisher suchen Möglichkeiten, um bezahlpflichtige Modelle zu finden", sagt Bernd Stieber, Managing Director der Online-Marketing-Agentur Netzeffekt in München. Sollten andere Anbieter aktiv werden, um Technologien zu entwickeln, die Werbung verhindern, hieße es unter Umständen das Aus für Google. "Daher ist der jetzige Schritt von Google sehr raffiniert".

Aus Nutzer-Sicht werden laut Stieber die Klickraten auf Displaywerbung tendenziell weiter sinken und dementsprechend werde das Geschäftsmodell Suchmaschine für Google immer schwieriger. "Hinzu kommt, dass Google unter keinen Umständen als Werbevermarkter wahrgenommen werden möchte, sondern vielmehr als ein Anbieter für Tools, die einen Mehrwert bieten und den Menschen den Alltag erleichtern", so Stieber.

Am Ende des Monats wird bei Google Contributor die Schlussrechnung aufgemacht: Das vom Nutzer eingezahlte Geld wird anteilsmäßig auf die besuchten Webseiten aufgeteilt, auf denen er den Button angeklickt hat. Zahlt ein Nutzer zum Beispiel 3 Dollar ein und klickt auf 10 Webseiten den Button, bekommt jeder Websitebetreiber am Ende des Monats 30 Cent pro Klick dieses Nutzers.

"Drei Dollar pro Monat klingen zunächst wenig, wären aber für den deutschen Markt schon eine respektable Zahl", sagt Thomas. Der Online-Werbemarkt ist in Deutschland rund vier Milliarden Euro schwer, es gibt gut 50 Millionen Onliner. "Somit müsste in Deutschland jeder Onliner rund 6,66 Euro pro Monat zahlen, um die Werbeeinnahmen zu ersetzen und könnte sich damit theoretisch ein werbefreies Internet "erkaufen"", erläutert der Experte. Voraussetzung dieses Gedankenspiels: Alle machen mit.

Dass es eines Tages soweit kommt, glaubt Thomas nicht. "Ich bin momentan nicht beunruhigt". So experimentiert Google immer wieder auf verschiedenen Gebieten. Viele Projekte werden wieder eingestellt. Auch beim jetzigen Experiment sind zunächst nur zehn Websites beteiligt.

Dass ausgerechnet der größte Werbeanbieter der Welt Nutzern die Möglichkeit einräumt, Werbung zu blocken, lädt aber auch zu Spekulationen ein. Denkbar wäre: Google möchte noch mehr Publisher für sein Werbeprogramm Adsense gewinnen. Denn Google Contributor funktioniert nur für Werbung, die über Adsense ausgeliefert wird. Da Publisher ihre Websites aber nicht nur über Google, sondern auch klassisch vermarkten, dürfte der Werbefrei-Effekt für den Nutzer durchschnittlicher Websites kaum spürbar sein. Würden sich Publisher hingegen komplett über Google vermarkten, könnten Sie ihren werbemüden Nutzern ein komplett werbefreies Surferlebnis bieten und trotzdem davon monetär profitieren. Somit würde Adsense für Website-Betreiber attraktiver werden.

In einem sind sich Marktbeobachter sicher: Der Anfang vom Ende der Bannerwerbung ist dieses Experiment nicht. "Es ist viel mehr die Herausforderung, relevante und qualitativhochwertige Möglichkeiten zu kreieren, um Displaywerbung auf die Bedürfnisse der Nutzer zu erstellen", meint Stieber. Sicherlich werde die Masse an unangebrachter Werbung zunehmend weniger werden. "Stiftet die Werbung Nutzen, wird sie auch weiterhin relevant bleiben", sagt Stieber.

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