25.03.2015 | Serie Suchmaschinenoptimierung

Was die FTC wirklich über Google herausfand

Serienelemente
Der FTC-Bericht enthält viele delikate Informationen über Google.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ein eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmter Bericht der FTC über die Geschäftspraktiken von Google ist aus Versehen an die Öffentlichkeit gelangt – zumindest teilweise. Daraus lassen sich viele interessante Informationen über Googles Aktivitäten im Suchmaschinenbereich ablesen. Wir fassen die wichtigsten davon zusammen.

 

Der Bericht der FTC ist leider nicht gänzlich an die Öffentlichkeit gelangt – jede zweite Seite des insgesamt 160 seitigen Berichts fehlt. Der Report stammt aus dem Jahre 2012. Auf WSJ kann der Report eingesehen werden. Die FTC hat bereits bekannt gegeben, dass der ganze Report auf keinen Fall veröffentlicht wird. Dass 50 Prozent davon nun im Web stehen, ist ein Zufall. Wie wir bereits berichteten, hat der FTC-Bericht zu keinen weiterführenden Ermittlungen oder Restriktionen gegen Google geführt. Danny Sullivan, der Gründe von MarketingLand, hat den Bericht nun teilweise auf Twitter kommentiert. Das Relevanteste aus dem Bericht lesen Sie hier.

 

 

Google bestätigt, dass die CTR für die Suchqualität ein Faktor ist

In dem Bericht wird Udi  Manber zitiert:

„The ranking itself is affected by the click data. If we discover that, for a particular query […] 80 percent of people click on result No. 2 and only 10 percent click on result No. 1, after a while we figure out, well, probably Result 2 is the one people want. So we’ll switch it.”

Auch wenn das Wort Rankingsignal hier nicht gebraucht wird, lässt sich die Aussage von Manber nur so interpretieren, dass Google explizit die CTR dafür berücksichtigt, auf welchem Platz sich ein Suchergebnis befindet. Auch Eric Schmidt und Sergey Brin sagen in dem Bericht, dass „click data“ für viele Google-Dienste herangezogen wird, um sicherzustellen, dass der Algorithmus qualitativ hochwertige Ergebnisse liefert.

 

Facebook beschwerte sich über die Bevorzugung von Google+

Nach dem Start von Google+ hat sich Facebook offenbar beschwert, dass Google Google+ widerrechtlich in den Suchergebnissen bevorzuge und sich so einen illegalen Vorteil verschaffe, um neue Nutzer anzusprechen.

 

FTC: Schwierige Entscheidung, ob Google tatsächlich Gesetze bei der vertikalen Suche bricht

Viele Indizien hat die FTC gefunden, aber ultimativ hat sie sich dafür entschieden:

„Altthough it is a close call, we do not recommend that the Commission issue a complaint against Google“

 

Beweise für Such-Manipulation

“Evidence shows that Google sought to increase such “triggering” of Universal Search results not only to provide users with the “right” answer to their queries, but also to drive traffic to Google properties."

Hier steht es schwarz auf weiß. Die FTC kann offenbar beweisen, dass es Google nicht nur darum ging, die besten  Suchergebnisse anzuzeigen, sondern die eigenen Dienste zu bevorzugen. Auch Larry Page sagt in dem Bericht, dass Google hier an erster Stelle stehen müsse.

Viele Fußnoten in dem Bericht belegen eindeutig, dass es oft Gegenstand von internen Debatten bei Google war, eigene Produkte in den Suchergebnissen nach oben zu bringen – und zwar aus wirtschaftlichen Gründen.

 

Google wollte Yelp kaufen, um bei der lokalen Suche durchzustarten

Google hatte festgestellt, dass  es kaum User Reviews auf den eigenen Diensten gibt, vor allem für lokale Dienste. Es seien aber genau diese Daten, die besonders wertvoll seien, So Google. Die Empfehlung war damals, einen solchen Dienst zu akquirieren. Die Wahl fiel auf Yelp, die sich allerdings weigerten.  Die große Sorge laut einem Google Mitarbeiter, der in dem Bericht zu Wort kommt, war, dass Facebook, Twitter und Yelp den lokalen Markt dominieren könnten.

 

Googles Scrapper Business

Dass Google reihenweise Fremdcontent einblendet, dieses Vorgehen aber bei anderen Seiten nicht duldet, ist bekannt. Ein Leidtragender laut dem Bericht ist Amazon. Mehrfach beschwerte sich Amazon bei Google. Es ging vorwiegend um Produktbewertungen, die Google nach einigem Hin und Her dann auch eindämmte.

 

10 Seiten für 80 Prozent des AdSense-Umsatzes verantwortlich

Laut dem Bericht sind nur 10 Seiten für 80 Prozent des gesamten AdSense-Umsatzes verantwortlich (Daten von 2011), darunter Amazon, Best Buy und Wal Mart. Einige Firmen haben exklusive Deals mit Google, die ihnen Sonderkonditionen zusichern.

Eine interessante Statistik: Als Chevrolet die bezahlte Suche von Google zwei Wochen lang abschaltete, hat die Seite von Chevrolet 30 Prozent der gesamten Traffics verloren – ob dabei auch Clicks der normalen Suche waren, verrät der Bericht leider nicht.

 

Darum unternimmt die FTC nichts gegen Google

Glücklicherweise ist ein Großteil des Fazits des Berichts zugänglich. Darin erklärt die FTC, dass sie Googles Monopol – wenn es denn eins ist  - nicht von Dauer hält, da andere Unternehmen ebenfalls stark werden (die FTC nennt hier Facebook und Twitter). Außerdem hält die FTC Googles Suche trotz allem für eine Verbesserung für den Nutzer, die Google kostenfrei und ohne Anmeldung nutzen können. Den Monopolvorwurf sieht die FTC auch deswegen als nicht haltbar an, weil die größten Advertiser im Suchmaschinenbereich bereits auch auf Bing Anzeigen schalten würden – wenn Google tatsächlich das Monopol hätte, sei das nicht nötig.  Im Fazit stellt die FTC klar, dass Google sich schuldig gemacht hätte, von anderen Seiten widerrechtlich Content zu scrappen.

Für Google hatte der Bericht bekanntlich aber keine weiteren Folgen.

 

Hier der Link zum FTC Report auf WSJ

 

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Schlagworte zum Thema:  SEO, SEM, Google Plus, Google, Suchmaschine, Suchmaschinenoptimierung, Online-Marketing, Marketing

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