| Interview mit Tobias Bauckhage

"Der Erfolgsfaktor ist Content"

"Die Erfolgsgeheimnisse sind Distribution, Content und Daten."
Bild: Haufe Online Redaktion

Für Tobias Bauckhage, Gründer und Geschäftsführer von Moviepilot, steht und fällt der Erfolg im Publishing mit dem Content. Genauso wichtig sind die richtigen Distributionsmechanismen und Daten. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten, wie seine Company 32 Millionen Menschen im Monat erreicht.

acquisa: Tobias, Ihr seid mit Moviepilot in zweieinhalb Jahren der größte Entertainment Publisher in den USA geworden, vor allem über Facebook. Was sind die drei Geheimnisse Eures Erfolgs?

Tobias Bauckhage: Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Das sind Distribution, Content und Daten. Bei der Distribution haben wir von Anfang an gesehen, dass Facebook eine tolle Plattform ist. Weil sie nicht nur Scale erreicht, sondern auch Scope. Man kann targeten, aber eben in enorm hoher Zahl. Das hat es noch nie gegeben, dass man, sagen wir, Millionen von "Iron Man"-Fans erreichen kann. Facebook bietet Scale und Scope. Wir haben von Beginn an gesagt, dass das unsere Chance ist, die Nische, in der wir leben – Film mit allen Unternischen wie Horror oder Fantasy oder Animation – eben nicht klein zu halten, sondern zu "hebeln".

Distribution ist das Eine, das Zweite ist dann der Content. Wir haben Verticals, das ist ganz wichtig. Denn ein Horrorfilm-Fan interessiert sich eben nicht unbedingt für Animationsfilme. Wir haben schnell gemerkt, dass wir nicht alle gleich behandeln können, nur weil sie Filme mögen. Das wussten wir zwar früher schon, haben es aber trotzdem gemacht, fälschlicherweise. Wir haben uns also in der Distribution vertikalisiert und wir haben den Content vertikalisiert. Wir haben also spezielle Contents für spezielle Fangruppen produziert.

Das Dritte ist, dass wir uns als Datenfirma verstehen. Wir messen ständig, welcher Content welche Zielgruppe erreicht, mit welchem Engagement – um zu verstehen, warum dieser Content in jener Zielgruppe besser funktioniert als anderer Content bei anderen Zielgruppen. Wir wollen wissen, was die noch interessiert, ob sie vielleicht noch mehr interessiert – basierend auf den Daten, auf den Interaktionen mit den Fans. Diese drei Dinge – Distribution, Content, Daten – müssen ineinander greifen. Dann kann es was werden.

acquisa: Jetzt ist Film natürlich ein dankbares Feld, dafür interessieren sich fast alle. Geht das, was Du beschrieben hast, auch mit anderen Themen?

Bauckhage: Ich glaube, das funktioniert mit jedem Thema – in der richtigen Scale. Film hat den Riesenvorteil, dass Facebook da als Plattform besonders gut funktioniert. Wir wollten das erste Fan-zentrische Medium sein. Denn Fan-zentrisch heißt: Du hast Hunderte Menschen, die sich viel besser auskennen als Du. Redakteure können bei Zeit- und Kostendruck gar nicht mehr so tief in die Themen einsteigen. Davon lebt der Fan-zentrische Ansatz. In unserer Welt geht es vor allem um Fan-Zentrik. Aber das, was ich vorhin gesagt habe: Content zu erstellen, an die Zielgruppe zu bringen und das Ganze zu messen, das gilt auch für einen 15-köpfigen Kaninchenzüchterverein. Du hast die Tools in der Hand, um genau zu wissen, wen Du erreichen möchtest. Genau den Content zu erstellen, den die haben wollen. Und zu messen, wie Du von dieser Basis aus weiter machen willst. Es sind goldene Zeiten, egal ob Du ein Nischenthema besetzt oder große Themen.

acquisa: Ganze viele Unternehmen versuchen gerade, selber zu Publishern zu werden, Stichwort Content Marketing. Wenn das klappen soll: Ist der Erfolgsfaktor die Fanbase?

Bauckhage: Der Erfolgsfaktor ist Content. Wenn Du nichts zu erzählen hast, hilft Dir auch keine Fanbase. Du brauchst Content, Content ist das Erste. Und ich glaube, das verstehen viele noch nicht. Oder sie unterschätzen es. Das ist im Übrigen auch der Grund, warum Buzzfeed so erfolgreich ist. Weil sie denen, die keine Geschichten zu erzählen haben, hilft, Stories zu produzieren.  Warum sollst Du Publisher werden, wenn Du keinen Content hast, der die Menschen interessiert? Dann brauchst Du gar nicht anzufangen. Im Moment liegt die Konzentration zu stark auf Distribution. Wenn Du Produkthersteller bist, dann brauchst Du Content. Verlage allerdings sollten sich schleunigst Gedanken über Distribution machen. Und um Daten.

Schlagworte zum Thema:  Content Marketing, Online-Marketing, Social Media

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