19.06.2012 | Finanzkommunikation

Unternehmen tun sich schwer mit dialogorientierten Social-Media-Plattformen

Im Bereich Investor Relations ist die Kommunikation teilweise heikel.
Bild: PhotoAlto

Eine internationale Benchmark-Studie der Universität Leipzig hat die Finanzkommunikation im Social Web von fast 200 börsennotierten Unternehmen untersucht. Ein Ergebnis: Deutsche Firmen haben in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt und nutzen diverse Social-Media-Anwendungen.

In den untersuchten Unternehmen aus Deutschland, den USA, Frankreich, Großbritannien und Japan wurden demnach Social-Media-Anwendungen auf der Investor-Relations-Website inzwischen standardmäßig implementiert. Zu den am stärksten genutzten Anwendungen gehören RSS-Feeds und Webcasts, als externe Plattformen kommen vor allem Twitter und Linkedin zum Einsatz. In den vergangenen Jahren haben deutsche Unternehmen gerade im Vergleich zu den Amerikanern kräftig aufgeholt und liegen bei der Social-Media-Nutzung inzwischen gleichauf. Während amerikanische Unternehmen eine Vorreiterrolle bei der dialog-orientierten Kommunikation einnehmen, nutzen deutsche Firmen mehr als die anderen internationalen Wettbewerber mobile Anwendungen. Britische und französische Unternehmen haben ihr Engagement im vergangenen Jahr deutlich intensiviert, nur japanische Unternehmen bleiben im Sozialen Netz weiterhin zurückhaltend.

Die größte Herausforderung stellen dialogorientierte Plattformen wie Blogs, IR-Chats oder Anwendungen mit Feedback-Möglichkeiten dar. Auch wenn sie inzwischen verstärkt zum Einsatz kommen, sind sie im Vergleich noch deutlich unterrepräsentiert. Ansgar Zerfaß, Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig, erklärt dies damit, dass neben technischen Plattformen auch personelle Ressourcen, interne Strukturen und eine klare Online-Strategie erforderlich seien. Außerdem, ergänzt Kristin Köhler, Projektleiterin der Studie, sei der Aufbau einer argumentativ gestalteten Kommunikation im stark verrechtlichten und sensiblen IR-Bereich nicht ganz einfach. Die One-on-One-Kommunikation zum Beispiel im Rahmen von Roadshows sei hingegen etablierte Praxis.

Die Studienergebnisse der Universität Leipzig wurden auf der Jahreskonferenz des National Investor Relations Institute (Niri) in Seattle, USA, vorgestellt. Untersucht worden waren die Websites und Aktivitäten auf Social-Media-Plattformen wie Twitter, Stocktwits, Facebook, Google+, Youtube, Flickr, Slideshare, Scribd, Linkedin und Xing der größten börsennotierten Unternehmen aus den Aktienindizes Dow Jones Industrial Average (Djia), Financial Times London Stock Exchange Index (FTSE), Cotation Assistée en Continu quarante (Cac), Deutscher Aktien-Index (Dax) sowie Nihon Keizai Shimbun Index (Nikkei). Berücksichtigt worden waren darüber hinaus die jeweils Top 10 hinsichtlich Marktkapitalisierung und Kursperformance gerankten Unternehmen aus den US-amerikanischen Mid- und Small-Cap-Indizes Russell Midcap und Russell 2000.

Schlagworte zum Thema:  Social Media, Finanzwirtschaft, Online-Marketing

Aktuell

Meistgelesen